zuletzt aktualisiert vor

Ärger für Delmenhorster Mieter Wegen 200 Euro ohne Klingel, Telefon und TV

Von Sascha Sebastian Rühl

Momentan schwieriger erreichbar: An der Holbeinstraße klingelt es gerade nicht. Foto: Sascha Sebastian RühlMomentan schwieriger erreichbar: An der Holbeinstraße klingelt es gerade nicht. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Wegen Abstimmungsproblemen ist ein Häuserblock an der Holbeinstraße seit fast zwei Wochen isoliert. Telefon, Internet, Klingel, Fernseher und Radio sind außer Funktion, da eine Stromrechnung nicht beglichen wurde. Das dk konnte helfen.

In einem Wohnblock an der Holbeinstraße in Delmenhorst wohnt man im Moment so isoliert wie auf einer Insel: Weil ein Teil des Betriebsstroms im Wohnblock abgestellt wurde, funktionieren Klingel, Türöffner, Telefon, Radio und Fernseher nicht. Vom Kabelanschluss sind bei Mieterin Barbara Mainka auch Telefon und Internet abhängig und damit ebenfalls außer Betrieb. Der Strom in den Wohnungen funktioniert derweil. „Das ist seit 13 Tagen so, ich kann auch keinen Besuch empfangen“, ärgert sich die Mieterin, die kein Handy besitzt. „Heute stand die Tochter einer Nachbarin im Garten und musste laut nach ihr rufen“, erzählt Mainka.

Nur 200 Euro fehlen

Auf dk-Nachfrage bestätigt der Energieversorger EWE, dass es seit November 2017 Außenstände für den Häuserblock an der Holbeinstraße gebe. Es fehlt lediglich ein Betrag von knapp 200 Euro. Laut Pressesprecherin Katharina Schütz wurde mehrfach, auch über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus, angemahnt. Zwischendurch sei auch ein Teil der ausstehenden Summe beglichen worden. Am Ende musste der Betriebsstrom jedoch gesperrt werden. „Das war ein Stromzähler mit sehr geringem Verbrauch.“ Dennoch habe sich der geringe Betrag über acht Monate angehäuft. Für die EWE sehe es nach einem Einzelfall aus, der Vermieter besitze weitere Häuser in der Region – In denen sei der Strom nicht abgestellt.

Vermieter hat keine Kenntnis

Eigentümer des Häuserblocks ist ein börsennotierter Konzern, der 49.000 Wohneinheiten besitzt und sein Geschäft auf Tochtergesellschaften aufteilt. Erst im Winter hat laut Barbara Mainka die Zuständigkeit für das Delmenhorster Gebäude gewechselt. Genau da könnte das Problem liegen. „Es sind keine Rechnungen offen“, heißt es aus der Konzernverwaltung in Berlin. Alle Verträge des alten Verwalters seien gekündigt worden. Mehrfach sei die EWE auf den neuen Verwalter hingewiesen worden, dennoch werde wohl der alte angeschrieben. Und außerdem: „Sämtliche Rechnungen sind bezahlt, der Strom wurde nicht abgestellt. Wir können das nicht bestätigen. Es läuft alles so, wie es laufen soll.“ Allerdings seien Fehler möglich. „Wenn EWE und Mieterin das behaupten, werden wir dieser Sache natürlich nachgehen. Wir wollen ja nicht unsere Mieter verärgern.“

13 Tage abgeschnitten

Die 69-jährige Delmenhorsterin möchte nur wieder eine Verbindung zur Außenwelt haben. Im Moment habe sie sich ein Handy von einer Freundin ausgeliehen. „Dass der Fernsehempfang nicht geht, ja darauf kann ich verzichten. Aber mein Mann ist dement und braucht große Tasten am Telefon. Wenn mir hier was passiert, kann er gerade nur auf die Straße laufen und laut um Hilfe rufen.“ Und sollte die Feuerwehr da sein, könnte sie nicht klingeln und der Türöffner gehe auch nicht. „Die 200 Euro würde ich auch selbst bezahlen.“

Strom läuft wieder

„Das ist höchst unangenehm“, heißt es einen Tag nach der Berichterstattung des dk vom Eigentümer. Nach der Presseanfrage sei umgehend die EWE kontaktiert worden, um den Betrag begleichen zu können.

Im schlimmsten Fall hätte auch ein Aufzug und nicht nur der Kabelanschluss betroffen sein können, hieß es. Nun werde „jeder Stein umgedreht“, damit sich so etwas nicht wiederholt. Der Konzern entschuldigte sich für den Vorfall und übernahm die Verantwortung. Bei einem Wechsel der Verwaltung im Januar 2018 seien nicht alle Strom-Rechnungen übergeben worden, wodurch die EWE ins Leere mahnte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN