Fachkräfte fehlen Handwerker arbeiten auch in Delmenhorst an der Belastungsgrenze

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Das Handwerk braucht auch in der Region dringend Nachwuchs und Fachkräfte, Symbolfoto: Boris Roessler/dpaDas Handwerk braucht auch in der Region dringend Nachwuchs und Fachkräfte, Symbolfoto: Boris Roessler/dpa

Delmenhorst. Die Auftragsbücher im Handwerk sind voll. Mitunter müssen Aufträge abgelehnt und Kunden vertröstet werden – das ärgert nicht nur die Kunden.

Wer einen Handwerker sucht, der muss derzeit auch in Delmenhorst und Umgebung in vielen Fällen Geduld mitbringen und wochenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen ist groß. „Die Auftragsbücher sind in der Regel – Ausnahmen bestätigen diese Regel – gut gefüllt. Doch es gibt nicht genügend Fachkräfte“, sagt Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Fenja Gralla, Pressesprecherin der Handwerkskammer Oldenburg, stößt ins gleiche Horn: längere Wartezeiten seien in den Mitgliedsbetrieben nicht ungewöhnlich. „Einerseits sind die Betriebe durch volle Auftragsbücher ausgelastet. Das liegt in der Baubranche, wo die Wartezeiten besonders hoch sind, sicherlich auch an den niedrigen Zinsen und der damit verbundenen erhöhten Bautätigkeit. Andererseits spielen aber auch fehlende Fachkräfte eine Rolle“, betont Gralla. Günnemann bestätigt: „In zunehmendem Maße klagen Handwerksunternehmen, die offene Stellen zu besetzen haben, dass sie gar kein geeignetes Personal mehr finden.“

Aufträge müssen zum Teil abgelehnt werden

Gerade in den Ausbaugewerken ist die Nachfrage laut Günnemann so hoch, dass bereits Aufträge abgelehnt werden müssen. Die Situation mit den langen Wartezeiten im Handwerk werde sich noch verschärfen. Bei aller Freude über volle Auftragsbücher seien Absagen und Wartezeiten auch für die Betriebe eine schwierige Lage, die keinem Betrieb gefalle. Dazu komme noch ein Punkt: „Die Handwerker – Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – arbeiten vielfach an ihrer Belastungsgrenze“, sagt Günnemann. „Mit Blick auf vernünftige Arbeitsbedingungen, den gesundheitlichen Schutz sowie eine ,Work-Life-Balance‘ für die Beschäftigten sind hier aber Grenzen gesetzt.“

Gralla sagt: „Wenn Anfragen zu neuen, interessanten Projekten abgelehnt oder auf später vertröstet werden müssen, gefällt das den Unternehmen selber natürlich auch nicht. Mit mehr qualifiziertem Personal könnten diese Spitzen bewältigt werden.“ Doch woher soll neues, qualifiziertes Personal kommen? „Es muss weiter intensiv für das Handwerk und die Ausbildung im Handwerk geworben werden, damit wir uns auch in den kommenden Jahren auf qualifizierte Fachkräfte verlassen können. Die steigenden Zahlen der neu eingetragenen Lehrverträge von Ende Juni, die bei der Handwerkskammer erfasst werden, lassen zwar hoffen, sind aber lange noch kein Grund, zufrieden die Hände in den Schoß zu legen“, sagt die HWK-Sprecherin. „Wir hatten in den vergangenen Jahren rückläufige Lehrlingszahlen. Dieses Jahr sind wir zum Glück wieder im positiven Bereich, aber die fertigen Gesellen werden jetzt benötigt.“

Bei allen Gelegenheiten werben

Günnemann ergänzt: „Wir werben bei allen Gelegenheiten für das Handwerk. Wir brauchen die Jugend so dringend, sie ist unsere Zukunft. Das Handwerk steht aber im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen.“

Die Handwerkskammer flankiert diese Werbung für die Ausbildung zum Beispiel durch eine Imagekampagne, die auch speziell auf Jugendliche zugeschnitten ist. „Die Betriebe sind in dieser Zeit auch dazu aufgefordert, sich und ihre Ausbildung bei den Jugendlichen bekanntzumachen und ihnen schon während der Ausbildung die guten Aufstiegschancen im Betrieb aufzuzeigen und natürlich durch eine ansprechende Ausbildung zu punkten“m erläutert Gralla die Vorgehsweise. „ Auch in den Schulen sollte die Berufsorientierung verstärkt in den Fokus genommen werden. In der ganzen Öffentlichkeit muss das Handwerk wieder als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden, sodass der Trend zur Akademisierung wieder auf ein normales Maß zurückgefahren wird.“

Auch Migranten im Blick

Neben jungen Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle hat Günnemann noch andere Gruppen im Blick: „Wir kümmern uns um Migranten, die schon länger im Land leben, um ihnen das Handwerk näherzubringen.


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