Delmenhorster Segler Was man wissen muss, um die Segel zu hissen

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Wo ist backbord? Wie fährt man gegen den Wind? Und warum gibt es im Segelsport so viele Optimisten? Um endlich auf große Fahrt zu gehen, werden viele Kenntnisse und schließlich auch ein Schein benötigt. Der Auftakt zu einer neuen dk-Serie.

Wo soll eigentlich ein Delmenhorster Segelclub in See stechen? An der Delme? Gesegelt wird natürlich an der Ochtum, wo die vier Delmenhorster Vereine ihre Boote liegen haben. An einem alten Nebenarm der Ochtum. „Hier gibt es keine Tide. Ein ideales Übungsgebiet für den Optimist“, sagt Trainer Gunnar Haselhoff. Damit sind die Jugendjollen der Vereine gemeint, kleine Boote mit nur einem Segel. Gerade für ihren Einsatz fertiggemacht werden die Piraten, die etwas komplizierter zu handhaben sind. Besatzung sind die beiden 16-Jährigen Thorge Casjens vom Delmenhorster Segelclub St. Veit und Lukas Evers vom DBV Ochtum. Für die aufwendige Jugendarbeit haben sich die Delmenhorster Vereine zusammengetan, um sich eine „Flotte“ und Ausbilder zu teilen.

Viel zu lernen

Die beiden Jugendlichen segeln schon aktiv Regatta, wissen schon seit Längerem, was sie tun müssen, damit ihnen mitten auf dem Fluss nicht auf einmal der Mast auf den Kopf fällt geht. Ein Gewirr aus Tauen und Seilen bedeckt das Bootsinnere, jedes erfüllt am Ende einen Zweck. Der Mast selbst wird mit drei Stahlseilen befestigt, die die beiden nun festschrauben. „Kinder können das ganze Jahr über in den Verein eintreten. Innerhalb eines Jahres haben wir ihnen alles beigebracht, was sie zum Segeln und Instandsetzen wissen müssen“, betont Gunnar Haselhoff.

Regatte vor Helgoland

„Ich hab mit dem Opti angefangen, da lernt man ganz gut die Grundlagen“, findet Lukas Evers. Eines der schönsten Erlebnisse sei eine Regatta vor Helgoland gewesen. Da sind die Wellen oft so hoch, dass die Boote dahinter verschwinden“, weiß sein Trainer. „Wir hatten aber drei Tage Flaute“, ergänzt Evers, der vor allem das draußen sein an seinem Hobby schätzt.

Handwerk wird vermittelt

Zum Segeln gehört nicht nur die Kenntnis, mit welchem Seil man welches Segel hochzieht, strafft oder bewegt, sondern auch handwerkliche Kenntnisse. „Bei uns machen sie alles selbst. Eine Trainerin ist gelernte Bootsbauerin“, freut sich Haselhoff. In der kalten Jahreszeit werde gewartet und dafür von April bis Oktober gesegelt. Auch die Bedienung von Schleusen lernen Anfänger, sonst bleibt der Weg in die Ochtum ohnehin für sie versperrt.

Was ist ein Cunningham?

Auf Ausflügen werde in den Booten in Yachthäfen geschlafen, auch Ausflüge entlang der Küste bis in die dänische Südsee bieten die Vereine an. Jugendliche zahlen 35 Euro Mitgleidsbeitrag pro Jahr

Gerade suchen die beiden Jugendlichen Cunningham und Topmarter. Der Wortschatz erweitert sich um zahlreiche Begriffe. Wer das Seglervokabular beherrscht, weiß, dass Lee die vom Wind abgewandte Seite des Segels ist, dass mit der „Pütz“ einlaufendes Wasser geschöpft wird und sich ein Boot, dass sich im Wind neigt „krängt“. Öfter gebraucht werden die Drehmanöver Wende und Halse und Seemannsknoten wie der Palstek. Und gekreuzt wird, wenn man sich in vertikalen Bahnen gegen den Wind bewegt.

Ernstfall wird trainiert

Auch an die Sicherheit wird gedacht. „Im Sommer machen wir eine Kenterübung mit Einsteigen in eine Rettungsinsel“, betont Haselhoff. Außerdem würden die Jollen so gefahren, dass sie sich einmal um die eigene Achse drehten. „Es muss dann versucht werden, das Boot mit dem Körpergewicht wieder aufzurichten. Man muss danach schnell wieder einsteigen.“ Sonst fahre das Boot noch ohne seine Besatzung davon.

Segeln ab sieben Jahren

Mit dem Optimist umgehen lernen: Wer segeln lernen will, muss das Boot auch seetüchtig machen können. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Ab sieben Jahren darf mit dem kleinsten Segelschein gesegelt werden, aber viele machen auch den Sportbootführerschein. „Damit kann man Sportboote bis 20 Meter und mit mehr als 15 PS innerhalb der Küstengewässer gefahren werden“, erzählt Gunnar Haselhoff. „Man kann jederzeit in jedem Alter einsteigen und sollte keine Angst vorm Wasser haben.“ Außerdem sollten Segler „windaffin“ sein.


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