Abgewandertes Gewerbe Delmenhorster Wirtschaftsförderung soll Vorwürfe aufklären

Von Frederik Grabbe

Offiziell sind nur noch fünf Prozent der Flächen im GUT Langenwisch mit insgesamt 16,3 Hektar verfügbar. Ein Viertel davon ist reserviert. Archivfoto: Michael KornOffiziell sind nur noch fünf Prozent der Flächen im GUT Langenwisch mit insgesamt 16,3 Hektar verfügbar. Ein Viertel davon ist reserviert. Archivfoto: Michael Korn

Delmenhorst. Die Delmenhorster Wirtschaftsförderung sieht sich scharfen Vorwürfen ausgesetzt. Nun ist die aufgefordert, diese Vorwürfe zu erklären.

Angesichts der Abkehr zweier Unternehmen vom Wirtschaftsstandort Delmenhorst, fordern Oberbürgermeister Axel Jahnz und der Vorsitzende des Fördervereins der örtlichen Wirtschaft, Hans-Ulrich Salmen, die Wirtschaftsförderung auf, die ihr entgegengebrachten Vorwürfe aufzuklären. Das erklärten sie gegenüber dem dk.

Kritik wegen Verlust von Unternehmen

Wie berichtet, will die Firma SR Schweißtechnik bald nach Ganderkesee ziehen. Der Chef des Unternehmens, Christian Schütze, hatte die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg) scharf attackiert: Sie sei träge und unflexibel, was die Vermittlung von Gewerbegrundstücken in Delmenhorst angehe. Bereits im vergangenen Sommer hatte die AHS Prüftechnik wegen nicht ausreichender Gewerbeflächen Delmenhorst verlassen. Mit beiden Unternehmen sind der Stadt zusammen rund 50 Arbeitsplätze verloren gegangen. Zudem erklärte auf Nachfrage der Chef der SM Blechverarbeitung, Mark Giesbrecht, sein Unternehmen an der Berner Straße, suche derzeit ebenfalls nach größeren Flächen, um sich zu vergrößern. „Es gab zwar ein Angebot von der dwfg. Doch das hat die Anforderungen nicht erfüllt.“

Jahnz hat Fragen an die dwfg

Angesprochen auf die SR Schweißtechnik sagt Jahnz: „Die dwfg muss auf die Vorwürfe angemessen reagieren und die Sache aufklären. Auch ich habe noch Fragen an die dwfg, wir sind in Gesprächen.“ Salmen habe die massiven Vorwürfe mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Er forderte, diese aufzuklären. Beide Seiten, Unternehmerschaft wie dwfg, sollten in einen Dialog treten.

(Weiterlesen: Oberbürgermeister Jahnz fordert im Interview mehr Gewerbeflächen)

Mehrfache Hilfestellungen geleistet

Zum Fall SR Schweißtechnik erklärt die dwfg auf Anfrage, dass sie der Firma allein im GUT Langenwisch zwei Grundstücke angeboten habe. Mehrfach habe sie Kontakte zu Immobilienbesitzern ermöglicht und Finanzierungsansätze aufgezeigt. Im Fall der SM Blechbearbeitung spricht die Wirtschaftsförderung von „intensiven Gesprächen“, eine passgenaue Fläche konnte aber nicht vermittelt werden. Angesprochen auf das erst kürzlich eingeführte Gewerbekataster spricht die dwfg von einer „Vielzahl von Grundstücksvermittlungen“, eine konkrete Angabe macht sie aber nicht.

dwfg: Ausweisungen an Gewerbeflächen obliegt der Stadt

Generell meint Unternehmer Mark Giesbrecht: „Der Fehler liegt nicht bei der dwfg. Es gibt schlicht keine Angebote an Gewerbeflächen. Hier sind die Ratspolitik und die Stadtverwaltung gefragt.“ Als großes Gewerbegebiet dient derzeit das GUT. Von den 16,29 Hektar sind derzeit als nicht zusammenhängende Fläche 1,3 Hektar verfügbar, das sind rund fünf Prozent der Gesamtfläche. Insgesamt sind laut dwfg 70 Prozent der Flächen verkauft und 25 Prozent reserviert. Auf das Thema angesprochen erklärt die Wirtschaftsförderung: Die Nachfrage nach Gewerbeindustrieflächen sei groß, „die Ausweisung von Flächen obliegt jedoch der Stadt Delmenhorst, und nicht der dwfg.“

„Wir haben keine Flächen – das ist unser Dilemma“

Allerdings ist das nicht so ohne Weiteres möglich. Darauf weisen die Ratspolitiker Andreas Neugebauer (SPD & Partner) und Kristof Ogonovski (CDU) hin, die beide der Gesellschafterversammlung der dwfg angehören. „Als kreisfreie Stadt haben wir nun einmal überall zu wenig Flächen. Das ist unser Dilemma. Das trifft das Gewerbe ebenso wie Wohnbauten“, sagt Neugebauer. „Aber sollen wir jetzt alle Grünflächen zuballern?“ Von einem akuten Mangel an Gewerbeflächen spricht er mit dem Hinweis auf das GUT aber nicht. Ogonovski sagt: „Große Gewerbeflächen sind begrenzt. Das ist altbekannt. Grundsätzlich sehe ich die Stadt bei Flächen für Gewerbe und Industrie gut aufgestellt. Immer passgenaue Flächen anbieten zu können, ist aber nicht möglich.“

Strategische Ausweisung von Gewerbeflächen gefordert

Den Hinweis auf die begrenzten Flächen einer kreisfreien Stadt will der Fördervereinsvorsitzende Salmen nicht gelten lassen: „Was wir brauchen, ist eine strategische Ausweisung von Gewerbeflächen. Wir müssen Gewerbevorrangsflächen schaffen. Wir müssen Zeithorizonte festlegen, in denen wir diese planen. Und wir müssen Bestandsflächen füllen, die bereits vorhanden sind.“ Um dies zu gestalten, seien die dwfg und die Politik gleichermaßen aufgefordert. Nötigenfalls, sagt Salmen, müsse es eine Priorisierung von Bauland für Wohn- und Gewerbeflächen geben.