Weiterbildung in Delmenhorst Kurs des Bildungswerks DAA hilft arbeitssuchenden Migranten

Von Frederik Grabbe

Arbeit ist das Ziel: Um arbeitssuchende Migranten zu unterstützen, bietet das Bildungswerk DAA Einzelcoachings an. Symbolbild: Sven HoppeArbeit ist das Ziel: Um arbeitssuchende Migranten zu unterstützen, bietet das Bildungswerk DAA Einzelcoachings an. Symbolbild: Sven Hoppe

Delmenhorst. Wer als neu Zugewanderter arbeiten will, steht oft vor einer Reihe von formalen und lebenspraktischen Problemen. Ein Kurs des Bildungswerks DAA in Delmenhorst schafft Abhilfe.

Wie finden zugewanderte Migranten eine Arbeit? Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss in vielen Fällen erst eine Gemengelage verschiedener Probleme aus dem Weg geräumt werden, die aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen Zugewanderte selbst nicht lösen können. Um hier eine Stütze zu bieten, richtet seit 2016 das Bildungswerk DAA im Auftrag des Jobcenters Einzelcoachings aus. Derzeit besuchen 20 Migranten vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak oder aus Somalia den Kurs.

Stütze im Kontakt mit Behörden

Ein praktisches Beispiel gibt Nina Nussbaum, bei der DAA zuständig für die Coachings, vor: „Flattert ein GEZ-Bescheid ins Haus, versteht ein Zugewanderter oftmals die Behördensprache nicht und weiß ebenfalls nicht, wie er sich davon befreien lassen kann. Am Ende zahlt er nicht, die GEZ reagiert mit Mahnschreiben und droht mit Zwangsvollstreckungen.“

(Weiterlesen: Flüchtlinge am Arbeitsmarkt – „Stehen vor großer Herausforderung)

Diese Hilfe bei Behördenangelegenheiten ist nur ein Beispiel, wie das Einzelcoaching Hilfe leistet. Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen, der Suche nach Kinderbetreuung, der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse oder bei psychosozialen Angelegenheiten aufgrund von Fluchterfahrungen sind weitere Themen.

Kann die Person überhaupt lesen und schreiben?

Laut Nussbaum steht am Anfang eines Coachings, das sich bis zu einem halben Jahr erstrecken kann, eine „Profilierung“, wie sie sagt. Welche Sprachen spricht die Person? Welche Fähigkeiten hat sie? Wie lange ist sie zur Schule gegangen? Und kann die Person überhaupt lesen und schreiben? Entsprechend dieser Vorbildung werden dann weitere Maßnahmen gesucht. Alphabetisierungs-, Integrations- oder Sprachkurse etwa. Oder eben die direkte Hilfe bei der Vermittlung in Arbeit, was ja das letztendliche Ziel des Einzelcoachings ist, wie Philipp Nixdorf, Jobcenter-Mitarbeiter für den Bereich Migration, betont.

Rund 80 Prozent haben keine formal anerkannten beruflichen Qualifikationen

(Flüchtlingsnachzug – Jobcenterchef fordert dringend mehr Personal)

Oft müssten Migranten mit ihrem Verständnis von Arbeit und Ausbildung aufräumen: „Rund 80 Prozent von ihnen haben keine formal anerkannten beruflichen Qualifikationen“, so Nixdorf. „Wurden in der Heimat eher ohne Formalia Jobs im Verkauf, in der Landwirtschaft oder im Handwerk erledigt, herrscht in Deutschland mit seiner Dualen Ausbildung eine Zertifizierungskultur. Papier ist hier alles.“ Sehr wohl aber seien verschiedene Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden, auf die zum Beispiel in Helferjobs aufgebaut werden könne. Die sozialpädagogische Beratung im Einzelcoaching jedenfalls löse eine „substanzielle Veränderung bei den Fähigkeiten“ aus, lobt Nixdorf. Ein Umstand, der ihn im Jobcenter wiederum helfe, einen Job zu vermitteln.

„Projekt weist gute Ergebnisse vor“

Laut Nixdorf haben seit 2016 insgesamt 110 Menschen den Kurs durchlaufen. 14 haben Arbeit aufgenommen, 20 sind arbeitslos, 58 in weiterführenden Sprachkursen und zwei in einer Ausbildung. Bei 16 weiteren steht das Jobcenter außen vor, weil entweder eine Elternzeit ansteht, Angehörige gepflegt werden oder die Betroffenen verzogen sind. „Dafür, dass man mit Menschen zu tun hat, die hierzulande eher als arbeitsmarktfern gelten, weist das Projekt gute Ergebnisse vor“, ordnet der Jobcentermitarbeiter die Kursbilanz ein.