Pollak-Stiftung sucht Perspektive Delmenhorster Bilderschatz sucht neue Förderer

Gerrit van Staden Galerie van Staden, Josef Pollak Aquarell Stiftung Foto: Sascha Sebastian RühlGerrit van Staden Galerie van Staden, Josef Pollak Aquarell Stiftung Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Seit 1990 wird der gewaltige Nachlass des Delmenhorster Malers Josef Pollak in einer Stiftung verwaltet und öffentlich gemacht. Er besteht aus rund 1800 Bildern und 10.000 Zeichnungen. Nun könnte der Stiftung das Geld ausgehen.

Was wird aus der Josef-Pollak-Stiftung, wenn die Stiftungsmasse in zwei Jahren die laufenden Kosten nicht mehr decken kann? Galerist Gerrit van Staden sucht derzeit nach Förderern, um die gewaltige Sammlung des Delmenhorster Malers (1912-1997) weiter erhalten und zeigen zu können. Das tut der 60-Jährige derzeit in seiner Galerie an der Langen Straße. „Wenn das irgendwann ohne Partner nicht mehr geht, werde ich dazu gezwungen, die Stiftung an das Land Niedersachsen abzugeben. Das wäre ein Armutszeugnis für diese Stadt“, findet van Staden. „Diese Sammlung bedeutet uns sehr viel – Josef Pollak war ein außergewöhnlicher Künstler“, finden Ursula und Manfred Becker, die Pollak privat kannten und gerade die Ausstellung in der Galerie van Staden besuchen. Jeden Tag kämen Leute, um sich Pollaks Bilder anzuschauen, betont van Staden.

Weniger verkaufte Bilder

Eigentlich sollte sich die Stiftung durch den Verkauf einer geringen Anzahl von Bildern selbst tragen. „Der Verkauf von Bildern ist weniger geworden. Die Betrachtung von jungen Leuten ist heute anders – vielen reicht auch ein Druck von Ikea“, glaubt der Galerist. Laut van Staden gebe es Überlegungen des Verlags Siegfried Rieck, sich aus der Stiftung zurückzuziehen.

„Interesse überschaubar“

„Wir müssen überlegen, wie wir mit der Stiftung weiter umgehen“, sagt Frank Dallmann für den Verlag dazu. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, aber man müsse überlegen, wie es weitergeht. „Das Interesse am Künstler ist sehr überschaubar.“ Laut van Staden habe sich die Stiftung anfangs noch aus Verkäufen getragen.

Ohne Galerie kein Ausstellungsort

Abgesehen vom bislang ungelösten finanziellen Problem der Stiftung habe Gerrit van Staden auch eigene Zukunftspläne für seinen Ruhestand. Wenn es die Galerie als Aufbewahrungsort der Pollak-Kunst nicht mehr gibt, „wohin dann damit?“ Die Sammlung gehöre nach Delmenhorst.

Gigantische Sammlung

1000 Aquarelle, 800 Ölbilder, 10000 Zeichnungen umfasst die Sammlung, das Erbe des Ur-Delmenhorsters Pollak. „Solange ich hier bin, werde ich nicht zulassen, dass diese Sammlung irgendwo in einem Magazin verstaubt“, sagt van Staden. Kaum jemand habe so viele Motive in Delmenhorst gemalt wie Pollak, der zu Lebzeiten nicht ohne Notizblock anzutreffen war.

Viele scheuen Folgekosten

Einige tausend Euro pro Jahr werden laut van Staden benötigt, um die Kunst zu lagern und zu zeigen. „Ich habe schon bei vielen in Delmenhorst angeklopft, aber viele scheuen auch die Folgekosten.“ Die städtische Galerie oder das Industriemuseum hätten keinen Platz für Pollaks Vermächtnis. „Kunst und Kultur sind immer ein Folgegeschäft“, weiß van Staden.

Sammlung soll in Delmenhorst bleiben

Die aktuelle Heimat der Bilder, seine Galerie, sei der richtige Platz: öffentlich zugänglich und in der Fußgängerzone. „Aber es wird schwer, jemanden zu finden, der sich damit identifiziert.“ Das sei auch eine Generationssache.


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