Arbeitsmarkt im Juni Starker Delmenhorster Arbeitsmarkt trotzt dem Trend

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Delmenhorst zeigt sich vor den Sommerferien robust.  Foto: Carsten Rehder/dpaDer Delmenhorst zeigt sich vor den Sommerferien robust. Foto: Carsten Rehder/dpa

Delmenhorst . Normalerweise flaut die Nachfrage nach Arbeitskräften zu den Sommerferien ab. Nicht so in diesem Jahr: „Trotz des Saisontrends befindet sich der Arbeitsmarkt Juni in einer stabilen Lage“, sagte am Freitag die Leiterin der hiesigen Agentur für Arbeit, Karin Kayser.

In Zahlen heißt das: Insgesamt zählte die Agentur im Juni 3636 Arbeitslose in Delmenhorst. Das sind leicht weniger als im Mai (-26) und beachtlich weniger als im Juni 2017 (-436). In Ganderkesee hatten 629 Menschen keine Arbeit. Die Arbeitslosenquote in der Stadt belauft sich auf 9,3 Prozent. Somit bestätigt sich die für Delmenhorst starke Konjunktur erneut. Für den Ferienbeginn typische Entwicklungen schlagen nicht so deutlich ins Kontor: So ist etwa die Zahl der arbeitslosen unter 25-Jährigen um 4,1 Prozent (+15) auf 385 gestiegen, weil nicht alle ausgelernten Ausbildungskräfte übernommen worden sind, sagte Kayser.

(Weiterlesen: Besonderes Programm für Langzeitarbeitslose – Ein Verbündeter auf der Suche nach Arbeit in Delmenhorst)

Im Sozialbereich stehen viele Stellen offen

Dass weiter Arbeitskräfte dringend gesucht sind, mache sich auch an 160 vor den Ferien gemeldeten Stellen bemerkbar. Derzeit sind 718 Stellen unbesetzt, die größte Nachfrage besteht mit Abstand im Bereich „Gesundheit und Soziales, Lehre und Erziehung“ mit offenen 159 Stellen.

(Weiterlesen: Umschüler in Delmenhorst – die Marathonläufer der Arbeit)

Hohes Niveau an Jobs

So viel Nachfrage wirkt sich auch auf die Beschäftigtenverhältnisse aus: 20.876 Männer und Frauen waren in der Stadt zuletzt sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 254 mehr als vor einem Jahr. Zum Stichtag dieser jüngsten Erhebung am 31. Dezember 2017 zeigte sich auch, dass vom bisherigen Boom am meisten der Bereich „Heime und Sozialwesen“ profitiert: 134 Stellen kamen in einem Jahr neu hinzu. Weit dahinter folgen Zeitarbeitsverhältnisse (+65).

Mehr als 5600 Beschäftigungslose gelten nicht als arbeitslos

Bei allen guten Daten sei trotzdem gesagt, dass die Unterbeschäftigung in Delmenhorst relativ hoch ist: 5623 Menschen waren im Juni unterbeschäftigt, sind also ohne Beschäftigung, aber besuchen etwa Fortbildungsmaßnahmen und gelten damit nicht als arbeitslos. 13,7 Prozent betrug die Unterbeschäftigtenquote in der Stadt zuletzt.


In Niedersachsen ist der Bedarf nach Arbeitskräften so hoch wie nie: Der regionale Stellenindex der Agentur für Arbeit war im Juni auf einem neuen Höchststand. Die Zahl der Arbeitslosen sank auf 221597, damit betrug die Arbeitslosenquote 5,1 Prozent. Ein neuer Rekord im Flächenland. Im Land Bremen sank die Quote auf 9,7 Prozent, damit waren 34678 Menschen ohne Arbeit. Der Stellenindex in Bremen bleibt auf einem hohen Niveau.

Grundsätzliche Daten zum Bereich des Jobcenters Delmenhorst

Mehr als 10.000 Delmenhorster erhielten 2016 Leistungen der Grundsicherung, eine „hohe Zahl“, wie das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017/2018 festhält. Arbeit oder eine Ausbildung zu finden sei „unter realen Marktbedingungen“ nur schwer zu realisieren – und wenn, nur auf lange Sicht. Im Juli 2016 hatten 71 Prozent aller Jobcenterkunden keinen Berufsabschluss, nur 11 Prozent wiesen marktnahe Bewerberprofile auf.

Unter ihnen ist die Zahl der Alleinerziehenden mit 1059 „hoch“, wie es in dem Papier heißt. Aufgrund der geringen Quote an Berufsabschlüssen und der schwierigen Betreuungssituation liege ein „besonderes Augenmerk“ auf Alleinerziehenden.

Von 7500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind 5000 im Langzeitleistungsbezug, 3300 sind seit länger als vier Jahren ohne Arbeit.

Tiefstwerte in den vergangenen fünf Jahren wurden bei den Zahlen der Leistungsempfänger (7619) und Bedarfsgemeinschaften (5413) erreicht (2011: 7300; 5197). Grund ist laut Integrationsprogramm der Flüchtlingszuzug.

Die Beschäftigungsquote in der Stadt liegt bei 54 Prozent, drei Prozent unter dem Bundesschnitt. Auch wenn im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit abgebaut werden konnte, liege dies an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, also Maßnahmen des Jobcenters. Exemplarisch steht dafür die Zahl der Unterbeschäftigten von 5840 (Januar 2017: 14,4 Prozent, Januar 2016 13,5 Prozent).

Schwierig sei der Delmenhorster Arbeitsmarkt auch wegen der enormen Pendleranzahl. Gegengerechnet 6700 Menschen pendeln täglich aus der Stadt, um woanders einer Arbeit nachzugehen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN