Deutschland ausgeschieden bei WM Miese Stimmung bei Delmenhorster Public Viewing

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Delmenhorst/Ganderkesee. Die WM-Elf um Bundestrainer Jogi Löw fliegt nach Hause. Nach einem verzweifelten Angriffsspiel gegen Südkorea hat es für die Mannschaft nicht zum Weiterkommen gereicht. Die Delmenhorster und Ganderkeseer haben das Spiel mit Schimpfen und Unglaube verfolgt.

Nachdem die deutschen Nationalkicker beim Spiel gegen Schweden gezeigt haben, dass sie schießen können und Nerven haben, waren die Erwartungen beim Public Viewing in Delmenhorst und Ganderkesee hoch: Gegen Südkorea sollten ja wohl ein paar Törchen drin sein. Aber es kam anders: Deutschland nach Hause, Tore für die andere Seite, hundsmiserable Stimmung danach.

Ohrenbetäubendes Zähneknirschen

Schon in den ersten Minuten waren nicht alle einverstanden mit Jogis Aufstellung, beispielsweise im Biergarten von Schierenbeck: „Gomez, Brandt und Rüdiger müssen rein“, meint eine Gruppe junger Männer, „statt Goretzka, Werner und Süle.“ Dabei entschärft gerade Abwehr-Hüne Süle später einige Male Südkoreanische Angriffe. Werner sei zu kopfballschwach. Ewige quälende Minuten erwarten alle ständig brillante Angriffskombinationen der deutschen Mannschaft, aber die vertrampeln sich ständig in der südkoreanischen Abwehr. Das Zähneknirschen des Publikums bei Schierenbeck wird zu einem Hintergrundrauschen vom Format einer nahen Baustelle. Die kleine Jana sitzt an einem Tisch und malt gedankenverloren etwas zusammen mit ihrem größeren Cousin. So richtig dabei ist sie nicht. Aber sie will auch, dass Deutschland gewinnt: „Ganz hoch!“

„Gomez soll da rein!“

Das wird wohl nichts. Bei Menkens in Hoykenkamp liegen die Nerven beim weiteren Verlauf des Spiels blank. 50. Minute, Schweden schießt im Parallelspiel ein Tor gegen Mexiko, Deutschland wäre bei einem Unentschieden raus. Jetzt muss ein Tor her. „Maaan!“ brüllt einer, „Gomez soll da rein!“ 57. Minute: Gomez macht sich bereit und wird eingewechselt. Applaus. Endlich. Jetzt wird alles gut, bestimmt. Die Südkoreaner nerven, wollen auch ein Tor machen. Die 400 bei Menkens bekommen Angst: Einzelne Abwehraktionen werden erleichtert beklatscht. 83. Minute: „Du musst nicht immer traurige Leute fotografieren“, ruft einer, „knips die fröhlichen, wir gewinnen noch.“ Er geht weiter, setzt sich an einen Tisch, trinkt einen schwarz-rot-orangen Schnaps, „Hallo! Hallo! Gleich passiert‘s!“. Ein paar Minuten später passiert‘s echt: Südkorea liegt vorn, keine Zeit mehr, Neuer mit nach vorn, umsonst, Konter, zweites Tor, alles verloren. Die Masse bei Menkens durchtaumelt unterschiedliche Entsetzenszustände.

Beten um deutsche Tore

Danach: Kein Korso. Gerd Menkens bedankt sich über Mikro bei seinen Gästen. „Ihr wart super, Danke!“ Seine Mutter, im Publikum, ist traurig, auch für die Mühe, die sich der Wirt gemacht hat. So viel Arbeit. Sie hat zwischendrin gebetet, dass es noch gut ausgeht. Vorn am kleinen Podest sitzt Thomas Hadlak, „DJ Hardy“, der Stimmung gemacht hatte. „Wir haben so tolle Zeiten erlebt“, sagt er, „drei Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften. Es ist so traurig.“ Gerd Menkens ist betrübt. Das Geschäft läuft ohne Fußball nicht so gut. Er werde weitere Spiele wohl zeigen. Aber wohl nicht unbedingt auf großer Leinwand.

Auf der Langen Straße in Delmenhorst, eine halbe Stunde später: EIn Mann trägt seinen vielleicht zweijährigen Sohn durch die Straße. Er probt einen kleinen spöttelnden Sprechgesang mit dem Lütten. „Südkorea zwei“, sagt er, und bringt dem Sohn den Antwort-Chorus bei: „Deutschland: Null!“ Da lachen sie.


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