Integration Delmenhorster Schülerfirma verkauft landesweit Wörterbuch-Heft

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Delmenhorst. Ein kleines Heft hilft Grundschülern ohne Deutschkenntnisse dabei, im Schulalltag klarzukommen. Die bunten Seiten mit allerlei Symbolen werden von einer Schülerfirma an der Grundschule an der Beethovenstraße in Delmenhorst vermarktet. 900 Hefte wurden bislang in ganz Niedersachsen und Bremen verkauft.

Von Delmenhorst aus wirkt derzeit ein besonderes Projekt auf das Land Niedersachsen und auf Bremen: Der Schülerladen der Grundschule an der Beethovenstraße vermarktet kleine Hefte für 90 Cent das Stück, mit denen er zugewanderten Kindern ohne oder mit wenig Deutschkenntnissen den Umgang mit anderen Schülern oder Lehrern erleichtert. An 47 andere Schulen in Niedersachsen und Bremen wurden seit der Gründung vor einem Jahr 900 Hefte verschickt.

Heft hilft auch Streitschlichtern

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Der Schülerladen nennt sich „Willkommensdetektive“. Und der Name ist Programm. Schlägt man das Heft mit dem Titel „Einfach Sprachlos - das etwas andere Wörterbuch für die Schule“ auf, finden sich allerlei Bilder, die Situationen des Schulalltags nachstellen: Tafelputzen, in einer Zweierreihe aufstellen, Ballspielen und vieles mehr. Wie das Heft funktionieren kann, haben einige der am Laden beteiligten Schülerinnen und Schüler mit einem kleinen Schauspiel nachgestellt: Ein Kind hat offenbar Schmerzen, kann sich aber nicht ausdrücken. Ein Mitschüler kommt hinzu und schlägt das Heft auf. Das unter Schmerzen leidende Kind zeigt auf ein bestimmtes Symbol. Schnell weiß der Helfer: „Aha, Bauchschmerzen“, und kann so weiterhelfen. Auch die Streitschlichter auf den Pausenhof nutzen das Heft, um zwischen Streithähnen zu vermitteln. „Nicht zuletzt wegen dieses Heftes ist die Zahl der Ordnungsmaßnahmenkonferenzen stark zurückgegangen“, sagt Schulleiterin Insa Nessen.

Zehn Viertklässler sind Teil des Schülerladens

Zum Dienst im Laden treffen sich zehn Kinder der vierten Klassen einmal im Monat im Raum der Sozialpädagogen, in dem Anja Brinkmann und Benjamin Kreß vom Bereich Sozialarbeit an Schulen der Delmenhorster Jugendhilfestiftung den Schülerladen leiten. Dort schreiben die Kinder etwa Briefe an Schulen in Niedersachsen und Bremen, denen sie das Heft anbieten wollen. Jedes Anschreiben wird in einer „Autogrammstunde“ von jedem einzelnen „Willkommensdetektiv“ unterschrieben. Packetpacker packen bestellte Hefte ab, ein Kontrolleur prüft die Richtigkeit der Anschriften, die Briefträger stecken Schreiben in Postkästen, es wird ein Kassenbuch geführt – jede erdenkliche Aufgabe ist verteilt. „Wir Sozialpädagogen haben eigentlich kaum etwas zu tun. Ab und an kaufen wir Umschläge oder Briefmarken, wenn der Materialkontrolleur meint, dass nicht mehr genug da sind“, scherzt Brinkmann.

Wertvolle Arbeit für die Stadt

Dass das Projekt mithilfe der Jugendhilfestiftung an der Grundschule an der Beethovenstraße entstanden ist, kommt nicht von ungefähr: „Wir sind eine Schule mit hohem Migrantenanteil. Zu Schuljahresbeginn sprachen rund 50 Kinder gar kein Deutsch“, sagt Schulleiterin Nessen. Die Arbeit, die der Schülerladen mit seiner überregionalen Wirkung leiste, sei wertvoll, für die Schule selbst als auch für die Stadt Delmenhorst.

Die zehn Viertklässler des Schülerladens quittieren ihren Dienst übrigens mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule. Sie wurden vergangene Woche feierlich verabschiedet. Aber der Laden wird weiterleben: Die Nachfolger aus den dritten Klassen sind schon eingearbeitet.


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