Mut-Tour hält in Delmenhorst Radeln für den offenen Umgang mit Depressionen

Von Leonie Erdmann

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Die Mut-Tour-Teilnehmer posieren mit ihren Tandems auf dem Rathausplatz Foto: Leonie ErdmannDie Mut-Tour-Teilnehmer posieren mit ihren Tandems auf dem Rathausplatz Foto: Leonie Erdmann

Delmenhorst Sich für einen offeneren Umgang mit Depressionen einzusetzen, das hat sich die Aktion „Mut-Tour“ zur Aufgabe gemacht .Insgesamt 60 Teilnehmer machen sich zu Fuß, per Rad und per Kajak auf den Weg, um in rund 60 Städten über die psychische Erkrankung zu informieren. Montag machten sie Station in Delmenhorst.

„Depressionen sind wie ein grauer Schleier, der einen von der Außenwelt abtrennt.“ So beschreibt Gert Treuter aus Leipzig die Krankheit, von der er selbst betroffen ist. Treuter ist Teilnehmer der Mut-Tour, einem 2012 ins Leben gerufenen Aktionsprogramm, das sich für die Entstigmatisierung von Depressionen einsetzt. Am Montag machte eines der teilnehmenden Teams am Rathausplatz Halt, um über die Erkrankung zu informieren. Ziel ist es, sowohl mit von Depressionen betroffenen als auch mit nicht-betroffenen Personen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten und, wie der Name schon sagt, ihnen Mut zu machen.

„Leistungsdruck löst psychische Probleme aus"

„Zur Physiotherapie zu gehen, wird in unserer Gesellschaft als komplett normal angesehen. Aber offen zu ihrem Besuch bei der Psychotherapie zu stehen, das trauen sich viele nicht“ , sagt Gert Treuter. „Da muss sich etwas ändern“, findet er. Für viele psychische Probleme macht Treuter den heutigen Leistungsdruck verantwortlich, viele Leute würden sich kaputtarbeiten und die psychische Belastung verdrängen, „bis es einfach nicht mehr geht.“

Der richtige Umgang mit Depressionen

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden in Deutschland rund vier Millionen Menschen an Depressionen. An Betroffene hat Tour-Teilnehmer Treuter eine klare Botschaft: „Traut euch, mit Freunden und Familie über eure Krankheit zu sprechen. Habt den Mut.“ Er selbst habe seine Erkrankung auch lange versucht zu verstecken, normal weitergemacht, „bis es einfach nicht mehr ging.“ Seit 2015 ist er nun bei der Mut-Tour dabei, und hält sie für eine „wunderbare Sache.“ Viele der Teilnehmer würden auch persönlich von der Tour profitieren: „Einen geregelten Tagesablauf und eine wichtige Aufgabe zu haben, Zeit mit Personen zu verbringen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie man selbst, das hilft natürlich“, berichtet er.

Öffentlichkeitsarbeit in ganz Deutschland

Insgesamt nehmen an der Aktion zwei Tandem-Teams, zwei Wanderteams sowie ein Kajakteam teil. Mitmachen können depressionserfahrene- und unerfahrene Menschen, denen der offenere Umgang mit Depressionen am Herzen liegt. Am 16. Juni in Hildesheim gestartet, sind die 60 Teilnehmer noch bis Anfang September in ihren jeweiligen Teams auf Tour durch ganz Deutschland. Weiter geht es dann im Jahr 2019.


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