Russischstämmiger Delmenhorster Fußball-WM: Glückliche Tage für die russische Seele

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Doppelter Freudentaumel: Der russisch-stämmige Delmenhorster Sergej Merinov feiert russische wie deutsche Erfolge bei der WM. Foto: Frederik GrabbeDoppelter Freudentaumel: Der russisch-stämmige Delmenhorster Sergej Merinov feiert russische wie deutsche Erfolge bei der WM. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst Große Stücke auf die russische Elf hat er nicht gehalten. Doch die überrascht Sergej Merinov in der Vorrunde der Fußballweltmeisterschaft.

Wann immer von der russischen Seele die Rede ist, ist damit die allgemeine Lust an der Schwermut gemeint, die die Russen angeblich pflegen. Während der Fußballweltmeisterschaft jedoch ist die russische Seele in einen Freudentaumel verfallen. „Ehrlich gesagt hätte ich nur einen Punkt für die Russen erwartet. Jetzt haben sie schon sechs. Besser kann es nicht werden“, sagt Sergej Merinov selbst nach der Pleite am Montag gegen Uruguay.

Erwartungen vom russischen Team überboten

Der russischstämmige Delmenhorster ist Fußballfan durch und durch. „Ich gucke jedes WM-Spiel und auch die Nachberichte, wenn die Zeit dafür da ist“, sagt er. Ob zusammen mit dem achtjährigen Sohn oder mit Freunden, Merinov ist immer dabei. Hohe Erwartungen an die russische Elf hat er nicht. „Seit 2008, dem EM-Halbfinale, hat das Team nichts mehr erreicht. Jetzt sehe ich die Spieler zum ersten Mal kämpfen“, ist Merinov positiv überrascht. Und doch sagt er: „Im Achtelfinale ist für Russland Schluss.“

Die Emotionen für die Sbornaja überwiegen die für Jogis Elf

Mehr Hoffnung hat der 48-Jährige, der mit seiner Familie seit 1993 in Delmenhorst lebt, für die deutsche Mannschaft. „Die Deutschen erreichen mindestens das Halbfinale.“ Seit Samstag, nach dem unfassbaren Schlenzer von Toni Kroos ins rechte schwedische Toreck, schwelgt Merinov gewisserweise im doppelten Freudentaumel: „Bei Kroos‘ Siegtreffer habe ich mich frenetisch gefreut. Alle Nachbarn, die aus Versehen, eingeschlafen waren, waren sofort wieder wach.“

Auch wenn er Jogis Elf fußballerisch deutlich höhere Qualitäten zuschreibt, schlägt sein Herz doch in erster Linie für die Sbornaja, wie das russische Team zuhause genannt wird. „60 zu 40“ halte Merinov gefühlsmäßig eher für Russland.

„Russland erlebt sein eigenes Sommermärchen“

Dieses Gefühl ist es vielleicht auch, dass dem Mediengestalter die Gewissheit verleiht, dass WM-Gastgeber Russland – wie Deutschland 2006 auch – gerade sein eigenes Sommermärchen erlebt. Merinov: „Die Russen geben einem Gast selbst ihr letztes Hemd. Diese Gastfreundschaft erleben jetzt Fans aus aller Welt. Der allgemeine Hype um die WM wird das Selbstbewusstsein der Nation beflügeln – auch wenn die Sbornaja im Achtelfinale rausfliegen sollte.“


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