Zörner appelliert an Delmenhorster Lafu-Chef legt im Streit um Wasserqualität nach

Von Thilko Gläßgen

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

In einem leidenschaftlichen Vortrag appellierte Lafu-Chef Gary Zörner an Politik und Bürger für einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. Foto: Thilko GläßgenIn einem leidenschaftlichen Vortrag appellierte Lafu-Chef Gary Zörner an Politik und Bürger für einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. Foto: Thilko Gläßgen

Delmenhorst. Auch wenn die Grenzwerte im Delmenhorster Leitungswasser eingehalten werden, sieht der Chef vom Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu) Gary Zörner Gefahren für den Verbraucher.

Lafu-Chef Zörner selbst trinkt nur gekauftes Wasser aus Glasflaschen bis geklärt ist, ob sich seine –von der Stadtwerkegruppe Delmenhorst (SWD) heftig dementierten –Vorwürfe bewahrheiten. In einem Vortrag vor rund 80 Gästen in der VHS Delmenhorst begründete Zörner am Freitag seine Vorsichtsmaßnahme mit der Gefährdung durch den Unkrautvernichter Glyphosat:„Selbst kleine Dosen sind schädlich.“ Erlaubt sei ein Wert von einem Mikrogramm pro Liter. Ein Wert, der in Delmenhorst zwar nicht einmal zur Hälfte erreicht werde, aber dennoch beunruhigend sei.

Zörner fürchtet Wechselwirkungen

Zum einen können bereits niedrige Dosen Krebs verursachen und zu Organschäden führen, sagte der Lafu-Chef. Zum anderen gäbe es eine Reihe von sogenannten additiven Effekten, also negativen Wechselwirkungen, von Glyphosat und anderen im Trinkwasser befindlichen Stoffen. Insbesondere Schwangeren und Säuglingen riet Zörner daher davon ab, Delmenhorster Leitungswasser zu trinken. Die SWD hatten Zörners öffentliche Aussagen zum Thema zuvor als „populistisch und verantwortungslos“ eingeordnet und ihm „schlampige Recherche“ vorgeworfen, da im SWD-Trinkwasser noch nie Glyphosat nachgewiesen worden sei. Zörner beharrt aber auf seiner Darstellung.

Lafu-Chef nennt Brunnen nicht tief genug

„Krebserregende Stoffe gehören nicht ins Trinkwasser von Menschen“, forderte er ein Verbot der Verwendung und Herstellung von Glyphosat, wovon weltweit alleine im Jahr 2016 800.000 Tonnen versprüht wurden. Dabei nahm der Lafu-Chef Bürger, aber auch die Politik in die Pflicht: „Es ist unverantwortlich, Brunnen in so geringer Tiefe zu nutzen“, sprach er die nur bis zu 50 Meter tiefen Brunnen im Quellgebiet der SWD an. Beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) werde das Wasser aus 100 Metern Tiefe geholt. Langfristig werden Spuren des Unkrautvernichters aber selbst in dieser Tiefe nachweisbar sein, prognostizierte der Chemiker, und wünschte sich von den Bürger mehr Umweltbewusstsein.

Glyphosat-Verbot statt Filter

Bürger müssten die Politiker zum Handeln zwingen, forderte der Lafu-Chef einen gesellschaftlichen Wandel von seinen Zuhörern. Langfristig werde Trinkwasser ansonsten unbezahlbar, da feinere Filter sehr teuer seien. Von der Nutzung von Filtern im Privathaushalt riet Zörner hingegen ab, da diese Keimen einen optimalen Nährboden bieten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN