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20.06.2018, 21:01 Uhr KOMMENTAR

Postboten mit schwerer Last auf Schultern

Kommentar von Kai Hasse

Postboten dürfen nur 20 Tage in zwei Jahren krank sein, sonst könnte es keine Entfristung geben. Symbolfoto: dpaPostboten dürfen nur 20 Tage in zwei Jahren krank sein, sonst könnte es keine Entfristung geben. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. In Delmenhorst stockt der Zustelldienst der Deutschen Post. Ein Sprecher der Deutschen Post AG erklärt das mit Personalmangel. Man werde Abhilfe schaffen. Dafür muss man aber angenehme Arbeitsbedingungen schaffen.

Wer auf jüngst veröffentlichte Richtlinien der Personalbefristung der Deutschen Post trifft, horcht auf. Postboten tragen buchstäblich eine schwere Last: Sie dürfen nicht mehr als 20 Tage in zwei Jahren krank gewesen sein, dürfen höchstens zwei Unfälle mit bis zu 5000 Euro verursacht haben, und Postboten dürfen in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als geplant. Nur dann könnten ihre Verträge entfristet werden. Manche dieser Punkte sind diskutierbar, der Punkt der Krankentage ist unmoralisch. Er bedeutet, dass Mitarbeiter beispielsweise versuchen könnten, eine Bronchitis nicht auszukurieren.

Bei einer solchen Drohkulisse ist es kein Wunder, dass die Deutsche Post im Wettbewerb um motivierte Mitarbeiter Schwierigkeiten hat – und die Zustellung leidet. Unmotivierte und eingeschüchterte Mitarbeiter sorgen nicht für effektive Arbeitsabläufe. Parallel übrigens sind höhere Portopreise geplant. Aktionären wurden Renditen versprochen.

Die Last tragen dann – in diesem Fall – die Delmenhorster. Das gilt für Absender und Adressaten. Personal gilt in großen Unternehmen zu oft als der einzige Posten, bei dem man einsparen kann – solange Arbeitnehmer sich das gefallen lassen. Der Punkt, an dem das nicht mehr geht, scheint hier erreicht zu sein.


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