Delmenhorster verurteilt Opfer vergibt nach gefährlicher Körperverletzung

Von Sascha Sebastian Rühl

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Delmenhorst Weil er sein Opfer würgte und schlug und wegen anderer Vergehen ist ein 22-jähriger Delmenhorster zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das mit ihm befreundete Opfer hat ihm mittlerweile vergeben und einen Vertrag mit ihm geschlossen.

Wegen verschiedener Fälle von Diebstahl, Körperverletzung, Beleidigung in drei Fällen und gefährlicher Körperverletzung ist ein 22-jähriger Delmenhorster am Mittwoch zu acht Monaten Haft mit dreijähriger Bewährungszeit und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden.

Betrunken und aggressiv

Sehr betrunken und aggressiv sei der Angeklagte am Abend der Tat im Juni 2017 gewesen. „So kannte ich ihn gar nicht“, sagte das mit ihm befreundete Opfer vor Gericht. Er verwüstete einen Raum, spuckte auf den Boden, würgte sie und schlug sie mit einem Gürtel ins Gesicht und aufs Bein, während das Opfer unter Todesangst litt. Er habe nicht zugelassen, dass sie den Raum verlasse, er habe sich aber beruhigt, gesagt, dass er sie liebe und sei dann eingeschlafen. Ein Nachbar habe ihr dann später geholfen den „Gast“ loszuwerden. Anschließend zeigte sie den Freund an.

Vorwand für Besuch gefunden

Der Angeklagte hatte sich zuvor am späten Abend bei der Freundin gemeldet, da er eine herrenlose Katze gefunden hätte. Sie willigte am Telefon ein, die Katze aufzunehmen. In der Tür stand er dann aber nicht mit einer Katze, sondern mit einem Freund und zwei Flaschen Wodka. Dennoch durften sie kurz bleiben, schilderte die Zeugin vor Gericht. Nach einer Stunde waren sie nur noch zu zweit.

Freundschaft mit Höhen und Tiefen

Der Angeklagte und seine wesentlich ältere Bekannte kennen sich schon länger. Zwischendurch verband sie auch mehr als nur eine Freundschaft. Er habe ihr nach dem Tod ihrer Mutter oft im Haus geholfen, kennengelernt haben sich beide im Internet, wie die Zeugin sagte. Nach der Tat habe er ihr einen Vertrag unterschrieben, in dem er sich verpflichte, nie wieder betrunken bei ihr aufzutauchen. Anschließend vertrugen sich beide und sie zog die Anzeige zurück. „Heute Morgen hat er mir Brötchen vorbei gebracht“, sagte die Delmenhorsterin im Zeugenstand. Für sie sei der Fall erledigt.

Weitere Vergehen

Nicht jedoch für die Justiz, da der Angeklagte seit der Tat erneut polizeilich aufgefallen war. Im März 2018 hatte er einem betrunkenen 19-Jährigen eine ausländische Banknote im Wert von 64 Cent gestohlen und ihm einen Schlag verpasst. Anschließend versuchte er, mit einem Tritt in die Luft herbeigerufene Polizisten einzuschüchtern, ahmte verbal Schussgeräusche nach und nannte die Beamten auf dem Weg in die Wache unter anderem „Nazischweine“.

Opfer begleitet ihn auf seinem Weg

Fünf Jahre zuvor musste er bereits wegen räuberischer Erpressung eine einwöchige Jugendstrafe verbüßen. Dennoch konnte ihm eine positive Sozialprognose gestellt werden – und ein Bewährungshelfer als Unterstützung dazu. Auch sein früheres Opfer will ihn auf seinem Weg begleiten. Nach eigenen Aussagen beginnt der 22-Jährige gerade ein Praktikum mit Aussicht auf eine Ausbildungsstelle.


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