Der Kopf hinter „ClashGames“ Delmenhorster finanziert sich Lebensunterhalt mit Youtube-Kanal

Von Sascha Sebastian Rühl

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Das Gesicht hinter „Clashgames“: Der 18-jährige Kevin aus Delmenhorst hat über 250.000 Abonnenten bei Youtube. Foto: Sascha Sebastian RühlDas Gesicht hinter „Clashgames“: Der 18-jährige Kevin aus Delmenhorst hat über 250.000 Abonnenten bei Youtube. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Mehr als 55 Millionen Mal wurden die Videos des Delmenhorster Youtube-Kanals „ClashGames“ bereits angeschaut. Dahinter steckt ein 18-Jähriger, der damit seinen Lebensunterhalt finanzieren kann.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der das dk Youtuber aus Delmenhorst vorstellt.

Hinter „ClashGames“ verbirgt sich der einzige Delmenhorster Youtuber, der von seinen Videos leben könnte. Kevin hat fast 260.000 Abonnenten auf der Onlineplattform Youtube, über 55 Millionen mal wurden seine Videos angeschaut. Er möchte seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen, da er bei so vielen Fans seine Privatsphäre schützen möchte.

Selbstständiger Handyspieler

Der 18-jährige, der gerade sein Abitur bestanden hat, hat sich neben der Schule selbstständig gemacht. Damit, ein Strategiespiel auf dem Tablet zu spielen und seinen Zuschauern dabei zu erzählen, was er macht. „Clash Royale ist ein Strategiespiel, ein bisschen wie UNO. Man legt Karten und muss drei Türme des Gegners zerstören“, erklärt er und startet das Spiel. Er legt die Karten virtuell und schon laufen die bunten Figuren los.

Sein Kontrahent sitzt derweil irgendwo auf dem Planeten Erde – zufällig ausgewählt. „Da war gerade ein starker Push am Start – das sieht nicht gut aus“, kommentiert er sein Spiel. Dabei fallen Begriffe, die außer Spielern wohl niemand verstehen kann. Gegen zufällige Gegner auf dem Erdball zu spielen und im Bestfall zu gewinnen, sei ein großer Reiz für ihn, sagt er. Am Ende ist die Zeit abgelaufen, sein Kontrahent hat diesmal gewonnen. „Ich bin nicht der beste Spieler“, gibt er zu. Besonders unterhaltend sei er auch nicht, sagt er über sich selbst.


Millionen Fans

Trotzdem wollen Millionen Menschen sehen, wie er spielt, wie er neue Spielkarten erwirbt oder wie seine Großeltern am Tablet neue Kartenpackungen öffnen. „Pro 1000 Aufrufe bekomme ich etwa 1 bis 1,30 Euro“, verrät er. Auf einer Internetseite lässt sich das Einkommen von Youtubern nachvollziehen. Demzufolge verdient Kevin zwischen 4.000 und 12.000 Euro brutto im Jahr. „Niemand will sein Gehalt so gern öffentlich preisgeben“, gibt er sich bedeckt. Aber Kevin bestätigt aber die Schätzung.

„Ich hatte das ganze wegen dem Abi runtergefahren. Im letzten Monat habe ich fünf Videos hochgeladen, es waren aber auch schon mal 30.“ Wie viel Geld er bekomme, hänge von der Zahl der Zuschauer und auch der Zeit, die sie zuschauen, ab. Dazu bekommt er größere Summen von Firmen, die ihn dafür bezahlen, dass er seinen Zuschauern ihre Spiele vorstellt. Das passiere so alle zwei Monate. „Wenn ich das wieder regelmäßiger machen würde, könnte ich auch davon leben. Ich habe viele Kollegen, die das schon machen.“

Stadt profitiert von Youtube

Ein „gutes Taschengeld“ verdiene er durch Youtube, aber genug, dass er sich als Abiturient schon privat krankenversichern musste. Damit kommt ein Teil seiner Youtube-Einnahmen auch der Stadt Delmenhorst durch Steuern zugute, denn sein Gewerbe ist hier angemeldet. Der Erfolg des 18-Jährigen hängt auch von der Beliebtheit des Spiels ab, das er gerade spielt. „Es ist jetzt schon in einer Phase, in der es weniger Leute spielen. Ich muss schauen, wie sich das entwickelt. Ich würde auch auf ein anderes Spiel wechseln.“ Auf Deutschlands größter Spielemesse, der Gamescom, war Kevin schon als Gast eingeladen. „Ich habe da einen Vortrag für den Spielentwickler gehalten und hatte ein Presseticket, mit dem ich überall nicht so lange anstehen musste.“ Der Entwickler des Spiels muss dafür sorgen, dass sein Produkt beliebt bleibt – die Youtuber machen im Bestfall kostenlose Werbung und sorgen für mehr Bekanntheit. Jeder kann es kostenlos spielen – Wer aber besser werden möchte, muss sich besondere Spielkarten kaufen.

Handy statt Fernseher beliebt

So sehen seine Zuschauer „Clashgames“. In der Mitte wird das Spiel auf dem Tablet gezeigt, daneben sieht man Kevin. Foto: „Clashgames“

Warum wollen über 200.000 Menschen sehen, wie er auf dem Tablet Spiele spielt? „Gute Frage. Ich glaube, wenn jemand extrem gut ist, schaut man ihm zu, um von ihm zu lernen. Aber ich glaube, die meisten gucken nur zur Unterhaltung zu. Früher haben die Leute einen Fernseher gehabt, jetzt schauen sie Youtube auf dem Handy oder Tablet“, vermutet er. Wenn es Überraschungsboxen im Spiel zum Kauf gebe, wollten viele auch wissen, was darin sei, bevor sie Geld dafür ausgeben. Nach dem Abi möchte der Delmenhorster studieren und weiter Videos produzieren.


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