Eine Branche in Not? Delmenhorster Physiotherapeut bekräftigt Missstände

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Forderte eine kostenfreie Ausbildung für Physiotherapeuten: Die CDU-Bundespolitikern Astrid Grotelüschen machte sich bei Ralf Hemken ein Bild über den drohenden Notstand in der Branche. Foto: Frederik GrabbeForderte eine kostenfreie Ausbildung für Physiotherapeuten: Die CDU-Bundespolitikern Astrid Grotelüschen machte sich bei Ralf Hemken ein Bild über den drohenden Notstand in der Branche. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst Viele Physiotherapeuten fühlen sich durch die Krankenkassen benachteiligt und sehen ihre Branche in Gefahr. Am Dienstag machte sich Bundespolitikerin Astrid Grotelüschen (CDU) ein Bild beim Delmenhorster Praxischef Ralf Hemken.

Der Physiotherapie droht der Notstand – dieser Ansicht hat gestern der Delmenhorster Praxischef Ralf Hemken bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen (CDU) Nachdruck verliehen. Erst kürzlich hat Hemken auf Missstände in seiner Branche aufmerksam gemacht (dk berichtete). Grotelüschen forderte mehr finanzielle Anerkennung und mehr Wertschätzung für den Berufsstand.

Fülle an Problemlagen

Die Fülle an Problemlagen in der Physiotherapie ist breit gestreut: So erhalten Physiotherapeuten in Niedersachsen einer Statistik zufolge 2100 Euro monatlich. Zudem müssen sie ihre Ausbildung selbst bezahlen. Hier summieren sich die Kosten auf bis zu 15000 Euro. Das sind nur einige Missstände, die der Chef der Praxis Therapie 42 aufführt.

Kritik gegen Krankenkassen

Die schärfste Kritik richtet Hemken gegen die Krankenkassen, die seiner Ansicht nach Berechnungsgrundlagen für physiotherapeutische Leistungen geändert haben, und somit das Gesundheitssystem „kapputt sparen“: Zwar sei es mit dem Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) gelungen, die Vergütungen zu erhöhen. So sollen Physiotherapeuten nach Verhandlungen mit den Krankenkassen stufenweise bis 2019 32 Prozent mehr Geld bekommen. Jedoch kann Hemken anhand von Zahlen des Spitzenverbands der Krankenkassen GKV darlegen, dass die Kassen diese Vergütungserhöhungen fürs Jahr 2017 nicht ausgezahlt haben. Stattdessen belief sich das Plus in Niedersachsen auf 3,66 Prozent anstatt auf 15 Prozent. Der Praxischef wirft darum den Kassen Einflussnahme auf Ärzte vor. Das weisen die Kassen, wie berichtet, von sich. Hemken: „Wir fühlen uns von den Krankenkassen gegängelt. Wir fürchten, dass wir nicht mehr in dem Maße für die Menschen da sein können, wie wir es wollen.“ In diesem Zusammenhang verweist er auf die Kassen- Rücklagen von fast 20 Milliarden Euro, die teilweise auf nicht gezahlte Honorare für Physiotherapeuten zurückgingen.

Grotelüschen will Infoabend veranstalten

Grotelüschen äußerte ihr Unverständnis darüber, dass Heilmittelerbringer, zu denen Physiotherapeuten zählen, nicht im zuständigen Ausschuss des Bundes repräsentiert ist und somit über sie selbst betreffende Themen nicht mitreden können. Zudem wies sie auf die hohe Bedeutung von physiotherapeutischen Maßnahmen in eineralternden Gesellschaft hin. Vor diesem Hintergrund forderte sie eine kostenfreie Ausbildung für Physiotherapeuten. „Kriegen wir das nicht hin, laufen wir in ein Desaster zu.“ Zu dem Themenkomplex will die CDU-Politikerin im Herbst eine Infoveranstaltung auf die Beine stellen, kündigte sie an.


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