Sechsmal dasselbe Haus heimgesucht Seriendieb zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Von Dirk Hamm

Noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft ging das Schöffengericht im Fall eines Seriendiebs hinaus. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpaNoch über den Antrag der Staatsanwaltschaft ging das Schöffengericht im Fall eines Seriendiebs hinaus. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Delmenhorst. Die Beweislage gegen ihn ist erdrückend, dennoch hat vor dem Amtsgericht ein 61-jähriger Angeklagter fünf der sechs ihm zur Last gelegten Eigentumsdelikte bestritten. Es nutzte nichts: Wegen eines Wohnungseinbruchsdiebstahls und fünf schweren Diebstählen, allesamt in ein und demselben Haus in Delmenhorst begangen, ist der Mann zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden.

Damit ging das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Dr. Melanie Hübel noch deutlich über die von der Staatsanwaltschaft geforderten zwei Jahre und zehn Monate Freiheitsentzug hinaus. Nicht nur wog die lange Liste der Vorstrafen schwer. Wiederholt hatten vor allem schwere Diebstähle dem Delmenhorster Gefängnisstrafen eingebracht. Die erste Jugendstrafe datiert aus dem Jahr 1971.

Opfer berichtet von psychischen Folgen

Vor allem aber die psychischen Wunden, die die Tatserie bei der Geschädigten, einer 84 Jahre alten Rentnerin, geschlagen hat, fielen zuungunsten des Angeklagten ins Gewicht. Dieser hatte beim ersten Einbruch in das Haus an der Graudenzer Straße im Oktober oder November 2016 ein Türschloss so manipuliert, dass er sich in den folgenden Monaten noch fünfmal problemlos Zutritt zu dem Haus verschaffen und Bargeld, Armbänder, Ohrringe und Briefmarkenalben im Gesamtwert von 5835 Euro stehlen konnte.

Geständnis größtenteils widerrufen

Mehrfach sei ihr aufgefallen, dass Geld fehlt, berichtete die Zeugin. An einen Diebstahl habe sie lange nicht gedacht, sondern den Täter im Bekanntenkreis vermutet, weshalb sie sich lange nicht an die Polizei wendete. „Ich konnte nicht schlafen und essen, wachte auf und ging zu Bett mit dem Gedanken“, sagte die Rentnerin.

Der gebürtige Hildesheimer, der gegenüber der Polizei noch alle sechs Taten gestanden hatte, räumte vor Gericht lediglich den letzten Diebstahl im Oktober 2017 ein. Diesen ebenfalls zu leugnen, hätte auch keinen Sinn gemacht, denn die von der Geschädigten dann doch informierte Polizei konnte den Täter mit einer installierten Kamera und markierten Geldscheinen überführen.

Verurteilter legt Berufung ein

Staatsanwaltschaft und Schöffengericht hatten keinen Zweifel, dass der Angeklagte für die gesamte Einbruchserie verantwortlich ist, nicht zuletzt das in der Polizeivernehmung offenbarte detaillierte Täterwissen legte dies nahe. Der Delmenhorster beharrte darauf, das Geständnis nur aus „taktischen“ Gründen abgegeben zu haben und legte Berufung ein.