Fastenbrechen in Delmenhorst „Vorreiterrolle“ bei der Völkerverständigung

Von Thilko Gläßgen

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Mitglieder und Gäste der Mevlana-Gemeinde in Düsternort treffen sich beim Iftar-Mahl am Abend. Foto: Thilko GläßgenMitglieder und Gäste der Mevlana-Gemeinde in Düsternort treffen sich beim Iftar-Mahl am Abend. Foto: Thilko Gläßgen

Delmenhorst. Menschen verschiedener muslimischer Gemeinden, Christen und auch Juden treffen sich beim offenen Iftar-Mahl der Mevlana-Moschee in Düsternort. Der Kontakt von Muslimen und Nicht-Muslimen gehört zum Programm des Fastenbrechens. Delmenhorst habe in puncto Völkerverständigung sogar eine „Vorreiterrolle“.

Pünktlich um 21.52 Uhr ist es soweit. Nach mehr als 18 Stunden des Fastens gibt es wieder eine Mahlzeit und Wasser für die gläubigen Muslime bei der Mevlana Moschee. Knapp 200 Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sind anwesend, denn das offene Iftar-Mahl soll das interreligiöse Gespräch in Delmenhorst fördern, wie Pressesprecher Mustafa Yalçın von der Mevlana Moschee versichert: „Das Iftar ist für die Gemeinde, für unsere Nachbarschaft und unsere Gäste aller Glaubensrichtungen.“

Geflüchtete erstmals hinter der Theke

So sind in diesem Jahr auch der Malteser Hilfsdienst vor Ort, Vertreter der Gröpelinger Moschee aus Bremen, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Delmenhorst Pedro Benjamin Beccera und gut 80 Geflüchtete, die Yalçın stets „neue Mitbürger“ nennt: „Im letzten Jahr standen sie noch vor der Theke und jetzt sind sie erstmals dahinter und verteilen das Essen.“ Selbstverständlich alles auf ehrenamtlicher Basis, auch das Essen des heutigen Fastenbrechens wurde vom Sportverein Hicretspor spendiert.

Neben der traditionellen Linsensuppe gibt es Salat, Dönerfleisch, Reis mit Gemüse und natürlich Datteln und das zuckersüße Baklava-Gebäck. Nach stundenlanger Pause kann sich der Körper also auf ein reichhaltiges Mahl freuen. Für Yalçın trotz der diesjährigen Hitze kein Problem. Vier Kilo hat er laut eigener Aussage abgenommen, aber anstrengend sei nur die erste Fasten-Woche: „Danach merkt man, dass der Körper das Essen nicht unbedingt braucht.“ Trotzdem gibt er unumwunden zu, dass die hungrigen Blicke auf die Uhr nach 21 Uhr häufiger werden.

Deutsch als Gemeinsprache der Muslime

Doch viel wichtiger ist für Yalçın der soziale Gedanke. Die Flüchtlinge sollen sehen, dass die Mitglieder der Mevlana Moschee auch Kontakt zu Nicht-Muslimen unterhalten und sich so integrieren. Anfangs sei das schon schwer gewesen, denn viele der Flüchtlinge sprachen nur arabisch, was mit dem Türkischen nur wenig Ähnlichkeit hat. Heute wird an der Mevlana Moschee viel deutsch gesprochen, denn „mittlerweile können sie ja gut deutsch“, wie Yalçın bestätigt. Auch Pedro Benjamin Beccera sieht das Beisammensein als Möglichkeit Barrieren abzubauen, denn „interreligiöser Dialog hat immer mit den Menschen zu tun.“ Für Beccera wurden so aus diplomatischen Beziehungen sogar Freundschaften. So sieht es auch Yalçın, der Delmenhorst gar eine Vorreiterrolle zuschreibt.

Das Iftar-Mahl ist für gläubige Muslime das allabendliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang während des Ramadans. Als Familienfest wird es zumindest einmal während des Fastenmonats gefeiert. In diesem Jahr begann der Ramadan am 16. Mai und geht noch bis zum kommenden Donnerstag, 14. Juni.


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