Privatzoo nicht von Dauer 1968 eröffnete Heineckes Tierpark in Delmenhorst


Delmenhorst. Mit Heineckes Tierpark verfügte Delmenhorst ab 1968 für einige Jahre über einen kleinen Zoo. An der Cramerstraße gab es exotische Tiere zu bestaunen.

Ein Ausflug in den Zoo oder zum Wildgehege gehört in dieser Jahreszeit zu den beliebten Freizeitmöglichkeiten für die ganze Familie. Vor 50 Jahren musste der Delmenhorster dazu nicht einmal die Stadtgrenze überschreiten: Am 1. Juni 1968 präsentierte sich am Rande von Düsternort erstmals Heineckes Tierpark der Öffentlichkeit. Später ist auf dem 12.000 Quadratmeter großen Areal mit der Adresse Cramerstraße 103 ein Wohngebiet entstanden. Gut ein Jahrzehnt lang aber konnten Jung und Alt Tierarten aus fünf Kontinenten in dem kleinen Privatzoo beobachten.

Jahrzehntelange Leidenschaft für Tiere

Anlässlich der Eröffnung des Privatzoos berichtete das dk über die weit zurückreichende Leidenschaft des Gründers: „Als Johann Heinecke acht Jahre alt war, nahm er seine mühsam zusammengestellten Spargroschen und kaufte sich stolz die ersten Fasaneneier, legte sie unter eine Glucke – und kurze Zeit später schlüpfte sein erstes Tier aus der Eierschale, ein prächtiger kleiner Fasan.“

Pfaue waren immer dabei

Bis der Zimmermeister seinen Kindheitstraum verwirklichen konnte, vergingen mehrere Jahrzehnte. Mühsam kaufte und tauschte er sich sein eigenes kleines Tierreich zusammen. Mehrmals ging alles wieder verloren, doch der Tierliebhaber gab nicht auf. Zusammen mit seiner Ehefrau Emma verfolgte er seinen Traum weiter, und als er etwa hörte, dass ein Bauer in der Nachbarschaft Goldfasane hielt, war bald der nächste Tausch perfekt: Gegen einen Puter wanderte ein Fasan in den im Aufbau befindlichen Hauszoo. Pfaue hatten es Heinecke besonders angetan, bei den diversen gescheiterten Anläufen waren sie immer mit dabei.

Nach kurzer Zeit folgte der Schock

Als dann der Tierpark am 1. Juni 1968 für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, konnten die Besucher an den Gehegen und Volieren eine bunte Vielfalt an Vierbeinern und gefiederten Tieren bestaunen: einen prächtiger Damhirsch mit seiner Familie, zwei Lamas, zwei Wildschweine, drei Zwergziegen, drei Ponys, acht verschiedene Fasanenarten, Papageien, Falken, Flamingos, Totenkopfäffchen – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Nur anderthalb Monate später folgte der Schock: Der Tierparkgründer verstarb völlig unerwartet im Alter von 58 Jahren.

Kosten überstiegen Einnahmen

Sein Sohn Wilfried als Nachfolger widmete sich in den folgenden Jahren ebenfalls mit viel Liebe den Zootieren. Nach fünf Jahren konnte eine positive Bilanz gezogen werden: 25.000 Besucher wurden pro Jahr gezählt, die sich die inzwischen 350 seltenen Tiere anschauen wollten. Dennoch sollte dem Tierpark kein dauerhafter Erfolg beschieden sein. Die Kosten überstiegen die Einnahmen, auf Schließungen folgten Wiedereröffnungen, zuletzt 1977 als „Exotfauna“. 1979 kam dann das endgültige Aus.


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