Graft-Trinkwasser Delmenhorst Geschätzt 18,3 Millionen Euro für neues Wasserwerk

Von Kai Hasse


Delmenhorst. Ein neues Wasserwerk für Wasser aus der Graft in Delmenhorst würde etwa 18,3 Millionen Euro kosten. In Betrieb würde es nach derzeitigen Schätzungen frühestens 2024/2025 gehen können.

Wasser soll aus der Graft gefördert werden. Das ist ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2015. Eine Kosten- und Zeitschätzung für das Vorhaben gibt es nun nach einem Abstimmungsgespräch zwischen dem Vorhabenträger Stadtwerke und der genehmigenden unteren Wasserbehörde der Stadt. Sie haben am Mittwochabend, 31. Mai, in der Markthalle Delmenhorst einen „Fahrplan“ vorgestellt. Die Planung würde bis Ende 2021 dauern. Ein neues Wasserwerk, das Graftwasser fördert, würde nach derzeitiger Schätzung 18,3 Millionen Euro kosten.

Stark verfärbtes Wasser

Ein Knackpunkt der Kosten ist die angenommene Qualität des Graftwassers. Es trägt viele unerwünschte Stoffe in einer zum Teil deutliche höheren Konzentration als etwa das Wasser, das in Annenheide gefördert wird – vor allem ist es stark verfärbt. Es trinkbar zu bereiten, würde technische Mittel erfordern, die etwa den Eigenbedarf des Wasserwerkes in die Höhe treibt: Das Wasserwerk Annenheide braucht vier Prozent des eigenen Wassers für Filterprozesse, bei einem Wasserwerk in der Graft wären es 20 Prozent. Sechs Brunnen mit einer Tiefe von 60 Metern würden erbaut werden. Ob sie für eine von Anliegern erhoffte Senkung des Grundwassers im Bereich der Graft führen würde, konnte noch nicht versichert werden. Rolf Wischhusen vom federführenden Ingenieurbüro, Dieter Meyer, Prokurist der Stadtwerke, und Jürgen Müller-Schönborn von der Wasserbehörde skizzierten den „Fahrplan“ zum Graft-Wasserwerk.

Zehn Gutachten stehen an

Der Plan sieht vor, dass die Stadtwerke ab jetzt bis Ende 2019 zehn nötige Gutachten zu Umwelt, Boden oder Grundwasserströmung zusammentragen. Gutachter waren in der Markthalle vor Ort und unterstrichen ihren Zeitbedarf. Der Antrag würde Ende 2019 abgegeben werden, die Wasserbehörde der Stadt würde diesen im ersten Quartal 2020 bearbeiten, im zweiten Quartal läge der Antrag für Träger öffentlicher Belange aus, deren Stellungnahmen würden dann erörtert, im dritten Quartal könnte eine Bewilligung bearbeitet werden, bis Ende 2021. Als frühester Fördertermin wurden die Jahre 2024/2025 genannt.

Die Kosten sorgten für Raunen im Saal mit 30 Bürgern. Kritiker bemängelten, dass frühere Schätzungen einen viel geringeren Betrag für den Bau ergeben hätten.

Unter anderem würde die Verfärbung des Wassers aus der Graft für höhere Aufbereitungskosten sorgen. Dieses Rohwasser aus Annenheide und aus der Graft wurde am Mittwoch frisch gefördert. Foto: Kai Hasse

Die jährlichen Kosten des Wasserwerks würden knapp zwei Millionen Euro betragen. Zu einer Spekulation über den dann mutmaßlichen Wasserpreis ließ sich Dieter Meyer nicht hinreißen. „Dass es billiger wird, kann ich aber verneinen.“


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