Forschung am HWK Delmenhorst Tanz dient nur stärkeren Typen zur Fortpflanzung

Von Sascha Sebastian Rühl

Der Verhaltensforscher Dr. Bernhard Fink erforscht Tanz am HWK. Er verrät, welche Bewegungen gut ankommen – und welche nicht. Foto: Sascha Sebastian RühlDer Verhaltensforscher Dr. Bernhard Fink erforscht Tanz am HWK. Er verrät, welche Bewegungen gut ankommen – und welche nicht. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Mit jeder Tanzbewegung übermitteln Männer unbewusst Signale an Frauen. Der Verhaltensforscher Dr. Bernhard Fink untersucht in Delmenhorst, was einen guten Tänzer ausmacht und welche Bewegungen gut ankommen.

Die gewählte Hemdfarbe, der eigene Gang, der Ort, an dem man sich gern aufhält, bis zum Lieblingsessen: All das dient einem bestimmten Zweck – dem der Fortpflanzung. Davon ist der österreichische Verhaltensforscher und Anthropologe Dr. Bernhard Fink überzeugt, der momentan am Hanse Wissenschaftskolleg (HWK) in Delmenhorst forscht. „Sie machen nichts zufällig“, betont Fink. Im Verhalten aller Menschen steckten Gemeinsamkeiten, die das Verhalten zu einem Teil erklärten.

Überblick über die Tanzforschung

Am HWK beschäftigt sich der Forscher mit Tanz. „Es geht um die Unterschiede von Tanz und was er signalisiert“, erklärt er. Ein Jahr habe er Zeit, um alle entsprechenden Forschungsergebnisse auszuwerten und zusammenzuführen – eine Aufgabe, für die sonst eigentlich weder Zeit noch Gelder zur Verfügung stünden. „Hier habe ich genügend Zeit, um alle Ansätze zu analysieren.“ In der Universität fehle ihm die oft zwischen Lehrauftrag und eigenen Forschungen.

Kräftige Männer sind bessere Tänzer?

„Forscher haben herausgefunden, dass Frauen Tänze von kräftigen Männern bevorzugen.“ Dazu habe man die Kraft von Männern getestet, ihr Aussehen unkenntlich gemacht und sie dann vortanzen lassen. Die Frauen fühlten sich zu den Bewegungen der kräftigen Tänzern eher hingezogen als zu denen der schwächeren. „Frauen haben auch die Männer besser beurteilt, die abwechslungsreiche Bewegungen im Hals und im Rumpf gemacht haben.“ Das Problem vieler männlicher Tänzer sei, dass sie immer wieder die gleichen Bewegungen auf der Tanzfläche abspulten. „Oft werden Bewegungen einfach kopiert.“ Abwechslung und Bewegungen ohne Muster hätten einen höheren Anspruch. „Manche können das besser, manche schlechter als andere – der Grund dafür ist noch nicht klar.

Männlichkeit wird besser beurteilt – zumindest für Affären

Außerdem seien Durchsetzungsvermögen und Männlichkeit entscheidende Attribute auf der Tanzfläche. „Man kann nicht sofort zum Beispiel mit hausmännischen Fähigkeiten oder sensiblen Eigenschaften punkten – erst mal muss die Aufmerksamkeit der Frau erregt werden“, betont der Forscher. Das sei im Tierreich nicht anders. Allerdings gebe es Unterschiede in den Attraktivitätsmerkmalen, je nachdem ob ein Kurz- oder Langzeitpartner gesucht werde. „Wenn man das verfeinert, spielt Kräftigkeit eher eine Rolle für kurzfristige Partnerschaften. Man kann sich mit vielen Muskeln also nicht alles leisten.“

Persönlichkeit schwer lesbar

Oft würden Menschen beim Tanz anhand ihrer Bewegungen Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben werden. „Wir haben aber keinen Zusammenhang gefunden zwischen selbst berichteten und zugeschriebenen Eigenschaften.“ Schnelle Bewegungen kämen bei vielen als neurotisch an – nicht attraktiv. „Wenig ausladende Bewegungen sind auch nicht positiv. Im Tierreich gibt es auch eher ausladende Bewegungen – bei Krebsen zum Beispiel – man muss sich groß machen, um erst mal gesehen zu werden.“ Wie bewegt man sich als Mann also perfekt? „Darauf habe ich keine wirklich gute Antwort. Die Leute neigen ja zum Kopieren, das klappt aber nicht. Es ist ratsamer, lieber authentisch zu bleiben“, findet der Forscher.

Studio mit 100 russischen Profi-Tänzern

Bis Februar bleibt Fink als Fellow am HWK, zwei Wochen ist er bereits dort. Am Standort genieße er bisher als Wahl-Göttinger die Nähe zur Küste. In Delmenhorst müsse er sich erst noch einleben. Später will er ein Seminar für Teilnehmer aus Deutschland und Europa veranstalten, um damit gemeinsam neue Forschungsansätze zu finden. Gleichzeitig werde er mit einer Kollegin aus Russland, die im Juli für kurze Zeit ebenfalls in Delmenhorst im HWK wohnen wird, ein Experiment vorbereiten, an denen russische Profi-Tänzer teilnehmen. „Wir wollen die Laienbeurteilung des Tanzes mit der von Experten vergleichen“, erklärt Fink.

Schon Wahrnehmung von Haaren und Haut analysiert

In früheren Studien beschäftigte sich Fink ebenfalls mit fortpflanzungsrelevanten Punkten. Zum Beispiel damit, wie Veränderungen der Dichte, Länge oder Frisur von weiblichen Haaren sich auf die Wahrnehmung von Alter, Gesundheit oder Attraktivität auswirken. In einem anderen Experiment ließ er zusammen mit andere Forschern Männer und Frauen aus Tansania und Bolivien, die mit hellen Hauttypen nicht vertraut sind, die Gesichtshaut von britischen Frauen beurteilen. Fotos von gleichmäßiger Haut wurden dabei als jünger und gesünder beurteilt.