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30.05.2018, 10:23 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOLUMNE

Quergedacht: Wenn jetzt Sommer wär

Von Marco Julius


Der Mai, einst sinnbildlicher Monat der Revolte, der war in diesem Jahr gefühlt ein August. Sonne satt. Summerfeeling pur. Hitzerekorde noch und nöcher. Foto: Uli Deck/dpaDer Mai, einst sinnbildlicher Monat der Revolte, der war in diesem Jahr gefühlt ein August. Sonne satt. Summerfeeling pur. Hitzerekorde noch und nöcher. Foto: Uli Deck/dpa

Delmenhorst. Summerfeeling pur. Hitzerekorde noch und nöcher. Der Wonnemonat Mai ist gefühlt ein August. Was das mit Marx und Engels, Bauernregeln und der Deutschen Bahn zu tun, verrät die neue Folge „Quergedacht“.

Es muss – bei diesem Wetter und in diesem Jubiläumsjahr – an dieser Stelle mal an ein signalrotes Plakat erinnert werden. Es zeigte im Jahr 1968 die markanten Köpfe der Herren Marx, Engels und Lenin und dazu den Spruch: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Es zählt noch heute zu den berühmtesten Plakaten der Studentenbewegung, auch wenn der Spruch von einer Werbekampagne der Deutschen Bahn gemopst war. Die Bahn hatte natürlich mit Sozialisten wenig am Hut – und hat bis heute bei jedem Wetter so ihre Probleme. Ist es zu heiß, fallen Klimaanlagen oder ganze Züge aus, schneit es, ist es auch vorbei mit „Vorwärts immer!“, steht ein Wetterwechsel an, rattert sie mal wieder an Wolfsburg vorbei.

Wenn im Mai die Bienen schwärmen

Aber wir kommen vom Thema ab. Eigentlich wollen wir ja gerade jetzt doch vom Wetter reden. Der Mai, einst sinnbildlicher Monat der Revolte, der war in diesem Jahr gefühlt ein August. Sonne satt. Summerfeeling pur. Hitzerekorde noch und nöcher. Wenn im Mai die Bienen schwärmen, sollte man vor Freude lärmen, besagt eine Bauernregel. Doch zum Lärmen ist es schlicht zu warm. Es geht ein Gespenst um in Europa. Das Gespenst des ewigen Sommers. Klar, ein ewiger Sommer am Strand, der hätte was. Doch im Mai muss der Lohnabhängige sich anderweitig verdingen. Und da stöhnt dann nicht nur der Landwirt über anhaltende Hitze und Trockenheit im Frühling, der noch immer im Kalender steht. Mairegen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten, heißt es zwar. Doch Mairegen, der bekanntlich so schön macht, blieb aus. Und so redet gerade alle Welt über das Wetter. Einige transpirieren mittlerweile derart stark, dass sie tatsächlich beginnen fließend (!) Schwizerdütsch zu sprechen. Was soll nur erst im Sommer werden?


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