Workshop in Delmenhorst Flüchtlinge diskutieren über Rollen von Mann und Frau

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Delmenhorst. Miteinander und nicht übereinander reden – darum ging es bei dem Workshop „Rollenspielen“. 15 geflüchtete Männer diskutierten in Delmenhorst in lockerer Atmosphäre über Rollenvorstellungen und ihr Leben in Deutschland.

Wenn derzeit in Deutschland derzeit über alleinstehende geflüchtete Männer geredet wird, schwingt oftmals eine gewisse Angst mit. Dass für sie die Familie an erster Stelle steht – und damit der Wunsch nach Familienzusammenführung – zeigte sich bei einem Workshop in der Lilienthal-Kaserne am Samstag. „Wir teilen die Flüchtlinge nach der Ankunft nach Geschlecht ein. Der Mann ist stark und die Frau braucht Schutz“, sagte Manfred Brink. Der Pädagoge entwickelte das Modellprojekt „Rollenspielen – über Geschlechterrollen gemeinsam reden“, bei dem auch gekickert wurde. Es soll ein Forum bieten, um über sensible Themen zu sprechen. „Wenn wir gemeinsam leben, müssen wir Unterschiede anerkennen und darüber diskutieren“, betonte er.

Unterschiede zum Herkunftsland

Die Unterschiede zum Herkunftsland sind für die Männer deutlich auszumachen: „In Syrien leben viele Menschen von der Landwirtschaft, vier oder fünf Kinder sind die Regel und die Frau bleibt zu Hause“, erklärte ein Teilnehmer. Projektleiter Brink zog Parallelen zu Deutschland in den 1950er Jahren: „Da war ein Großteil der Frauen in Deutschland zu Hause. Heute entscheiden sie freier.“ Die Männer können die Gesellschaft vor einem halben Jahrhundert auch Positives abgewinnen: „Nach der Arbeit hatte man noch mehr Zeit für die Familie. Die Familie ist das Wichtigste.“ Die Zusammenführung mit ihr sei daher auch zentral für die Integration. Brink sagte dazu: „Nicht die Nationalität oder die Religion machen den Menschen aus. Wir betonen oft die Unterschiede, dabei gibt es sehr viel, was wir mit den Flüchtlingen gemeinsam haben.“

Mehr Kontakt zur Bevölkerung gewünscht

In einem sind sich die Männer einig: Um in Deutschland glücklich zu leben, ist mehr Kontakt mit den Einheimischen nötig. „Wir leben hier weit außerhalb und müssen nur wenig deutsch sprechen“, bemängelte Hassan aus Marokko. Nicht nur in der Theorie in einem Workshop – sondern in der Praxis. „Ein Integrationszentrum für jedermann in der Stadt wäre ideal“, sagte Sinan Shikho, der als Übersetzer bei der Veranstaltung dabei war. Einrichtungsleiterin Gabi Baumgart zog eine positive Bilanz: „Das Projekt ist ein Türöffner. Darauf können wir aufbauen.“

Die Lotto-Sport-Stiftung und das Niedersächsische Gesundheitsministerium fördern das Projekt.


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