Gang durch die Stadt Einsatz für bessere Barrierefreiheit in Delmenhorst

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ceyda Pala, rechts mit Blindenstock, versucht bei einem Knick im Blindenleitstreifen, den Weg vorwärts zu finden, was wegen des Gullideckels nicht ganz einfach ist. Insgesamt nahmen 20 Personen an dem Gang teil. Foto: Frederik GrabbeCeyda Pala, rechts mit Blindenstock, versucht bei einem Knick im Blindenleitstreifen, den Weg vorwärts zu finden, was wegen des Gullideckels nicht ganz einfach ist. Insgesamt nahmen 20 Personen an dem Gang teil. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Wie ist es, als behinderter Mensch durch die Delmenhorster Innenstadt zu gehen? Bei einer Tour – mit Rollstuhl, Rollator und Blindenstock – durch die City haben die Linken und der Behindertenbeirat der Stadt am Samstag versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Sie wollen aufzeigen, an welchen Stellen es für behinderte Menschen besonders hakt.

Die Route: Von der Wiese an der Nordwollestraße/ Ecke Stedinger Straße geht es zunächst zum Bahnhof, über den ZOB und durch die Innenstadt zur Graft. Die erste Auffälligkeit wird bereits nach wenigen Schritten offenbar: Die Grünphase an der Fußgängerampel an der Stedinger Straße ist so kurz, dass eine Handvoll Rollifahrer des insgesamt 20 Personen großen Trosses auf der Verkehrsinsel hängen bleibt und warten muss. Zudem fehlt ein Tonsignal für Blinde.

Im Bahnhof ist der Aufzug defekt

Wenige Meter weiter bemerkt Mehmet Pala, der Vater der blinden Ceyda, dass an der Ampel zwischen Bahnhof und Jute-Center zwar ein Ton-Signal vorhanden ist, aber auf dem Taster eine Richtungs-Kennzeichnung für Blinde fehlt. „In Bremen funktioniert das besser“, sagt jemand. Im Bahnhof selbst ist der Aufzug für Behinderte defekt. An der Bahnhofstraße dann rumpeln einige Rollstuhlfahrer gegen Werbetafeln des Einzelhandels auf dem Gehweg, machen sie Bemerkungen über die Treppenstufen einiger Läden, die den Eintritt für sie unmöglich machen, oder bleiben Blinde an unvermittelten Knicken des Blindenleitstreifens im City-Pflaster hängen, die so nah an Gullideckeln liegen, dass Ceyda Pala mit ihrem Stock erst tasten muss, um zu wissen, wo es weitergeht. „Gar nicht so einfach, wenn man es mal eiliger hat.“ Beim Markt 1 führt der Blindenleitstreifen mitten durch die Außenbestuhlung. Und bei der Bäckerei Haferkamp versperren Tische und Stühle teilweise den Gang zum Delmegarten.

(Weiterlesen: „Im Sande verlaufen“: Aktionsplan für eine bessere Integration von Behinderten in Delmenhorst liegt seit 2014 vor)

Bewusstsein für Bedürfnisse Behinderter aufzeigen

„Es geht uns gar nicht darum, aufzuzeigen, was alles schlecht ist. Wir möchten lediglich auf Probleme hinweisen und so ein Bewusstsein für die Bedürfnisse behinderter Menschen schaffen“, sagt Ratsfrau Edith Belz von den Linken. „Möglicherweise lässt sich ja sogar eine einfache, kostengünstige Lösung finden.“ Günter Buckmann, Vorsitzender des Behindertenbeirats, formuliert es ein wenig deutlicher: „Eigentlich müsste das Führungspersonal des Rathauses heute an dem Gang teilnehmen.“ Rollstühle stünden für sie bereit: Einige der nicht behinderten Tour-Teilnehmer sitzen darin und begleiten den Tross. So sollen sie die Sicht von Rollstuhlfahrern einnehmen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN