200 Zuhörer in der Markthalle Zeitzeugin spricht in Delmenhorst über Holocaust

Von Dirk Hamm

Oberbürgermeister Axel Jahnz (l.) begrüßte Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch im Rathaus. Die Holocaust-Überlebende wurde von Dr. Norbert Boese (2. v. l.) und Pedro Benjamin Becerra begleitet. Foto: Dirk HammOberbürgermeister Axel Jahnz (l.) begrüßte Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch im Rathaus. Die Holocaust-Überlebende wurde von Dr. Norbert Boese (2. v. l.) und Pedro Benjamin Becerra begleitet. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Die Dummheit des Antisemitismus klagt Anita Lasker-Wallfisch, Überlebende des Holocaust, an. Die Zeitzeugin sprach gestern Abend vor 200 Zuhörern in der Markthalle.

Sie hatte sich als Überlebende von Auschwitz geschworen, nie wieder ein Wort mit einem Deutschen zu wechseln, heute ist sie immer wieder in Deutschland zu Gast und hält vor allem in Schulen die Erinnerung an den Nationalsozialismus und den Holocaust wach: Die Deutsch-Britin Anita Lasker-Wallfisch, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz-Birkenau, war gestern zusammen mit ihrer Tochter Maya Jacobs-Wallfisch zu Gast in Delmenhorst.

Im Rathaus empfangen

Vor knapp 200 Zuhörern in der voll besetzten Markthalle vermittelten die beiden Frauen am Abend aus ihrer jeweiligen Perspektive tiefe Einblicke in die Traumata, die der Holocaust generationenübergreifend ausgelöst hat, und beantworteten Fragen des Publikums.

Zuvor wurden Mutter und Tochter von Oberbürgermeister Axel Jahnz im Delmenhorster Rathaus empfangen, anschließend besuchten sie das Jüdischen Gemeindezentrum an der Louisenstraße. Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, und der Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises der Jüdischen Gemeinde, Dr. Norbert Boese, begleiteten die Gäste.

Als Mädchen Judenhass erlebt

„Es ist so dumm, es ist ein 2000 Jahre alter Virus, der nicht totzukriegen ist“, kommentierte Anita Lasker-Wallfisch in einem Pressegespräch im Rathaus die zunehmenden antisemitischen Vorfälle in Deutschland. Die 92-Jährige knüpfte damit an ihre Rede während der Holocaust-Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am 31. Januar dieses Jahres an. Als junges Mädchen habe sie in Breslau den Judenhass zu spüren bekommen: „Wir wurden angespuckt, es gab Rufe ‚Du dreckiger Jude‘.“ Zu emigrieren sei kaum möglich gewesen: „Niemand hat die Grenze aufgemacht, niemand wollte von Flüchtlingen überrannt werden.“

Dank der Musik KZ überlebt

Während die Eltern ermordet wurden, rettete die Musik Lasker-Wallfisch das Leben, als Cellistin wurde sie im KZ in das Mädchenorchester aufgenommen. „Solange jemand gebraucht wurde, hatte er eine kleine Überlebenschance“, berichtete die Zeitzeugin.