Stadt sucht Täter Geschützte Buche in Delmenhorst vergiftet

Von Sascha Sebastian Rühl

Die Buche ist der letzte Baum auf einem Baugrundstück an der Stedinger Straße. Die Stadt ist überzeugt, dass jemand den geschützten Baum sterben lassen möchte. Foto: Sascha Sebastian RühlDie Buche ist der letzte Baum auf einem Baugrundstück an der Stedinger Straße. Die Stadt ist überzeugt, dass jemand den geschützten Baum sterben lassen möchte. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Die Stadt Delmenhorst versucht herauszufinden, wie der geschützte Baum noch gerettet werden kann. Gleichzeitig soll der Täter gefasst werden, um einen Präzedenzfall zu schaffen.

Sie ist noch ein Blickfang. Groß, und gleichmäßig gewachsen prägt die geschützte Buche an der Stedinger Straße/Ecke Nordstraße das dortige Erscheinungsbild. Erst recht, nachdem alle anderen Bäume um sie herum gefällt wurden, weil das Grundstück neu bebaut werden soll. Wie lange aber die Buche tatsächlich noch stehen wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Denn erhebliche Teile des Blattwerks sind auf einmal braun, weil der Baum laut Fachdienst Stadtgrün und Naturschutz mit Bohrern und chemischen Substanzen mutwillig geschädigt wurde.

Offensichtlicher Eingriff

Laut Fachdienstleiterin Katrin Stöver wird die Stadt wegen der schweren Sachbeschädigung Anzeige gegen unbekannt erstatten: „Es geht dabei um einen fünfstelligen Betrag – wir wissen auch noch nicht, ob der Schaden irreparabel geschädigt ist.“ Der Stamm sei angebohrt worden. Man wisse nicht, welche Substanz eingebracht wurde.

„Es wird sehr teuer für den Täter, wenn wir ihn finden“, sagt Stöver. „Wir haben ein großes Interesse daran, einen Präzedenzfall zu schaffen und jemandem auf die Finger zu hauen. So alt wird ein Mensch nicht, um so einen Schaden ersetzen zu können.“ Bisher sei in vergleichbaren Fällen aber noch niemand erwischt worden.

Buche soll gerettet werden

Nachbarn hatten die Verwaltung informiert. Auch Ratsfrau Eva Sassen (Bürgerforum) machte auf das Problem aufmerksam und schickte unserer Redaktion Fotos, die eine Spritze im Stamm zeigen, sowie mehrere kreisrunde Löcher. Eine Spritze wurde tatsächlich im Baum gefunden. Die Stadt hat laut Stöver inzwischen einen Gutachter eingeschaltet, um herauszufinden, wie die Buche zu retten ist.

Wer war der Täter?

Der noch stattliche Baum steht auf einem privaten Baugrundstück, auf dem nach Plänen vom Jahresanfang ein Wohn- und Geschäftshaus mit zehn Wohnungen entstehen sollte. An eine Schuld des Bauherrn glaubt Stöver nicht. „Der hat bisher mit uns kooperiert.“ Das geplante Gebäude sollte um den Baum herum führen.

Eine Nachfrage unserer Zeitung beim Bauherrn ergab jetzt, dass das Grundstück bereits weiterverkauft wurde und der neue Besitzer anonym bleiben wolle. Über dessen Pläne mit dem Baugrundstück konnte der bisherige Eigentümer keine Angaben machen. „Die Stadt hat mich genervt, ich hatte keine Lust mehr“, sagt er.

Kein Einzelfall

Dass geschützte Bäume vorsätzlich getötet werden, um sie fällen zu können, sei in Delmenhorst kein Einzelfall, so Fachdienstleiterin Stöver. „Ohne Einschränkung haben es Bauherren einfacher. Das Interesse an Baumschutz ist da nicht sehr groß“, sagt sie.

Viele hätten es gern grün, aber eben nicht auf dem eigenen Baugrund. „Sie klagen über Schatten, Laub, Dreck, Fruchtfall – das Verständnis sinkt zunehmend.“ Auch wenn Vorfälle wie der jetzige öfter passierten, sei in Delmenhorst noch nie ein Baum dieser Größe bewusst derart geschädigt worden. „Das ist schon unverschämt“, sagt Katrin Stöver.


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