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Entschärfung eines Blindgängers Bombe gefunden: Gebiet mit 4200 Menschen in Delmenhorst wird evakuiert

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Delmenhorst. Im Boden eines Grundstücks im Stadtosten von Delmenhorst, genauer: an der Langenwischstraße, liegt eine nicht detonierte Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie soll am Freitag, 18. Mai, unschädlich gemacht werden.

Bis zu 4200 Personen werden am Freitag von den Evakuierungen im genannten Bereich betroffen sein. Sie sollen um 8 Uhr beginnen, damit die Entschärfung ab 12 Uhr erfolgen kann. Notunterkünfte werden bereitgestellt. Auch Bremer und Syker Straße werden vorübergehend gesperrt. Die Bombe könnte über zehn Zentner schwer sein, eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht.

Info der Stadt über den Fund des Blindgängers an der Langenwischstraße: Dieser Bereich im Delmenhorster Stadtosten wird von der Evakuierung betroffen sein. Karte: Stadtverwaltung

Eine hochauflösende Karte des Evakuierungsgebietes finden Sie hier.

Verkehrschaos programmiert

„Ein Urlaub ist an diesem Tag angemessen. Sie können da viel Zeit damit verbringen, auf der Straße hängen zu bleiben“, sagt Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD). Alle Straßen im betroffenen Gebiet würden für den Verkehr gesperrt werden, auch die Bremer und Syker Straße – zwei Hauptverkehrsadern der Stadt. „Wir werden innerhalb kürzester Zeit ein Verkehrschaos erleben“, sagt auch Carsten Hoffmeyer, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst. „Bitte bleiben Sie ruhig und gelassen – und es wäre gut, wenn Sie sich an diesem Tag freinehmen.“ Das entstehende Verkehrschaos scheint programmiert und nicht beherrschbar. Zusätzlich werden am Freitag keine Züge am Bahnhof Heidkrug halten, ansonsten wird der Bahnverkehr nicht betroffen sein.

Zahlreiche Menschen betroffen

Wer im Stadtosten im Evakuierungsgebiet lebt, wird sein Haus ab 8 Uhr bis nach der Entschärfung der Bombe verlassen müssen. „Die Leute müssen raus und wir werden uns der Polizei bedienen“, stellt die Stabschefin im Rathaus, Petra Gerlach, klar. Etwa die Hälfte der rund 4100 Personen werde voraussichtlich betreut werden. In dem Gebiet befinden sich die Grundschulen Iprump und Stickgras, die Kindertagesstätten Hohensteiner Straße und Langenwischstraße sowie das Jugendhaus Casablanca. Auch das Seniorenheim Haus am Park mit 72 Bewohnern müsse evakuiert werden. Ab 8 Uhr wird in 1000 Metern Umkreis rund um den Bombenfundort der Verkehr gesperrt und die Bevölkerung in Sicherheit gebracht. „Die Evakuierung heißt nicht, dass Langfinger eingeladen sind. Die Chance, dass sie erwischt werden, ist an dem Tag nicht gering“, verspricht Carsten Hoffmeyer. Außerdem werde niemand in die Evakuierungszone vorgelassen. „Selbst ich stehe am Rand“, sagt der Oberbürgermeister.

Sammelpunkte organisiert

Bisher sind vier Sammelstellen organisiert worden, von denen aus Anwohner in sichere Aufenthaltsbereiche gebracht werden: der Netto-Markt an der Bremer Straße, das Hotel Thomsen, die Shell-Tankstelle an der Syker Straße und die Haltestelle „An der Riede“. Von dort aus pendeln Busse zu den Aufenthaltsbereichen. Die Menschen werden untergebracht in der IGS, im Gymnasium an der Willmsstraße und in den BBS I. Im Gespräch seien außerdem die aramäische Gemeinde an der Elsflether Straße, die Divarena und die Markthalle. „In den Schulen in Mensen und Sporthallen, der Unterricht soll nicht gestört werden. Es werden auch Abi-Klausuren geschrieben“, betonte der Oberbürgermeister. Ab 14 Uhr soll der Rücktransfer der Anwohner erfolgen, bis 17 Uhr soll die Aktion abgeschlossen sein.

Bürger werden informiert

Die Verwaltung wird die Anwohner durch Flugblätter informieren und am Tag der Entschärfung auch durch Lautsprecherdurchsagen. Unter der Nummer (04221) 991600 können sich Anwohner, die Fragen haben oder Hilfe bei der Evakuierung bedürfen, melden. Angerufen werden kann am Donnerstag, 8 bis 18 Uhr. Es gibt auch Fahrdienste. „Mein Appell lautet, bitte nicht groß zu diskutieren, sondern ohne Auseinandersetzung den Bereich zu verlassen“, mahnt Thomas Stalinski, Leiter der Berufsfeuerwehr. „Je schneller das geht, desto schneller sind alle wieder zuhause.“

Entschärfung bevorzugt

Die Bombe soll von Spezialisten entschärft werden. „Bei einer eventuellen Sprengung reicht der Evakuierungsbereich auch aus“, sagt Stalinski. Mit Seecontainern soll der Fundort abgeschottet werden. Dadurch müsse der Bahnverkehr zwischen Bremen und Oldenburg nicht unterbrochen werden, da die Evakuierungszone an der Bahnlinie ende. „Nicht erwünscht sind Gaffer“, stellt Oberbürgermeister Axel Jahnz klar.

Die Bombe war von Experten vorbereitend zu Bauarbeiten gefunden worden. Außerdem hatte sich parallel ein Zeitzeuge gemeldet, der sich an den Einschlag erinnerte. Der Kampfmittelräumdienst bestätigte, dass ein Blindgänger unter der Erde liegt.

Stab tagt im Feuerwehrhaus

Rund 40 Mitarbeiter aus Verwaltung, Feuerwehr, Polizei und Sanitätseinheiten arbeiten seit Mittwochmorgen an der Bewältigung der Mammutaufgabe. „Der Stab tagt im Schichtbetrieb“, sagt Stabschefin Petra Gerlach. Im Gebäude der Feuerwehr laufen alle Fäden der Organisation zusammen. „Dafür üben wir regelmäßig“, so Jahnz. Unübersichtlichkeit könne sich dabei keiner erlauben, es gehe um die Sicherheit der Bevölkerung. Auch dem Tierschutz werde Rechnung getragen.

Diese Straßen in Delmenhorst sind von der Evakuierung betroffen:

  • Achternweg komplett
  • Ackerstraße komplett
  • Am Piekmoor komplett
  • Am Poggenpohl komplett
  • Annenheider Damm ungerade bis 27 / gerade bis 24
  • An der Riede bis 12
  • An der Schaftrift komplett
  • Barrienstraße komplett
  • Bassumer Straße komplett
  • Buschweg komplett
  • Breite Straße komplett
  • Bremer Herrstraße 1-23 / 2-26
  • Bremer Straße ab 188
  • Brinkumer Straße komplett
  • Celler Str. ungerade bis 31 / gerade ab 30
  • Eutiner Str. komplett
  • Feldstraße komplett
  • Frühlingsweg komplett
  • Herbstweg komplett
  • Hermannsweg komplett
  • Hindenburgstraße komplett
  • Husumer Str. komplett
  • Hohensteiner Straße komplett
  • Iprumper Dorfweg 1,20,36-39.
  • Iprumper Moor 1a
  • Kieler Weg komplett
  • Langenwischstraße komplett
  • Margarethenstraße komplett
  • Masurenstraße komplett
  • Nienburger Straße komplett
  • Samlandstraße komplett
  • Schollendamm 4-10a
  • Sommergarten komplett
  • Sommerweg komplett
  • Syker Straße 148-248 / 155-277 148-248/155-277
  • Tannenbergstraße komplett
  • Varreler Straße komplett
  • Weyher Straße komplett
  • Zur Brinksitzerei komplett


Bombenfunde hat es in Delmenhorst in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Ein Blick in die Stadtchronik des Stadtarchivs Delmenhorst gibt Aufschluss über einige Vorkommnisse:

  • 03.06.1992: An der Ecke Ahornstraße/Ellernstraße wird eine 125-kg-Bombe aus dem 2. Weltkrieg entschärft.
  • 01.09.1969: Bei Baggerarbeiten auf dem Baugelände der Neuen Heimat an der Stedinger Straße finden Arbeiter eine Phosphorbombe aus dem 2. Weltkrieg,
  • 22.05.1963: 18 Jahre nach Kriegsende explodiert auf einem Acker am Hoyersgraben südlich der Badeanstalt im Delmegrund eine Panzermine und tötet einen 31-jährigen Landarbeiter.
  • 19.09.1955: Auf einer Wiese in Adelheide nahe der Udetstraße wird ein 5-Zentner-Bombenblindgänger aus dem 2. Weltkrieg gesprengt.
  • 23.08.1954: An der Breslauer Straße entschärft der Oldenburger Sprengmeister Gries einen Bombenblindgänger.
  • 20.05.1954: Eine 10-Zentner-Bombe aus dem 2. Weltkrieg wird bei Straßenbauarbeiten zwischen der Breslauer und der Jägerstraße gefunden und entschärft.
  • 17.10.1952: Wie das dk berichtet, werden von einem Bombenräumkommando 5 Lastwagenladungen Flak-Munition und Granaten aus der Sandhauser Brake geborgen.

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