Delmenhorst bietet Beratungsforum Von kranken Eltern und starken Kinder

Von Marie Busse

Ein Drittel der Kinder psychisch kranker Eltern entwickelt selbst Auffälligkeiten. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaEin Drittel der Kinder psychisch kranker Eltern entwickelt selbst Auffälligkeiten. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Delmenhorst. Kinder psychisch kranker Eltern müssen oft früh Verantwortung übernehmen und werden dadurch an ihrer freien Entwicklung gehindert. Die Stadt Delmenhorst bietet ein Forum, das Fachkräfte aus Schulen und Kindergärten berät.

Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche wachsen nach Schätzungen des Familienministeriums in Deutschland mit sucht- oder psychisch kranken Eltern auf. In Delmenhorst zeigte eine Erhebung des Sozialpsychiatrischen Dienst vor wenigen Jahren, dass rund 220 Familien betroffen waren. Die Versorgung dieser Jungen und Mädchen in den Blickpunkt zu rücken, ist das Ziel des Sozialpsychiatrischen Diensts der Stadt Delmenhorst. Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen oder Hebammen können vierteljährlich eine Beratung in Anspruch nehmen.

Kinder übernehmen sehr viel Verantwortung

„Wenn ein Elternteil psychisch krank ist, übernehmen Kinder oft früh sehr viel Verantwortung“, sagt Iphigenie Brandenbusch, Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt. Die Rollen verdrehen sich: Viele betroffene Kinder kümmern sich um Haushalt, Geschwister und kranke Eltern. Sie verstehen die Verhaltensweisen ihrer Eltern nicht. Brandenbusch erklärt: „Die Kinder suchen dann die Schuld bei sich.“ Sie bemerken zudem sehr früh, dass bei ihnen zuhause etwas anders sei. „Es ist aber schwierig, darüber zu sprechen. Wenn jemand ein gebrochenes Bein hat, sieht jeder die Verletzung. Das ist bei psychischen Krankheiten anders.“

Verhalten der Kinder ändert sich

Das Verhalten der Kinder ändere sich: „Jungen werden eher auffällig, während Mädchen sich zurückziehen.“ Es sei daher wichtig, dass Menschen, die mit Kindern arbeiten, sensibilisiert und beraten werden. Sie können im Beratungsforum Fälle anonymisiert vorstellen und es werden gemeinsam Handlungsperspektiven entwickelt.

Hohes Risiko selbst zu erkranken

„Wenn die Kinder rechtzeitig Hilfe erhalten, entwickeln sie sich deutlich gesünder.“ Das ist wichtig, da Kinder psychisch kranker Eltern eine Hochrisikogruppe darstellen: „Ein Drittel der Kinder entwickelt selbst psychische Auffälligkeiten“, betont Brandenbusch

Für jüngere Kinder setzt der Sozialpsychiatrische Dienst Paten zur Unterstützung ein. „Falls die Eltern stationär behandelt werden müssen, können sie auch da unterkommen.“ Zudem bietet der Dienst Freizeitangebote an und ist Verbindungsstelle zum Jugendamt. So hilflos viele psychisch kranke Eltern sind, so groß ist vielfach die Angst, ihre Kinder zu verlieren. „Das ist in aller Regel unrealistisch. Menschen mit seelischen Erkrankungen sind nicht gefährlich“, versichert Brandenbusch.


Ein multiprofessionelles Team von Fachleuten aus dem Sozialpsychiatrischen

Dienst, dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst, dem Allgemeinen

Sozialen Dienst und der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder

und Jugendliche der Stadt Delmenhorst, der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wichernstift, der Delmenhorster Tagesklinik der Karl-Jaspers-

Klinik und der Kinderklinik des Josef-Hospitals Delmenhorst steht dafür

vierteljährlich bereit. Die Termine sind an jedem ersten Donnerstag in den

Monaten Februar, Mai, August und November.

Das nächste Beratungsforum findet am 2. August statt. Anmeldungen

sind beim Sozialpsychiatrischen Dienst unter Telefon (04221) 99-2624

oder im Sekretariat des Fachdienstes Gesundheit unter 99-2616 möglich.