Hans-Günter Stasch wird 90 Von quietschenden Schienen nach Delmenhorst vertrieben

Von Dirk Hamm

Großer Fundus an Geschichten aus einem bewegten Leben: Hans-Günter Stasch feiert seinen 90. Geburtstag. Foto: Dirk HammGroßer Fundus an Geschichten aus einem bewegten Leben: Hans-Günter Stasch feiert seinen 90. Geburtstag. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Hans-Günter Stasch feiert am heutigen Montag seinen 90. Geburtstag. Der langjährige Vorsitzende des Fischereivereins Delmenhorst war als Sozialdemokrat für zwei Wahlperioden Mitglied des Stadtrats.

Er bezeichnet den verstorbenen legendären Bremer Bürgermeister Hans Koschnick als „guten Freund“, als Jugendlicher hat ihn sein lockeres Mundwerk während des Zweiten Weltkriegs fast den Kopf gekostet und in der Delmenhorster Ratspolitik hat er für die SPD munter mitgemischt: Hans-Günter Stasch kann so manche Geschichte aus seinem bewegten Leben erzählen. Ein guter Anlass für launige Rückblicke bietet sich am heutigen Montag: Der Delmenhorster feiert seinen 90. Geburtstag.

Ehefrau während des Krieges kennengelernt

Stasch stammt aus Wilhelmshaven, wo er die Schule mit der mittleren Reife abschloss. Nach dem Krieg, in dem er noch als Marinehelfer dienstverpflichtet wurde, fuhr er dreieinhalb Jahre lang als Funkoffizier zur See. Dann hatte ihn das Festland wieder, wo er mit Ehefrau Ursula, die er während der Kinderlandverschickung in der Kriegszeit kennengelernt hatte, einer Tochter und einem Sohn eine Familie gründete. Sein neues Berufsfeld wurde der Personalbereich, angefangen als Personalreferent bei Klöckner in Bremen, mit einer Zwischenstation bei der Deutschen Welle in Köln und schließlich in Diensten des Bremer Senats.

Seit 1953 Mitglied der SPD

Dass es die Familie 1970 von der Hansestadt ins beschaulichere Delmenhorst zog, ist eine dieser Geschichten, die Stasch mit einem ansteckenden Lächeln erzählt: Ihn habe das penetrante Quietschgeräusch genervt, das die Straßenbahn in der Kurve erzeugt. Seitdem ist das Ehepaar Stasch in einem Reihenhaus an der Teppichstraße zu Hause.

1953 ist Hans-Günter Stasch in die SPD eingetreten. In Delmenhorst war er für zwei Wahlperioden Mitglied des Stadtrates, wo er den Umweltausschuss leitete. Auch im Fischereiverein engagierte er sich, stand dem Verein bis 2006 30 Jahre lang als Vorsitzender vor.

Als Zeitzeuge in Schulen

„Manchmal bin ich selber erschrocken, dass ich 90 werde“, sagt Stasch, der sich auch trotz zunehmender Altersbeschwerden seine positive Grundeinstellung bewahrt hat. Seine Erfahrungen aus Kindheit und Jugend in der NS-Zeit gibt er mit Vorträgen als Zeitzeuge in Schulen an die junge Generation weiter.