Großaufgebot der Polizei im Einsatz Jagdszenen bei rechtspopulistischer Demo in Delmenhorst

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Delmenhorst. Der von einer Rechtspopulistin aus Leer initiierte „Frauenmarsch“ rund um den Delmenhorster Bahnhof hat am frühen Samstagnachmittag massive Gegenreaktionen aus dem linken politischen Lager provoziert. Einem Großaufgebot der Polizei aus Delmenhorst und dem Landkreis gelang es mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei aus Hannover, die ideologisch verfeindeten Lager weitgehend auseinanderzuhalten.

Einige der geschätzt 250 zum größten Teil jungen Gegendemonstranten, von denen ein Teil auch aus Bremen, Oldenburg und Osnabrück angereist war, zogen sich im Gerangel mit der Polizei leichte Verletzungen zu. Ein Beamter stellte nach Angaben eines Polizeisprechers Strafantrag wegen Körperverletzung, nachdem er getreten worden war.

Etwa 90 Minuten dauerte das für Delmenhorster Verhältnisse ziemlich einmalige Ereignis am frühen Nachmittag. Während dieser Zeit kam es rund um den Bahnhof zu Verkehrsbehinderungen. Unzählige mit Helmen und Schlagstöcken ausgerüstete Polizeikräfte liefen mit den Demonstranten und hielten die Gegenbewegung weitgehend erfolgreich auf Distanz.

„Kandel ist überall“ steht auf dem Banner

„Kandel ist überall“ hatten sich die fast 100 Teilnehmer des sogenannten Frauenmarsches auf ein großes Banner drucken lassen und damit Bezug auf einen Mordfall genommen, der sich Ende 2017 in der rheinland-pfälzischen Stadt ereignet hatte. Ein junger Afghane muss sich dafür demnächst als mutmaßlicher Täter verantworten.

Die Botschaft in Delmenhorst lautete daher auch, „illegale und kriminelle Zuwanderung“ zu verhindern. „Wir gehen Hand in Hand für unser Land“, hieß es. Dazu drang „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen aus einem mitgeführten Kleinbus, bevor auf der Weberstraße die Nationalhymne gesungen wurde.

Drei Delmenhorster AfD-Ratsherren dabei

Unter den Marschierenden waren etliche AfD-Funktionäre, so aus Delmenhorst die Ratsmitglieder Lothar Mandalka, Holger Lüders und Stefan Kappe. Kenner der Szene machten auch Lars Steinke, Vorsitzender der Jungen Alternative Niedersachsen, und die selbst ernannte AfD-Frauenrechtlerin Leyla Bilge aus. Als bedenklich stuften Beobachter die Teilnahme von „Blood Brother Nation“-Mitgliedern ein, die aus dem Raum Vechta angereist sein sollen.

Die Demonstration führte über die Nordwollestraße auf die Nordenhamer Straße, Bremer Straße und Wittekindstraße, von dort über die Mühlenstraße sowie Am Wehrhahn über die Weberstraße zurück zur Nordwolle.

Polizei kesselt Gegenbewegung ein

Ein erster Zwischenfall drohte bereits an der Kreuzung Nordwollestraße/Nordenhamer Straße, wo etwa 50 Gegendemonstranten eine Sitzblockade veranstalteten und minutenlang „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ skandierten. Die Polizei kesselte die Gruppe ein und drängte sie so weit zur Seite, dass der „Frauenmarsch“ passieren konnte.

Immer wieder brachten sich in der Folge Trupps der Polizei im Laufschritt in Position, um Auseinandersetzungen der ideologisch verfeindeten Lager zu verhindern. Bis zur Mühlenstraße war es gelungen, die Gruppierungen räumlich fast vollständig zu trennen. In Höhe Friedrich-Ebert-Allee und am ZOB hatten sich noch einzelne Jagdszenen zwischen Polizisten und Gegendemonstranten abgespielt.

Keine Angaben zur Zahl der Einsatzkräfte

Angaben zur Zahl der eingesetzten Kräfte machte die Polizei nicht, weit über 100 dürften es gewesen sein. Darüber hinaus waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge, darunter etliche Mannschaftswagen, zu sehen. In einer Mitteilung hieß es: „Die Erfahrungen der letzten Wochen in anderen Städten veranlassten die Polizei dazu, mit einer ausreichenden Anzahl von Einsatzkräften die angemeldeten Versammlungen zu begleiten, um die Versammlungsfreiheit aller Teilnehmer zu gewährleisten.“

Am Vormittag hatte bereits eine vom Friedensforum Delmenhorst getragene Gegendemonstration – ebenfalls mit starker Polizeipräsenz – 80 Teilnehmer auf die Beine gebracht.


Die Linksjugend Delmenhorst beklagt nach den Demonstrationen gegen den „Frauenmarsch“ ein „unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei gegen die AntifaschistInnen“. Nachdem Lisa Theophil, Sprecherin der Linksjugend, am Bahnhof von Teilnehmern des „Frauenmarsches“ in den Bauch geboxt worden sei, sei sie von der Polizei auch noch „würgend weggeschleift“ worden. Dieses Vorgehen sei nicht angemessen gewesen, so Linksjugend-Sprecher Henning Waldeck, da Theophil selbst nicht handgreiflich geworden sei.

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