Überfälle vor Gericht Räuber scheitern auf ganzer Linie in Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm

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Nicht wirklich geschickt stellten sich vier Räuber bei Überfällen in Delmenhorst an. Ihr Fall wird nun vor dem Landgericht Oldenburg verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaNicht wirklich geschickt stellten sich vier Räuber bei Überfällen in Delmenhorst an. Ihr Fall wird nun vor dem Landgericht Oldenburg verhandelt. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Eine Spielhallenangestellte und ein Restaurantmitarbeiter aus Delmenhorst wurden Opfer von Raubüberfällen. Jetzt boten die Täter, die auf ganzer Linie gescheitert waren, ihren Opfern vor Gericht Ausgleichszahlungen an.

Tag der Entschuldigungen im Landgericht Oldenburg: Erst hörte sich eine 40-jährige Spielhallenangestellte aus Delmenhorst die Erklärung von den Menschen an, die sie einst überfallen hatten, dann ein 68-jähriger Restaurantmitarbeiter. Zusätzlich boten die vier Angeklagten ihren Opfern Entschädigungen an. Jeweils 2000 Euro sollen beide im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs erhalten.

Vier Angeklagte als dilettantische Gangster-Azubis

Verhandelt wurden am zweiten Prozesstag die misslungenen Überfälle auf das Automatenkasino Crown am 11. Oktober und das Restaurant El Mariachi drei Tage später. Nachdem die vier Angeklagten im Alter von 19, 25, 26 und 30 Jahren zum Prozessauftakt die Taten im Wesentlichen gestanden hatten, sagten nun die Überfallenen aus. Und zeichneten ein Bild von überforderten Gangster-Azubis: dilettantisch wie erfolglos. Beide Überfälle scheiterten kläglich.

Gescheiterte Räuber versuchen sich an Angestellter zu bereichern

Der Überfall auf die Spielhalle scheiterte schon, als die Angestellte zu Ladenschluss das Geschäft wie immer verschloss. Einer rüttelte noch an der Tür, wie das Überwachungsvideo zeigte, aber erfolglos. Eine Chance für sich sahen die verhinderten Räuber in der Angestellten. Vielleicht hat sie die vielen Einnahmen dabei. Doch in den meisten Spielhallen liegt kaum Geld herum, das Wechseln haben Automaten übernommen. Und schon gar nicht wird nachts eine Angestellte mit einer Tasche voller Scheine vor die Tür geschickt.

Überfall wirkt beim Opfer bis heute nach

Der 40-Jährigen nutzte das nichts. Aus der Dunkelheit tauchte der 19-Jährige auf und drückte den Lauf einer Schreckschusspistole zwischen ihre Brüste. Ein Schreck, von dem sie sich heute noch nicht erholt hat. Der Täter nahm neben ihrer Handtasche mit Geld, Papieren, Kosmetik und Handy auch ihr Sicherheitsgefühl am Arbeitsplatz. Über das Handy kam die Polizei später den Vieren auf die Spur.

Restaurantmitarbeiter sperrt Räuber aus

Überhaupt gar nichts erbeuteten sie am El Mariachi. Auch hier lauerte der 19-Jährige (die anderen warteten im Auto) nachts dem letzten Mitarbeiter auf dem Parkplatz auf, wollte mit ihm wieder rein – zur Kasse, zu den vielen Scheinen. Doch der 68-Jährige war schlau, schlüpfte als Erster durch die Tür und drückte sie in die Verriegelung. Schachmatt, der Täter floh.

Opfer will mit Geld eine Familie im Iran unterstützen

Jetzt im Landgericht die nicht unehrlich anmutenden Entschuldigungen: Der 68-Jährige nahm sie an, fragte aber auch: „Wie kann man denken, auf Kosten anderer leben zu können?“ Das Geld wolle er einer Familie im Iran geben, die es nötig habe.

An diesem Mittwoch wird das Gericht wohl die Urteile sprechen.


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