Taten in Delmenhorst Einbrecher müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis

Von Ole Rosenbohm

Die Bande ist für 26 Einbrüche verantwortlich. Symbolfoto: Volkmar SchulzDie Bande ist für 26 Einbrüche verantwortlich. Symbolfoto: Volkmar Schulz

Oldenburg/Delmenhorst. Ein monatelanger Prozess vor dem Landgericht Oldenburg fand gestern sein Ende. Der drogenabhängige Haupttäter erhält durch eine zweijährige Entziehungskur eine Chance auf einen Neuanfang. Die Bande ist für 26 Einbrüche und immense Verwüstungen unter anderem auch in Delmenhorst verantwortlich.

Wegen schwerem Bandendiebstahl, Wohnungseinbruchsdiebstahl und schwerer Sachbeschädigung hat das Landgericht Oldenburg vier Männer aus Delmenhorst, Syke und Bremen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten waren in Wohnhäuser in der Region sowie in ein Automatenkasino und eine Eisdiele eingebrochen. Insgesamt handelte es sich um 26 angeklagte und gleichzeitig von den Tätern gestandene Fälle, auch wenn einige eingestellt wurden.

Verwüstung von Wohnungen

Als besonders verwerflich sahen Gericht und Staatsanwaltschaft Verwüstungen in drei Privathäusern an, bei denen die Täter Wasserhähne aufdrehten und so in einem Fall gar verantwortlich waren, dass das Haus fast abgerissen werden musste. Der Gesamtschaden der nachgewiesenen Taten dürfte bei rund einer halben Million Euro liegen.

Haupttäter muss fünf Jahre ins Gefängnis

Der 38-jährige Haupttäter – verurteilt wegen 14 Taten sowie Verantwortlicher der Flutungen – erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren; für die schwerste der Flutungen hatte er dabei mit zwei Jahren und zehn Monaten die höchste ausgesprochene Einzelstrafe erhalten. Das Gesamturteil gegen ihn liegt drei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Bei dem drogenabhängigen Mann wurde die Einweisung in eine geschlossene Entzugsanstalt angeordnet. Nach einem Leben voller Brüche und fast ohne familiären Halt – die Richterin sprach nicht nur bei ihm von einer erschütternden Lebensgeschichte – vielleicht ein Glück: Schafft er die zweijährige Therapie, kann er danach zur Bewährung freikommen.

Alle Täter bleiben im Gefängnis

Ein 28-Jähriger kassierte für zwölf Taten vier Jahre und zwei Monate, ein 26-Jähriger für fünf Taten drei Jahre und ein 27-Jähriger für zwei Einbrüche zwei Jahre Haft. Alle bleiben im Gefängnis, allein schon, da sie zum Teil noch Haftstrafen aus anderen Taten offen haben oder aus anderen Verfahren unter Bewährung stehen. Ein fünfter Angeklagter wurde, wie nach den Plädoyers erwartet, mangels Beweisen freigesprochen. Zudem verfügte das Gericht analog zum Wert des nicht mehr aufgefundenen Diebesgutes die Einziehung von insgesamt rund 60.000 Euro.

Urteil nach dreimonatigem Prozess

Unklar war vor der Urteilsverkündung des drei Monate dauernden Prozesses die gerichtliche Bewertung der Rolle des 28-Jährigen, des Fahrers der Bande. Dieser hatte in seinem Geständnis erklärt, monatelang überhaupt nichts vom Tun seiner Mitangeklagten gemerkt zu haben – obgleich er sie ständig von Einbruch zu Einbruch fuhr und er selber bereits wegen ähnlicher Delikte erst 2017 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Zudem hatten Ermittler bei ihm im Haus und bei einer Durchsuchung seines Autos Diebesgut gefunden. Seine Einlassung sei daher „bar jeglicher Lebenserfahrung“, fand die Vorsitzende Richterin Judith Blohm und entschied in seinem Fall – wie vom Staatsanwalt beantragt – auf volle Mittäterschaft. Der Grund für die Fahrten durch Wohngebiete in der Region hätte ihm „selbst bei geschlossenen Augen klar gewesen“ sein müssen.

Weil die Geständnisse der anderen Angeklagten dagegen überzeugender schienen, zog das Gericht die Einzelstrafen bei ihnen eher straffer zusammen. Davon profitierte der Haupttäter, der zwar bereits auf sechsjährige Gefängniserfahrung blickt, bei dem Gutachten und Gericht aber einen Reifeprozess und glaubhafte Reue erkennen wollen. Nach dem Urteil durfte er kurz seine neue Familie in die Arme schließen. Er habe, sagte Richterin Blohm, mit dem Urteil noch einmal eine Chance erhalten. Eine letzte.