dk-Themenwoche zur Fußgängerzone Delmenhorster City muss mehr um ihre Chancen kämpfen

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Ein neues Pflaster wird zum Überleben nicht reichen: Die Delmenhorster Innenstadt muss um ihre Zukunftschance kämpfen. Foto: Michael KornEin neues Pflaster wird zum Überleben nicht reichen: Die Delmenhorster Innenstadt muss um ihre Zukunftschance kämpfen. Foto: Michael Korn

Delmenhorst. Die Einweihung der neugestalteten Delmenhorster Fußgängerzone am 5. Mai 2018 lenkt den Blick auf die Zukunftschancen der Innenstadt als Standort für Wohnen, Wirtschaft und Wohlfühlen. Das dk startet dazu eine Themenwoche.

Es sind klangvolle Namen wie diese, die vielen Delmenhorstern ein wehmütiges Seufzen abringen dürften: Karstadt, Selve, Leffers, Többens, Jensen, Poppe, Horstmann, Jeansgasse und viele mehr waren über Jahre und Jahrzehnte Inbegriff einer florierenden, angebots- und umsatzstarken Innenstadt. Und heute? Die genannten Kundenmagneten sind weg, die City-Wirtschaft kämpft ums nackte Überleben. Was ist in der Zwischenzeit falsch gelaufen, wo gab es Versäumnisse und verpasste Chancen, wie kann sich die Innenstadt eine Perspektive erkämpfen und vor allem Besucher und Kunden zurückholen? Das dk greift diese Fragestellungen anlässlich der bevorstehenden Einweihung der neuen Fußgängerzone auf und spannt mit einer Themenwoche den Bogen von den Anfängen der autofreien Einkaufsmeile über Höhen und Tiefen des Einzelhandels bis hin zu den heutigen Bemühungen für eine tragfähige Zukunft. Wir starten heute mit einem historischen Blick auf die Geschäftswelt rund um die Lange Straße und beschließen die Themenwoche am Tag des Einweihungsfestes am 5. Mai. Unter www.dk-online.de bündeln und ergänzen wir die Themenwoche unter anderem mit Zusatzinformationen und Videos.

Schöne Fassade allein reicht nicht

Mit der neugestalteten Fußgängerzone verbinden Kaufleute und Gastronomen die Hoffnung auf mehr Betrieb im Stadtkern – im Wissen, dass allein eine schöne Fassade nicht reicht, damit wieder „mehr los ist in der Stadt“. Delmenhorst hat ein Kernproblem, das viele andere vergleichbare Innenstädte haben, hier aber womöglich ausgeprägter ist: Der Wettbewerb mit großen Nachbarstädten und Einkaufszentren auf der grünen Wiese sowie dem Online-Handel wird in Delmenhorst nämlich durch eigenes Zutun verschärft. Am Stadtrand können sich nahezu ungebremst Nebenzentren vergrößern, die qua Baurecht verharmlosend als reine „Nahversorger“ eingestuft werden, Teile ihrer Verkaufsflächen aber mehrmals wöchentlich geschickt mit massenhaft wechselnden Artikeln ausstatten, die eigentlich dem Einzelhandel im Stadtkern vorbehalten sein sollten. So können innenstadtrelevante Sortimente, wie sie eigentlich stark in den Discountern reglementiert werden sollten, in beträchtlichem Ausmaß an den Kunden gebracht werden. Bei Aldi oder Lidl finden sich von der Reisetasche über Nachtwäsche bis hin zum Tafelgeschirr Artikel wie man sie aus Warenhäusern kennt, mithin früher den Geschäften im Zentrum vorbehalten waren.

Aussichtsloser Kampf?

Geschäftsaufgaben wie zuletzt der mutig gestartete Herrenausstatter zeugen vom teilweise aussichtslosen Kampf der Kaufmannschaft gegen Konkurrenz aus Internet und von der Stadt unterstützten Wettbewerbern. Wenn dann auch noch Rahmenbedingungen erschwert werden, wie durch das Abschaffen der Brötchentaste oder das Bremsen beim zusätzlichen Parkraum in direkter Ladennähe, gerät so manche Existenz ins Wanken beziehungsweise machen mögliche Ladenbetreiber einen Bogen um die Innenstadt. Bestes Beispiel dafür ist die geplante Eröffnung eines Woolworth-Warenhauses in der Jute, das von Hertie mangels direkter und ausreichender Parkplatz-Anbindung lieber die Finger ließ. Auch diese zusätzliche Konkurrenz werden die City-Geschäfte schmerzhaft zu spüren bekommen.

Kaufleute tun zu wenig

Die Geschäftsleute und Hauseigentümer müssen sich überdies aber auch selbst fragen, ob sie ausreichend Leidenschaft, Kraft und Ideenreichtum investieren, um die Stadt attraktiv zu machen und Besucher beziehungsweise Kunden anzuziehen. Eigene Präsenz im Internet, Warenangebot, tatsächliche Beratungskompetenz, Außendarstellung, einheitliche Öffnungszeiten und eigene Aktionen sind die Aufgabenbereiche, in denen deutlich „Luft nach oben“ erscheint.

Wohnen, Gastronomie und Events

Klar ist: Karstadt, Leffers und Co. werden den Weg in die Delmenhorster City nicht zurückfinden, die ganz großen Kundenmagneten scheiden also für eine Belebung aus. Dies muss offenkundig auch der Hertie-Investor konstatieren, der bei der Akquise namhafter Marktgrößen nach Woolworth-Absage wohl endgültig gescheitert ist. Quo vadis Innenstadt? Das A und O scheint eine Wohnraum-Offensive für den Stadtkern zu sein, um allein schon mit mehr Anwohnern auch mehr Leben ins Delmenhorster Herz zu bekommen. Flächen gäbe es reichlich wie die Hotelwiese, die Hundewiese, das verwaiste Josef-Stift-Gelände oder auch am Vorwerk. Mehr Events wie in Kürze aktuell eine WM-Meile, ein täglicher Wochenmarkt und eine Ausweitung der gastronomischen Angebote könnten die Frequenz in der Einkaufsmeile erhöhen und die Ansiedlung von ergänzendem Einzelhandel attraktiv machen. Die City kann überleben, alle Akteure müssen es nur wollen!


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