Delmenhorster Arbeitsmarkt im April Fachkräftemangel bietet bessere Chancen für ältere Arbeitslose

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Beim allgemeinen Fachkräftemangel haben ältere Arbeitslose bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.  Foto: Václav Pancer/dpaBeim allgemeinen Fachkräftemangel haben ältere Arbeitslose bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Václav Pancer/dpa

Delmenhorst. Der Fachkräftemangel in Delmenhorst spitzt sich angesichts der guten Konjunktur weiter zu. Das hat die Folge, dass ältere Arbeitslose bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Der Fachkräftemangel macht sich auf dem Delmenhorster Arbeitsmarkt immer deutlicher bemerkbar. Das geht aus den neuen Zahlen zum hiesigen Arbeitsmarkt hervor, die die Agentur für Arbeit am Freitag vorgestellt hat. Die Entwicklung hat unter anderem zur Folge, das insbesondere ältere Arbeitslose bessere Chancen auf Arbeit haben.

Arbeitslosenquote liegt „nur“ bei 9,4 Prozent

Die gute Konjunktur hält an. In Delmenhorst macht sich das insofern deutlich, als das sich die Arbeitslosenquote seit Februar stabil unter 10 Prozent hält. 9,4 Prozent Arbeitslosigkeit herrschte in der Stadt im April – das ist ungewöhnlich niedrig. 3715 Männer und Frauen waren arbeitslos, das sind 76 weniger als im März und 444 weniger, als im April 2017. Die gute Lage der Wirtschaft schlägt also deutlich durch. In Ganderkesee waren im April den Zahlen nach 624 Menschen ohne Job.

Qualifikationen der Arbeitslosen genügen Arbeitgebern immer weniger

Paradox ist, dass in diesem konjunkturell guten Klima der Bestand an freien Stellen vergleichsweise hoch ist. Laut Karin Kayser, die Leiterin der Geschäftsstelle der Agentur, zählte die Einrichtung zuletzt 674 offene Stellen. Das sei zwar weniger als im März (-28), offenbare jedoch eine „Schattenseite“. Kayser: „Wir stellen fest, dass es immer häufiger ein Passungsproblem zwischen Arbeitsuchenden und Arbeitgeber gibt.“ Soll heißen: Die Qualifikationen von Bewerbern reichen oftmals nicht aus, um den Anforderungen von Arbeitgebern zu genügen, oftmals reichten auch Deutsch-Kenntnisse für einen Job nicht aus. Diesem nicht ausreichenden Ausbildungsniveau der Arbeitnehmer versucht die Agentur mit Umschulungen und (Teil-)Qualifizierungen entgegenzutreten.

Ältere Arbeitslose werden interessanter für die Wirtschaft

In dieser Gemengelage aus Nachfrage und Fachkräftemangel werden offenbar ältere Arbeitslose für Unternehmen wieder interessanter. Bei den Arbeitslosen ab 55 Jahren sank die Quote im Vergleich zum März um 2,3 Prozent (-16). Über ein Jahr gesehen ist die Quote um 15 Prozent gesunken. „Das Alter älterer Arbeitsloser war lange ein Hemmnis. Dieses Stigma ist nun abgelegt“, sagte Kayser. Allerdings sind noch immer 678 Menschen in dieser Altersklasse ohne Arbeit.

Noch immer mehr Bewerber als Ausbildungsstellen

Angesichts der Nachfrage der Betriebe verblüfft es, dass die Zahl der Bewerber um Ausbildungen die der angebotenen Ausbildungsstellen noch immer weit übersteigt: 292 Stellen wurden laut Agentur seit Oktober 2017 gemeldet. 651 Bewerber hatten sich im gleichen Zeitraum gemeldet. Im April waren noch immer fast 400 junge Menschen ohne Ausbildung. Die Zahl dieser „Unversorgten“ ist im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen (+24 Prozent).

(Weiterlesen: Ausbildungsstellen in Delmenhorst gehen deutlich zurück)

Trotz der allgemein guten Lage sei auf das schwierige Umfeld in Delmenhorst verwiesen: 5649 Arbeitslose (13,8 Prozent) sind derzeit unterbeschäftigt, besuchen also Fortbildungen und gelten damit nicht als offiziell arbeitslos. Das Jobcenter zählt derzeit 10.982 Regelleistungsempfänger.


Die Lage in Niedersachsen und Bremen

Der Fachkräftemangel plagt auch das Land Niedersachsen. Im Helferbereich stehen 112817 Arbeitslosen nur 13819 freie Stellen gegenüber, teilt die Agentur für Arbeit mit. Die Arbeitslosenquote sank im April auf 5,4 Prozent (-0,2). 231680 Menschen waren arbeitslos gemeldet. Im Land Bremen lag die Arbeitslosenquote unverändert bei 10,1 Prozent (35396). Das Angebot an Stellen ist laut Agentur mit 7000 Arbeitsplätzen groß. Bewerber seien oft nicht entsprechend ausgebildet.

Grundsätzliche Daten zum Bereich des Jobcenters Delmenhorst

Mehr als 10.000 Delmenhorster erhielten 2016 Leistungen der Grundsicherung, eine „hohe Zahl“, wie das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017/2018 festhält. Arbeit oder eine Ausbildung zu finden, sei „unter realen Marktbedingungen“ nur schwer zu realisieren – und wenn, nur auf lange Sicht. Im Juli 2016 hatten 71 Prozent aller Jobcenterkunden keinen Berufsabschluss, nur 11 Prozent wiesen marktnahe Bewerberprofile auf.

Unter ihnen ist die Zahl der Alleinerziehenden mit 1059 „hoch“, wie es in dem Papier heißt. Aufgrund der geringen Quote an Berufsabschlüssen und der schwierigen Betreuungssituation liege ein „besonderes Augenmerk“ auf Alleinerziehenden.

Von 7500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind 5000 im Langzeitleistungsbezug, 3300 sind seit länger als vier Jahren ohne Arbeit.

Tiefstwerte in den vergangenen fünf Jahren wurden bei den Zahlen der Leistungsempfänger (7619) und Bedarfsgemeinschaften (5413) erreicht (2011: 7300; 5197). Grund ist laut Integrationsprogramm der Flüchtlingszuzug.

Die Beschäftigungsquote in der Stadt liegt bei 54 Prozent, drei Prozent unter dem Bundesschnitt. Auch wenn im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit abgebaut werden konnte, liege dies an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, also Maßnahmen des Jobcenters. Exemplarisch steht dafür die Zahl der Unterbeschäftigten von 5840 (Januar 2017: 14,4 Prozent, Januar 2016 13,5 Prozent).

Schwierig sei der Delmenhorster Arbeitsmarkt auch wegen der enormen Pendleranzahl. Gegengerechnet 6700 Menschen pendeln täglich aus der Stadt, um woanders einer Arbeit nachzugehen.

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