Veterinäramt kontrolliert 65 Hunde in Delmenhorst als gefährlich eingestuft

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Für American Staffordshire Terrier wie „Kiwi“ müssen Hundehalter in Delmenhorst viermal so viel Steuern zahlen wie für andere Rassen. Auch Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier fallen unter die kommunale Rasseliste. Foto: Bettina Dogs-PrößlerFür American Staffordshire Terrier wie „Kiwi“ müssen Hundehalter in Delmenhorst viermal so viel Steuern zahlen wie für andere Rassen. Auch Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier fallen unter die kommunale Rasseliste. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. In Delmenhorst sind 65 Hunde als gefährlich eingestuft – tatsächlich aggressiv sind nur wenige. Das Veterinäramt der Stadt überprüft die Halter streng.

Seit 2003 gibt es in Niedersachsen keine Rasseliste mehr. Seitdem können Kommunen selbst entscheiden, ob sie bestimmte Rassen per se als gefährlich einstufen. Die Stadt Delmenhorst hat sich für gesonderte Auflagen für Hunde bestimmter Rassen entschieden. Wer hier einen American Staffordshire Terrier, Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier oder Kreuzungen mit einem dieser Rassen halten will, muss die Umgänglichkeit seines Tieres durch einen Wesenstest belegen und zusätzlich Führungszeugnis samt Sachkundenachweis vorlegen. Denn sie gelten als Hunde, von denen ein erhöhtes Aggressionspotenzial ausgeht.

65 als gefährlich eingestufte Hunde

„Das Thema gefährlicher Hund wird bei uns sehr ernsthaft behandelt“, schildert Dr. Nicolin Niebuhr, leitende Amtstierärztin der Stadt Delmenhorst. 65 als gefährlich eingestufte Hunde sind aktuell in Delmenhorst gemeldet, sieben mehr als im Jahr davor. Als tatsächlich gefährlich gelten jedoch nur wenige Tiere – der Großteil sind lediglich ordnungsgemäß angemeldete Pitbulls, Staffordshire Terrier und Bullterrier, die aufgrund ihrer Rasse so geführt werden. Unter den vier Hunden, die in den vergangenen anderthalb Jahren vom Veterinäramt für gefährlich erklärt wurden, ist ein Pitbull-Mix. Darüber hinaus sind ein Bernhardiner-Mischling, ein Schnauzer-Mischling und ein Kaukasischer Owtscharka als gefährlich eingestuft worden.

Mischlinge führen Beißstatistik an

Die Beißstatistik führen in Delmenhorst andere an: die Mischlinge. „Selten sind die vermeintlich gefährlichen Rassen an Beißvorfällen beteiligt. In den meisten Fällen sind es Promenadenmischungen, die ganz andere Abstammungen haben“, so Niebuhr. Von Anfang 2017 bis jetzt wurden ihrem Amt 20 Hunde gemeldet, die von anderen als Bedrohung empfunden wurden. „18 davon haben wir amtstierärztlich überprüft.“ Bei vier Tieren wurde schließlich eine erhöhte Aggressivität festgestellt. Niebuhr. „Sie haben entweder Menschen oder Hunde gebissen oder andere Hunde getötet.“ Für alle vier Hunde wurde ein Wesenstest angeordnet, außerhalb ausbruchssicherer Grundstücke dürfen sie nur mit Maulkorb und an der Leine geführt werden, dazu müssen die volljährigen Halter die nötige Sachkenntnis im Umgang mit Hunden vorweisen.

Veterinäramt greift hart durch

Beim Thema Hund greift das Veterinäramt inzwischen hart durch. Allein weil formale Erfordernisse wie steuerliche Anmeldung, Haftpflichtversicherung oder Sachkundenachweis trotz Aufforderung nicht vorgelegt wurden, hat die Stadt Delmenhorst sieben Hunde ihren Haltern weggenommen. „Es handelt sich dabei allesamt um als nicht gefährlich eingestufte Hunde“, betont die Amtsleiterin. Der Großteil waren Mischlinge, aber auch ein Schäferhund und ein Yorkshire Terrier waren darunter.

In Delmenhorst ist das vorrangige Problem mit Pitbull, Staffordshire und Co. laut Niebuhr weniger eine erhöhte Aggressivität, stattdessen haben viele Besitzer offenbar eine geringere Bereitschaft, ihr Tier ordnungsgemäß anzumelden. „Bei diesen Rassen haben wir es in erster Linie, dass sie wegen des erhöhten Steuersatzes nicht richtig angemeldet sind und uns als Boxer-Mischlinge oder ähnliches verkauft werden sollen.“ Denn im Vergleich zu anderen Rassen müssen die Halter viermal so viel bezahlen.

Sachkenntnis bei Hunden erforderlich

Es sind vor allem die Mischlinge, die auffallen. Und von denen könnten laut Niebuhr viele Beißvorfälle vermieden werden, wenn die Halter mehr Ahnung von Hunden hätten. „Trotz Hundeführerschein verfügen viele über keine vernünftige Sachkenntnis“, schildert Niebuhr. Aus Hundesicht seien es oft nachvollziehbare Situationen, weshalb es zum Biss gekommen sei. „Nicht selten war es eine Verkettung unglücklicher Umstände.“ Manche Hunde seien auch nicht ausreichend genug erzogen und hörten im entscheidenden Moment nicht auf ihre Besitzer. „Denn trotz Hundeführerschein wissen viele Leute leider immer noch nicht, was ihr Hund rassebedingt eigentlich braucht.“


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