Klassik im Kleinen Haus Delmenhorster stimmen über Brahms-Sonate ab

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Noé Inui an der Geige und Vassilis Varvaresos am Klavier spielten Violinsonaten von Mozart, Prokofjew und Brahms vor 150 Zuhörern im Kleinen Haus. Foto: Mareike BaderNoé Inui an der Geige und Vassilis Varvaresos am Klavier spielten Violinsonaten von Mozart, Prokofjew und Brahms vor 150 Zuhörern im Kleinen Haus. Foto: Mareike Bader

Delmenhorst. Mit einem veränderten Programm sind Noé Inui und Vassilis Varvaresos im Kleinen Haus aufgetreten. Als Duo überzeugten sie mit technischen Raffinessen und ließen das Publikum entscheiden, welche Sonate nach der Pause gespielt wird.

Mit einer kleinen Besetzung von nur zwei Künstlern, sind am Mittwoch der Geiger Noé Inui und der Pianist Vassilis Varvaresos vor gut 150 Zuhörern im Kleinen Haus aufgetreten. Denn der Cellist ihres Trios Bell’Arte war verhindert. Über Programm nach der Pause entschied das Publikum.

Zur Auswahl standen die drei Violinsonaten von Johannes Brahms. Um die Entscheidung leichter zu machen, gab es vor der Pause eine Kostprobe aller drei Sonaten. Inui und Varvaresos spielten alle Sätze kurz an, der jeweils ersten Satz am längsten. Die dritte Sonate in d-moll, op. 108, ist gemeinhin die beliebteste. So auch in Delmenhorst.

Es war das erste Mal, dass die beiden Künstler dieses Auswahlprinzip ausprobiert hatten. Nur wenige Besucher enthielten sich der Stimme. Der leidenschaftliche Eindruck aus der Kostprobe bestätigten die beiden Musiker bei der Interpretation der Brahms-Sonate.

Wunderbar setzten sie feine Kniffe der Komposition um. Im zweiten Satz läutete Varvaresos den Wechseln in den tänzerischen Dreivierteltakt ein und schon bekam der elegische, feinfühlige Satz einen leichten Schwung.

Einschläge aus der Filmmusik bei Prokofjews Violinsonate

Auch vor der Pause zeigten sich die beiden technisch höchst versiert. Tief und schwer begann der dramatische erste Satz in Prokofjews erste Violinsonate, die der russische Komponist 1946 dem berühmten Geiger David Oistrach gewidmet hatte. Zwischen den ersten Ideen 1936 und der Vollendung hatte Prokofjew auch zwei Filmmusiken geschrieben, das war hier deutlich herauszuhören.

Die Sonate forderte Inui die gesamte Bandbreite an technischen Herausforderungen ab. Energisch spielte er mit starkem Strich, dann faszinierte er gegen Ende des letzten Satzes mit einem feinen Flirren, das in einem atemberaubend hohen, präzisen Ton endete. Zu Recht honorierte das Publikum dies mit langem Applaus.

Pianist Varvaresos stach in Mozarts Sonate Nr. 25, KV 377, hervor. Schnell und präzise klangen die schnellen Läufe im dritten Satz. Mal herrlich locker, dann schwer und ernsthaft.

Der helle, klare Klang des Flügels war ein toller Kontrast zum weichen Geigenklang Inuis – im ersten Satz verstärkt durch das pointierte Spiel Varvaresos‘ im Gegensatz zum Legato Inuis. Das Hauptmotiv wechselte von einer Stimme zu anderen, als würden sich die beiden Musiker zu einer Jagd antreiben.

Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus. Als Zugabe wurde der dritte Satz aus der A-Dur-Sonate von Brahms gespielt.


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