Kitas und Krippen in Delmenhorst Stadt will 19 Millionen Euro in Kinderbetreuung investieren

Von Frederik Grabbe

Will die Stadt ihre Ziele zur Kinderbetreuung erfüllen, muss sie in den nächsten sechs Jahren rund 19 Millionen Euro in Kitas und neue Krippengruppen investieren. Symbolbild: Fabian SommerWill die Stadt ihre Ziele zur Kinderbetreuung erfüllen, muss sie in den nächsten sechs Jahren rund 19 Millionen Euro in Kitas und neue Krippengruppen investieren. Symbolbild: Fabian Sommer

Delmenhorst. Delmenhorst wächst – und dieser Umstand stellt die Stadt vor die Herausforderung, genügend Kita- und Krippenplätze zur Verfügung zu stellen. Darum plant sie einen umfassenden Ausbau in der Kinderbetreuung. Eigenen Angaben zufolge müssten demnach rund 19 Millionen Euro investiert werden.

Die Stadt Delmenhorst braucht dringend neue Kita- und Krippenplätze. Das wurde am Dienstag im Jugendhilfeausschuss deutlich. Will die Verwaltung ihre Ziele halten, müsste sie in den nächsten sechs Jahren rund 19 Millionen Euro für neue Kita- und Krippenplätze in die Hand nehmen. Das geht aus der neuen Kindertagesstättenbedarfsplanung 2018 bis 2024 hervor.

Bevölkerungswachstum lässt Kita-Versorgungsquote schrumpfen

Delmenhorst wächst. An sich ist das eine erfreuliche Nachricht. Sie bringt es allerdings mit sich, dass die Stadt Schwierigkeiten hat, gesetzliche Versorgungsquoten in der Kinderbetreuung zu erfüllen. „Der Zuzug von Flüchtlingen und aus Osteuropa hat uns eingeholt“, sagte Fachdienstleiter Kinderbetreuung Gerd Galwas im Ausschuss. Aus der neuen Kita-Bedarfsplanung geht hervor, dass es stadtweit am dem 1. August 2018, wenn die Kita an der Käthe-Kollwitz-Straße eröffnet wird, insgesamt fast 1980 Plätze für Drei- bis Sechsjährige gibt. Das entspricht einer Versorgungsquote von 94 Prozent. Die Stadt strebt eigentlich eine Abdeckung von 100 Prozent an – so wie es das Gesetz vorschreibt. 120 Kinder werden demzufolge nach leer ausgehen oder müssen in die Tagespflege ausweichen.

Stadt plant den Bau von sechs neuen Kitas

(Weiterlesen: Mittagessen in Delmenhorster Kitas sollen teurer werden)

Und die Lage wird sich weiter anspannen: Am Stichtag 31. Dezember 2018 rechnet die Stadt mit fast 2440 anspruchsberechtigten Kindern. Es kommen also innerhalb eines halben Jahres rund 460 Kinder hinzu. Aufgrund dieses drastischen Anstiegs wird die Versorgungsquote dann nur 84 Prozent betragen. Die Quote sinkt also. Als Reaktion plant die Stadt den umfassenden Bau von neuen Kitas: Sechs Stück zwischen 2019 und 2024. In fünfeinhalb Jahren will die Stadt so 475 neue Kitaplätze schaffen. Doch selbst dann läge die Versorgungsquote bei nur 91 Prozent.

Fast 300 neue Krippenplätze müssen her

Der Bedarf bei den Unter-Dreijährigen ist ebenfalls hoch: Hier strebt die Stadt entsprechend einer Elternbefragung 2012 eine 41-prozentige Versorgungsquote an. Laut Fachdienstleiter Gerd Galwas lag die Quote zuletzt bei 33 Prozent. In Delmenhorst wurden laut Vorlage Ende 2016 knapp 2320 Unter-Drei-Jährige gezählt – damit wurde die vorherige Prognoserechnung um 23 Prozent übertroffen. Setzt sich diese Tendenz fort, leben in der Stadt im Jahr 2020 rund 2430 Unter-Drei-Jährige. Ausgehend von diesen Zahlen müssen bis 2020/21 182 neue Plätze in Krippengruppen und 110 Tagespflegeplätze geschaffen werden.

Delmenhorst wird viel Geld investieren müssen

Dieses Wachstum macht eines mehr als deutlich: Die Stadt wird viel Geld brauchen, um eine Kinderbetreuung gemäß ihren Zielen in der Bedarfsplanung auf die Beine zu stellen. Spart man die im Bau befindliche Kita an der Otto-Jenzok-Straße und die geplante Kita Moorkamp, die größtenteils vom Integrationsfonds des Landes bezahlt wird, aus, sind das bei den beschriebenen Bedarfen bis 2024 bei vier neuen Kitas 12,8 Millionen Euro. Das geht aus Angaben der Kita-Bedarfsplanung hervor. Die Kosten für die Krippenplätze würden sich bis 2020/21 6,3 Millionen Euro belaufen. Macht zusammen knapp 19 Millionen Euro innerhalb der nächsten sechs Jahre. Und Aspekte wie Betriebskosten sind hier noch nicht mit eingerechnet. Wie das genau finanziert werden soll, geht aus der Vorlage nicht hervor.

Und: Wie Gerd Galwas am Dienstag darlegte, hält sein Fachdienst es für angebracht, die Elternbefragung für die Betreuung von Krippenkinder zu erneuern, weil durch die Zuwanderung seit 2012 veränderte Bedarfe erwartet werden. Möglich also, dass die angepeilte Quote von 41 Prozent nach oben korrigiert werden muss und so noch mehr Krippenplätze gestellt werden müssen.

Die Planung wurde bei einer Gegenstimme (AfD) an den Verwaltungsausschuss weitergeleitet.