Comedy im Kleinen Haus Delmenhorster bejubeln Gayle Tufts

Von Mareike Bader


Delmenhorst. Es hat lange gedauert, bis die amerikanische Comedian auch mal nach Delmenhorst kam. Mit ihrer grandiosen Stimme verwandelte Gayle Tufts „Superwoman“ das Kleine Haus in eine Musical-Bühne.

Gayle Tufts ist mit ihrer unverkennbaren Denglisch-Art seit vielen Jahren auf vielen Bühnen unterwegs – nicht in Delmenhorst. Dort heißt es am Samstagabend Premiere für die Amerikanerin im Kleinen Haus, die seit 25 Jahren in Berlin wohnt.

Tufts plappert fröhlich vor sich hin, mischt die deutsche und englische Sprache – so wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Schimpft über Donald Trump, beginnt kurz vor der Pause sich bei einzelnen Besuchern persönlich für dessen Wahl zu entschuldigen: „Sorry. I don‘t know, was passiert ist“. Und doch lernen die gut 500 Besucher die 57-Jährige ganz anders kennen. Gayle Tufts faszinierte bei ihrem ersten Auftritt in Delmenhorst die 500 Besucher im Kleinen Haus mit ihrer Begeisterung für Deutschland und für ihre Heimat Amerika. Foto: Mareike Bader

Immer wieder schlüpft Gayle Tufts aus ihrer Rolle der Amerikanerin, die in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hat und sich eine Welt voller Superhelden wünscht. Gleich zu Beginn greift sie zum Mikrofon und präsentiert sich hervorragende Sängerin. Sogar Adeles „When We Were Young“ schmettert sie voller Inbrunst. Das Publikum feiert sie Song für Song immer mehr. Jubelt und applaudiert. Am Ende gibt es Standing Ovations für einen rundum gelungenen Abend, bei dem Stand-Up-Comedy und Songs zu einer Art Musical werden.

Gayle Tufts ist eine bodenständige „Superwoman“

Bei dem zeigt sich Gayle Tufts als bodenständige Frau, aber auch als „Superwoman“. So lautet der Name des Programms. Die Musik und die selbst geschriebenen Lieder stammen von Tufts musikalischem Leiter Marian Lux, den sie immer wieder einbindet.

Dennoch gehört der Abend Tufts, die immer wieder in einem neuen Outfit eine gute Figur abgibt. Mit 57 Jahren, nicht mit Größe 32 und mit Leidenschaft, Grazie und einer Energie, die nur von einer „Superwoman“ stammen kann. Selbst als Linda, die Superkartoffel tanzt und wirbelt sie über die Bühne, als sei sie am New Yorker Broadway.

Am Ende wird klar, dass Superhelden zwar einfache Lösungen auf komplizierte Probleme bieten. In Wirklichkeit hat aber jeder das Zeug ein Held zu sein. Gayle Tufts geht mit gutem Beispiel voran. Mit viel Selbstbewusstsein und ohne Scheu, Dinge anzusprechen, die ihr gegen den Strich gehen – und sei es Donald Trump.

Der erste Auftritt in Delmenhorst wird nicht der Letzte sein, will man Tufts glauben. Vielleicht muss sie dann nicht mehr sagen: „Unsere Welt ist – wie heißt es auf gut Deutsch – fucked up.“