Kinder lernen Tiere kennen Villa Kunterbunt in Delmenhorst mietet Hühner

Von Bettina Dogs-Prößler

Die Freude über die Miethühner ist riesig: Für die sechsjährige Feenja und den vierjährigen Marvin könnten die gefiederten Gartenbewohner gerne auf Dauer bleiben.Foto: Bettina Dogs-PrößlerDie Freude über die Miethühner ist riesig: Für die sechsjährige Feenja und den vierjährigen Marvin könnten die gefiederten Gartenbewohner gerne auf Dauer bleiben.Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Vier Hennen und ein Hahn mischen gerade den Alltag der Villa Kunterbunt in Delmenhorst auf. Zum zweiten Mal hat die Einrichtung Hühner gemietet – und das nicht nur der Eier wegen.

Oben links ist der Rasen bereits großflächig aufgewühlt. „In zwei Wochen“, ist sich Gerrit Gieseler-Mahlmann sicher, „haben die Hühner auch den Rest ordentlich bearbeitet.“ Ein optischer Makel, den die Leiterin der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt gerne in Kauf nimmt. Denn ihre gefiederten Gäste graben nicht nur den Rasen um, sie geben den Kindern vor allem wieder einen Bezug zur Natur zurück.

Zum zweiten Mal sind in der Kindertagesstätte am Schollendamm Miethühner eingezogen.

Kinder übernehmen Verantwortung

Die vier Hennen und der eine Hahn werden in den kommenden Wochen nicht nur den Rasen der Einrichtung ordentlich bearbeiten, vor allem sollen sie den Kindern zeigen, woher das Ei wirklich kommt. „Mit dieser Aktion vermitteln wir unseren Kindern, dass es einen Weg unserer Lebensmittel vor dem Supermarkt gibt“, erklärt Gerrit Gieseler-Mahlmann. Drei Wochen lang kümmern sich die Mädchen und Jungen um frisches Futter und neues Wasser, um einen sauberen Stall und neues Einstreu. „Jeden Tag ist eine andere Gruppe dran.“ Doch die frischen Eier sind nicht das Einzige, worauf es den Erzieherinnen ankommt. „Mit dem Hühnerdienst soll den Kindern auch die Verantwortung für ein Lebewesen vermittelt werden“, so Gieseler-Mahlmann.

Eier werden zum Pfannkuchen verarbeitet

Und das klappt in der Regel ziemlich gut. Erste Berührungsängste unterliegen schnell der Neugierde und die Drei- bis Sechsjährigen verwandeln sich in begeisterte Kurzzeit-Hühnerhalter, die ganz in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe aufgehen. Der Lohn ihrer Arbeit: täglich ein bis zwei Eier, die am Ende der Woche gemeinschaftlich als Pfannkuchen, Rührei oder Topfkuchen verputzt werden.

Geschäftsidee „Miete ein Huhn“

Aufs Huhn gekommen ist die Einrichtung durch Eltern, die im vergangenen Jahr über die Presse auf Ralf-Wigand Usbecks Geschäftsidee „Miete ein Huhn“ aufmerksam geworden waren. Mit großem Erfolg vermietet der Achimer seit 2016 Hühner an Kindergärten, Altenheime, aber auch Privatpersonen und versorgt seine Kunden dabei mit einem Rund-um-Huhn-Paket. „Wir bekommen das Futter, Einstreu und Sandbad mitgeliefert und auch der Steckzaun wird von ihm aufgestellt“, schildert Gerrit Gieseler-Mahlmann. Zum Huhn dazu gibt´s auch den Stall – in Naturholz-Variante oder winterfester Kunststoff-Ausführung. Nur ein Stück Rasen muss der Mieter bereitstellen – und darf dafür auch die Eier behalten.

Bezug zu Lebensmitteln

Nachdem die Eierproduzenten im vergangenen Jahr so gut bei den Kindern ankamen, hat die Einrichtung gleich den nächsten Termin gebucht. „Die Hühner waren letztes Jahr noch lange bei den Kindern Thema“, sagt Gerrit Gieseler-Mahlmann. „Es hat sie wahnsinnig beschäftigt, den Weg zum Ei selbst zu erleben.“ Tatsächlich sei es nicht selten, dass Kinder aus der Stadt keinen Bezug mehr zur Entstehung ihrer Lebensmittel hätten. „Wenn man sie fragt, woher das Ei kommt, antworten nicht wenige: aus dem Supermarkt.“

Für Marvin, Emilia und Feenja definitiv nicht mehr geben. Sie wissen jetzt: Hinter einem Ei steckt immer noch ein Huhn.