Bestandsaufnahme im Fachausschuss Pilze, Platz- und Personalmangel im Stadtarchiv Delmenhorst

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Stadtarchivar Christoph Brunken fürchtet um Teile des Bestands. „Kostbarkeiten“ seien von Pilzen befallen. Archivfoto: Dirk HammStadtarchivar Christoph Brunken fürchtet um Teile des Bestands. „Kostbarkeiten“ seien von Pilzen befallen. Archivfoto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Seit gut einem Jahr ist Stadtarchivar Christoph Brunken im Amt – Zeit genug, sich ein Bild von seinem Arbeitsplatz zu machen. Im Fachausschuss stellte er jetzt eine ernüchternde Bilanz vor.

Seit gut einem Jahr ist Christoph Brunken Leiter des Stadtarchivs, dem Gedächtnis der Stadt. Der 1978 in Ostfriesland geborene Brunken hat sich in dieser Zeit ein Bild machen können von seinem Arbeitsplatz. Und dieses Bild, es fällt duster aus, das hat er jüngst im Ausschuss für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur beschrieben. Pointiert, mitunter sarkastisch und vor allem: sehr detailliert. Und – das wurde deutlich – mit großer Leidenschaft für seinen Beruf.

Freude über ausrangierten Aktenwagen

Zu dem Bild gehörte der Dank Brunkens an die Stadtbücherei für einen ausgesonderten alten Aktenwagen – das Archiv habe bis dato über keinen verfügt – und für gebrauchte Stühle, die die Jahrzehnte alten Stühle im Nutzerbereich des Archivs ersetzen. Ein sprechendes Bild, aber Brunken ging noch mehr ins Detail. „Das Magazin ist voll. Die Raumreserven reichen nur noch begrenzt“, sagte er. Zudem erfülle das Archiv nicht die Anforderungen, die für die sichere Verwahrung von Archivgut notwendig sei. „Hier überhaupt einen Standard zu erreichen, wäre ein Ziel, das setzt aber mehr Personal, mehr Sachmittel und mehr Platz voraus“, sagte Brunken.

Mittel für die Enteisung/Entrostung von Akten fehlen laut Brunken ebenso wie Mittel „um Akten in Umschläge zu verpacken und zu konservieren oder wenigstens zu kartonieren“. Was nicht verpackt sei, ziehe Staub an und Sporen, betonte Brunken. In den Archivräumen im Wasserturm und im City Center gebe es bereits Pilzbefall. „Kostbarkeiten sind bereits betroffen, dies zu behandeln kostet Geld.“ Vieles sei bald unwiederbringlich verloren. Ein Schadenskataster könne nicht angegangen werden, weil es an Zeit fehle.

Kritik an Verwaltung

Als „Einzelkämpfer“ bezeichnete sich Brunken, der auch kritisierte, dass es eine „ernsthafte Anbietungskultur“ bisher nur im Ausnahmefall gab – heißt im Klartext: Die Verwaltung stellt nicht alles so zur Verfügung, wie es eigentlich vorgesehen ist.

Auch die Erschließung des Bestands sieht Brunken kritisch: „Wir wissen in vielen Fällen gar nicht, was wir hier haben.“ Zentner von Unterlagen lägen einfach herum. Es gebe auch keine Archivdatenbank.

Dank an Vorgänger Werner Garbas

Anderthalb zusätzliche Vollzeitstellen für den Alltag, gar vier Stellen, um in 15 Jahren einen Mindestlevel in puncto Erschließung und Einlagerung zu erreichen, rechnete Brunken vor, wohlwissend, dass diese Stellen kaum geschaffen werden.

Seinem Vorgänger Werner Garbas machte Brunken übrigens keinen Vorwurf: Der habe sein Leben dem Archiv gewidmet und befände sich im wohlverdienten Ruhestand. „Wir stehen im Kontakt“ sagte Brunken. Sein Dank richtete sich an seine beiden Teilzeitmitarbeiterinnen, die sich in der Zeit zwischen Garbas‘ Abschied und Brunkens Start – ein Jahr lang – „verdienstvoll um das Archiv gekümmert haben“.


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