Zwei neue Ausstellungen Walherz und Science-Fiction in der Delmenhorster Galerie

Von Sascha Sebastian Rühl

Die Berliner Künstlerin Isa Melsheimer stellt ihre größte Skulptur vor: die Nachbildung eines Walherzens in Originalgröße. Foto: Sascha Sebastian RühlDie Berliner Künstlerin Isa Melsheimer stellt ihre größte Skulptur vor: die Nachbildung eines Walherzens in Originalgröße. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Ein Blick in die Zukunft, gigantische Walorgane oder Kunst, die sich täglich verändert, werden gezeigt. Isa Melsheimers Studenten haben Raum zum Austoben bekommen.

Die Städtische Galerie Delmenhorst eröffnet an diesem Freitag, 13. April, um 20 Uhr zwei neue Ausstellungen. Im Haus Coburg wird die Schau „Isa Melsheimer. Psychotropische Landschaften“ zu sehen sein, in der Remise präsentieren 20 Studierende der Klasse Melsheimer (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) das Ausstellungsprojekt „Something Old, something New, something Borrowed, something Blue“.

Science Fiction spielt große Rolle

„Ich fand sie schon immer großartig“, schwärmt Galerieleiterin Dr. Annett Reckert am Donnerstag der rund 50 Arbeiten umfassenden Ausstellung. Damit gemeint sind Landschaften, die sich ständig veränderten. Science Fiction spiele in ihrer Kunst eine große Rolle, erklärt Isa Melsheimer. Wandfliesen, die dreisimensionale Bakterien zeigen, sind am Anfang des Rundgangs zu sehen. Weiter geht es mit großen Keramiken, die größte ist die Nachbildung des Herzens eines Blauwals. „Die passte gerade so in den Ofen rein“, erläutert die Künstlerin. Die Verstrebungen im Inneren des Organs dienten zur Stabilität und gäben der Skulptur auch etwas Architektonisches.

Ständig wachsendes Exponat

Keramik, Beton und Glas gehören zu den bevorzugten Materialien der Künstlerin, genauso aber auch Stoffe, Nähgarn und Polsterwatte oder auch Erde und Pflanzen. Im Wintergarten wird jeder Besucher einen eigenen Eindruck mit nach Hause nehmen können. Darin ist ein abgeschlossener Vegetationsraum ausgestellt, in dem Pflanzen von der Außenwelt abgeriegelt sind und wachsen. In Collagen und Skulpturen erforscht Melsheimer die Zukunft der menschlichen Lebensräume. Dabei lässt sie sich von Science Fiction beeinflussen. So entstanden Berge und Gebirge aus Weinflaschen-Scherben, die aussehen wie Landschaften von einem anderen Planeten.

Studenten toben sich aus

Die Klasse Isa Melsheimer zeigt in der Remise eine Auswahl an Arbeiten von insgesamt 20 Studierenden. Zu sehen gibt es etwa 30 Werke, darunter Arbeiten an der Schnittstelle von Zeichnung, Malerei, Fotografie, Skulptur, Performance und Installation. Gleichzeitig werden Außenarbeiten realisiert, die im Zuge des Ausstellungsaufbaus und in unmittelbarer Nähe von Haus Coburg entstehen. Frisch und unverstellt blicken die Kunst-Studierenden auf ihre Umgebung und experimentieren mit unterschiedlichen Medien. So wird dreidimensional im Gang die Form von Vogelkot, der auf dem Galerie-Gelände entdeckt wurde, künstlerisch gezeigt. Die unterschiedlichen Stile bieten eine große Bandbreite künstlerischen Schaffens. In der Remisen-Schau erfahren die verschiedenen Positionen junger Kunst eine Vermählung – gemäß dem altem Hochzeitsbrauch „etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues“.

„Ohne Förderung nicht möglich“

Eine Glasskulptur der Berliner Künstlerin Isa Melsheimer.

Beide Ausstellungen werden von der Stiftung Niedersachsen, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Delmenhorster Firma Wehrhahn unterstützt. Die Studierenden der Klasse Melsheimer erhalten für ihr Projekt eine Unterstützung durch Studienqualitätsmittel der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. „Unser Haus könnte ohne Förderung nicht existieren“, betont Leiterin Dr. Annett Reckert.