„Tüchtig umgekrempelt“ Stadtbücherei Delmenhorst legt Jahresbericht 2017 vor

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Bücher können in der Stadtbücherei Delmenhorst auch digital ausgeliehen werden. Symbolfoto: dpaBücher können in der Stadtbücherei Delmenhorst auch digital ausgeliehen werden. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Bücherei-Leiterin Anika Schmidt krempelt mit ihrem Team die Stadtbücherei Delmenhorst um. Der Bestand der Belletristik sowie der Kinder- und Jugendliteratur wurde bereits ausgebaut.

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, heißt es. Der stete Wandel muss also ein Prinzip sein, will man erfolgreich bleiben. Anika Schmidt, seit Herbst 2016 Leiterin der Stadtbücherei Delmenhorst, weiß das. Mit Beginn ihrer Arbeit hat sich Schmidt dafür eingesetzt, die Bücherei moderner zu machen. „Bibliotheken haben die Aufgabe, den Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort unter Berücksichtigung des aktuellen, medialen Wandels gerecht zu werden“, sagt sie. Schmidt geht das offensiv an. Nach einer intensiven Bevölkerungsanalyse Ende 2016 ist im vergangenen Jahr ein neues Bestandskonzept eingeführt worden. Der Bestand der Belletristik sowie der Kinder- und Jugendliteratur wurde ausgebaut. Zugleich ist der Bereich Sachliteratur verkleinert und inhaltlich neu überdacht worden. „50 Prozent des Bestandes waren Sachbücher, viel zu viel“, sagt Schmidt. Man habe „tüchtig umgekrempelt“. Statt auf hochwissenschaftliche Werke zu setzen, die kaum nachgefragt wurden, werden im Bereich Sachbuch laut Schmidt künftig verstärkt Ratgeber und Alltagshilfen angeschafft.

Durch räumliche Veränderungen der Stadtbücherei habe man zudem die Aufenthaltsqualität erhöht – unter anderem mit dem Lesecafé im Erdgeschoss und der Neugestaltung der Kinderbuchabteilung. Medien werden im gesamten Haus vermehrt frontal, also sichtbarer, präsentiert.

Kooperation mit Delme-Werkstätten

Besonders froh ist Anika Schmidt über eine neue Kooperation mit den Delme-Werkstätten, die einen Teil der technischen Medienbearbeitung übernehmen. „Die Mitarbeiter binden neue Bücher in Schutzfolie ein. Durch die Zusammenarbeit können wir Neuanschaffungen schneller in den Bestand einpflegen.“

2017 sind auch die bibliothekspädagogischen Angebote für Kindertagesstätten und Schulklassen erweitert worden. Zudem ist mit der „Filmlese“ eine erste, regelmäßige Veranstaltungsreihe im Bereich der kulturellen Bildung für Erwachsene „erfolgreich etabliert“ worden. Und das bei einem Etat, der für Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 1700 Euro beträgt. „Das macht pro Veranstaltung 7,72 Euro,“ rechnet Schmidt bei deutlich mehr annähernd 230 Veranstaltungen vor. „Das Budget ist mehr als schwach.“ Zu den Höhepunkten im Veranstaltungereigen gehörte für Schmidt der 1. Delmenhorster Koffermarkt mit rund 450 Besuchern und der 1. Gratis-Comic-Tag, zudem etwa 350 Besucher kamen.

Wunsch nach Social Media

Der Wandel der Zeit zeigt sich bei der Entleihung von virtuellen Beständen (eBooks, ePaper, eAudios). 2017 gab es 17.264 Entleihungen in diesem Bereich, gut 2000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Ausleihen ist im Vergleich zum Jahr 2016 (leicht rückläufig). 2017 gab es insgesamt 192.190 Ausleihen. Der Bestand umfasst 68.357 Medien.

Geht es nach Büchereileiterin Schmidt, wird die Einrichtung künftig noch moderner. „Wir sind in keinem sozialen Netzwerk vertreten, das ist nicht zeitgemäß“, betont sie. Schmidt möchte gern einsteigen, gerade über Instagram ließe sich ohne großen Aufwand viel machen, doch die Stadtverwaltung setzt da noch einen Riegel vor. Der Erste Stadtrat Marcus Pragal hat jetzt angekündigt, die Verwaltung werde Überlegungen zu einem Gesamtkonzept Social Media anstellen. Schmidt setzt ihren Weg der Modernisierung derweil fort. In Kürze soll es in der Bücherei einen öffentlich zugänglichen 3D-Drucker geben. Zudem werde ein Plattenspieler angeschafft, mit dem Besucher ihre Vinylplatten digitalisieren können.


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