Absage an Integrationsverein Islamisches Zentrum in Delmenhorst scheitert an Rossmann

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Anstelle des Güterbahnhofs (links, oben die Bahnline mit der Nordenhamer Straße darunter) möchte der Integrations- und Bildungsverein DIBV ein Schulungszentrum für Muslime machen.Die Stadt stört sich jedoch an einer im Erdgeschoss geplanten Drogerie, die der Innenstadt und dem angrenzenden Nahversorgungszentrum mit Inkoop (rechts) schade. Kartendaten:GeoBasis-DE/BKG, GoogleAnstelle des Güterbahnhofs (links, oben die Bahnline mit der Nordenhamer Straße darunter) möchte der Integrations- und Bildungsverein DIBV ein Schulungszentrum für Muslime machen.Die Stadt stört sich jedoch an einer im Erdgeschoss geplanten Drogerie, die der Innenstadt und dem angrenzenden Nahversorgungszentrum mit Inkoop (rechts) schade. Kartendaten:GeoBasis-DE/BKG, Google

Delmenhorst. Der Integrationsverein DIBV will ein Seminarhaus im alten Güterbahnhof bauen und das über eine Ladenmiete mitfinanzieren. Die Stadt hält jedoch eine Geschäftsansiedlung für nicht zulässig.

Nach kontroverser und teils emotionsgeladener Debatte hat der Planungsausschuss des Stadtrates am Dienstagabend, 10. April 2018, mit breiter Mehrheit einen Antrag des Integrations- und Bildungsvereins (DIBV) abgelehnt, im alten Güterbahnhof zwischen Bahnlinie und Syker Straße ein islamisches Bildungszentrum mit Ansiedlung einer Rossmann-Drogerie im Erdgeschoss einrichten zu können.

Geschätzte Integrationsarbeit

Grund für die Absage sind nicht etwa Vorbehalte gegen die Integrations- und Bildungsaktivitäten in dem geplanten Zentrum, sondern ausschließlich die Folgen einer Drogerie-Eröffnung, welche die wirtschaftliche Grundlage für das Gesamtvorhaben darstellt. Die Verwaltung argumentiert in ihrer Ablehnung mit dem städtischen Einzelhandels-Konzept, das zum einen den Schutz der Innenstadt-Geschäfte gegen weitere Konkurrenz in Randlage vorsieht und zum anderen Nahversorgungszentren klare Grenzen aufgibt. Und das ist hier der Fall, denn mit Inkoop, Lidl, Getränkemarkt und weiteren Verkaufsflächen ist das Nebenzentrum im Bereich Bremer/Nordenhamer Straße metergenau abgesteckt. Die deutliche Erweiterung durch Hinzunahme eines Drogeriemarktes würde nicht nur dem Einzelhandel in der City schaden, sondern auch den Nebenzentren in anderen Stadtteilen. Außerdem sei die verkehrliche Anbindung an die Nordenhamer Straße gegenüber der Inkoop-Einfahrt mehr als problematisch. Rossmann könnte sich mithin zwischen Inkoop und Lidl ansiedeln.

Treue zum Grundgesetz

Für den DIBV ergriff Yusuf Alic leidenschaftlich das Wort und bat darum, „uns keine Steine in den Weg zu legen“. Er bekräftigte Verfassungstreue, Überparteilichkeit und Gemeinnützigkeit und verwies auf die Vielzahl der ehrenamtlichen und integrativen Tätigkeiten des Vereins. Es gehe nicht nur um eine Seminarstätte für Muslime und Imam-Ausbildung in deutscher Sprache, sondern auch um Wohnungen für Pflegebedürftige – hier sei Harald Groth, Awo-Bezirkschef, mit im Boot. Alic: „Delmenhorst ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland. Es ist an der Zeit, dass wir auch mal gefördert werden!“ Man wolle ja kein Geld von der Stadt, sondern lediglich Baurecht.

Jüdische Gemeinde unterstützt

Ein Vertreter von Rossmann erläuterte das Vorhaben, verwies auf Arbeitsplätze und eine mögliche Erweiterung der City-Filiale. Unterstützung bekam der DIBV sogar von der jüdischen Gemeinde. Deren Vorsitzer Pedro Benjamin Becerra warb für das Vorhaben als wichtigen Beitrag „für Ausbildung und Integration von Muslimen, die unser Wertesystem mittragen.“


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