Medizinvortrag in Delmenhorst Digitale Zukunft der Pflege

Von Paul Wilhelm Glöckner

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Derzeit werden sprechende Puppen erprobt, die aber noch keinen Pfleger ersetzen können, erklärte Prof. Fangerau. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpaDerzeit werden sprechende Puppen erprobt, die aber noch keinen Pfleger ersetzen können, erklärte Prof. Fangerau. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

glö Delmenhorst. Die Digitalisierung hat Einfluss auf Pflege und Medizin. Der Düsseldorfer Medizinhistoriker Heiner Fangerau warf einen Blick auf die Chancen und Probleme, die die Digitalisierung in der Pflege mit sich bringt.

Angesichts schwindender Betreuerzahlen im Gesundheitsbereich erscheint eine umfassende Technisierung und Digitalisierung der Medizin unumgänglich.

Mit Prof. Dr. med. Heiner Fangerau hat die Delmenhorster Universitätsgesellschaft am Montag daher in den Räumen des Hanse-Wissenschaftskollegs einen ausgewiesenen Spezialisten zu diesem Thema geladen. Der Medizinhistoriker ist auf Geschichte und Ethik der Medizin spezialisiert und zeigte in dem Vortrag „Altersgerechte Assistenzsysteme“ Chancen und Probleme der Digitalisierung auf. Er machte den 34 Zuhörern deutlich, welche ungeheuren Potenziale sich etwa durch die Erfassung von Daten am Patienten und Teleanwendungen für Diagnostik, Therapie, Prävention, Gesundheitsmanagement und Pflege für die Medizin ergeben. Allerdings würden sich diese Prozesse modifizierend auf Menschenbilder, Mensch-Technik-Interaktionen und auf das menschliche Beziehungs- und Verantwortungsgefüge auswirken. Besonders für die Betreuung älterer Menschen stellten sich damit aber auch Fragen der Verantwortung, weil erhobene Daten häufiger öffentlich würden.

Betreuungsprofil der Zukunft

Fangerau entwarf im Einzelnen ein fast bedrückendes Betreuungsprofil der Zukunft, bei dem die zu Betreuenden mit Lichtschranken, Körpersensoren, Türalarmsystemen und elektronischen Medikamentenspendern einer fast absoluten Kontrolle unterworfen werden. Sogar sprechende Puppen würden laut Fangerau zurzeit erprobt, die aber doch keinesfalls einen wirklichen Pfleger ersetzen könnten. Das selbstbestimmte Leben werde dadurch immer mehr eingeschränkt, man spräche bereits von einer assistiven Kolonialisierung, da immer mehr Apparaturen, direkt vom Patienten selbst beschafft und eingesetzt werden. Innerhalb der Ärzteschaft ziehe das bereits Ängste vor einer Deprofessionalisierung nach sich. Wer das alles bezahlen solle, sei ungeklärt, die politisch Verantwortlichen seien daher aufgerufen, die Privatsphäre zu schützen und Eingriffe in Persönlichkeitsrechte sorgsam zu prüfen.


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