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11.04.2018, 09:30 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Ohren zu und durch

Von Marco Julius

Wilhelm Busch sagt: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Musik kann böse Folgen haben. Foto: Jens Schierenbeck/dpa/tmnWilhelm Busch sagt: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Musik kann böse Folgen haben. Foto: Jens Schierenbeck/dpa/tmn

Delmenhorst. Ein Bratschist mit Hörsturz, böse Lieder von Heino, lebensverlängernde Konzerte: Die neue Folge „Quergedacht“ zeigt, wo die Musik spielt.

In mittelprächtigen Kolumnen wird, wenn es um Tonkunst geht, gern ein Mann zitiert, der heute vielleicht Rapper wäre oder Graphic-Novel-Künstler, den die Jugend aber inzwischen vergessen hat – Wilhelm Busch. Also los: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Den Begriff „Akustischer Schock“, den kannte Busch zwar noch nicht, der ist aber jetzt in England populär. Recht hat er vielleicht dennoch. Im Land der Briten ist gerade einem Bratschisten Verdienstausfall und Schadensersatz zugesprochen worden. Bei der Probe zu Wagners Walküre am Royal Opera House bratschte der Mann direkt vor den Blechbläsern, die loslegten als wären es die Trompeten von Jericho. Trotz Ohrstöpsel war das eindeutig too much für den guten Mann, sein Gehör kollabierte, er ist berufsunfähig.

Der Ostfriese unter den Musikern

Nun ist es nicht ganz neu, dass Musiker einen Hörsturz erleiden oder im Laufe ihres Lebens schleichend ihr Gehör verlieren. Beethoven soll gegen Ende seines Lebens bekanntlich so taub gewesen sein, dass er dachte, er sei ein Maler. Böse Menschen mögen denken, es sei vielleicht ganz gut, wenn Bratschisten nicht mehr so gut hören, denn in Musikerkreisen ist der Bratschist so etwas, wie es mal der Ostfriese war – oder der andere Ossi, der Ostdeutsche: eine Witzfigur. Doch auf böse Menschen wollen wir nicht hören, die haben bekanntlich keine Lieder. Wobei das natürlich auch wieder Quatsch ist. Ganz böse Menschen hören ja sogar Heino-Platten mit allen Strophen des Lieds der Deutschen. Doch wie kann die Ehrenrettung der Musik gelingen? Blicken wir wieder nach England. Forscher haben dort herausgefunden, dass 20 Minuten Live-Musik die Stimmung eines Menschen um 21 Prozent steigern. Da kann selbst Yoga nicht mithalten. Wer alle zwei Wochen eine Live-Show besucht, könne sein Leben um eine Dekade verlängern. Vielleicht hört man dann einfach nicht, wenn der Sensenmann anklopft.