Umschulungen in Delmenhorst Die Marathonläufer der Arbeit

Von Frederik Grabbe

Will ihre Umschulungsquote deutlich steigern: Die Agentur für Arbeit in Delmenhorst. Foto: Frederik GrabbeWill ihre Umschulungsquote deutlich steigern: Die Agentur für Arbeit in Delmenhorst. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die Wirtschaft brummt, die Betriebe suchen Fachkräfte wie selten: Vor diesem Hintergrund will die Agentur für Arbeit die Quote ihrer Umschüler gehörig nach oben schrauben. Diese müssen allerdings ein besonderes Maß an Disziplin vorweisen.

Wer eine Berufsausbildung in der Tasche hat, ist bei der Suche nach Arbeit deutlich erfolgreicher als Ungelernte: Diese einfache Formel scheint wenig überraschend. Blickt man allerdings auf Zahlen der Agentur für Arbeit, verblüffen sie dann doch: Demnach waren im Jahresdurchschnitt 2017 4042 Menschen als arbeitslos gemeldet, hat die Geschäftsstellenleiterin Karin Kayser kürzlich mitgeteilt. Die Arbeitslosenquote lag demnach bei Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei 33 Prozent. Bei denen mit einer Berufsausbildung hingegen lag sie bei lediglich 4,9 Prozent – im direkten Vergleich ist die Arbeitslosigkeit bei Ungelernten also fast sieben Mal höher.

Agentur will Umschulungsquote um zwei Drittel anheben

Kein Wunder also, dass die Agentur anstrebt, beispielsweise durch Umschulungen die Qualifikationen von Arbeitslosen aufzuwerten. 2018 will sie hierbei zu einem ordentlichen Sprung ansetzen: 2017 haben laut Claudia Zimmermann, Sprecherin der Agentur, insgesamt 30 Menschen in Delmenhorst Umschulungsprogramme durchlaufen. Hinzu kommen 173 berufliche Weiterbildungen. 2018 sollen es 50 Umschulungen werden. Die Agentur will die Quote also um zwei Drittel nach oben schrauben. Das ist ehrgeizig – erscheint aber angesichts von rund 4000 Arbeitslosen nicht gerade viel.

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Umschüler müssen hohes Maß an Disziplin beweisen

Allerdings gibt Zimmermann zu bedenken: „Umschulungen sind für die Teilnehmer sehr anspruchsvoll. Nach der Arbeit gilt es, den Schulstoff zu bewältigen. Das erfordert Zeit. Das muss dem Teilnehmer – aber auch seiner Familien oder dem Partner – bewusst sein.“ Hinzu komme eine Entlohnung, die meist unter dem Niveau eines Helfer-Jobs liege. So erhalte ein Teilnehmer in der Regel die Vergütung in Höhe des Arbeitslosengeldes (60 Prozent vom Netto-Gehalt) – und das immerhin über einen Zeitraum von zwei Jahren. Hinzu kommen Kostenerstattungen wie für Fahrten oder Lernmittel. Umschüler in einem Betrieb erhalten zudem bis zu 400 Euro monatlich vom Arbeitgeber zusätzlich.

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Psychologischer Test muss bestanden werden

Durch diese zeitlichen und finanziellen Einbußen will die Entscheidung für eine Umschulung also wohl überlegt sein. Sie verlange ein besonderes Maß an Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen ab, sagt Zimmermann. Salopp gesprochen, sind Umschüler also die Marathonläufer der Arbeit. Sie müssen vor dem Einstieg in so ein Programm einen Eignungstest durch den Berufspsychologischen Service bestehen, der laut der Sprecherin Interessen und Vorkenntnisse abklopft – und den Teilnehmern später in ihrer Entscheidung Sicherheit gibt.

Agentur fördert Arbeitgeber mit bis zu 50 Prozent des Bruttolohns

Ihr Umschulungs-Portfolio hat die Agentur mit den Programmen „Zukunftsstarter“ und „Wegebau“ bestückt. „Zukunftsstarter“ richtet sich an junge Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren, die keine Ausbildung haben oder vier oder mehr Jahre berufsfremd gearbeitet haben, beispielsweise in einer ungelernten Tätigkeit. „Wegebau“ hingegen fördert direkt ältere gering qualifizierte Arbeitnehmer in einem Betrieb. Dabei zahlt die Agentur durch verschiedene Zuschüsse und Pauschalen bis zu 50 Prozent des Bruttolohns. Hier trägt der Arbeitgeber selbst dazu bei, sich – abgesehen von Ausbildungen – Fachpersonal heranzuziehen.