Delmenhorster mitangeklagt Zerstörerische Serieneinbrecher wollen vor Gericht reden

Von Ole Rosenbohm

Fünf für eine Einbruchsserie angeklagte Delmenhorster, Syker und Bremer wollen sich am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg äußern. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaFünf für eine Einbruchsserie angeklagte Delmenhorster, Syker und Bremer wollen sich am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg äußern. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Geständnisse von vier der fünf Angeklagten aus Delmenhorst, Syke und Bremen werden am Mittwoch im Prozess um 26 Einbrüche vor dem Landgericht Oldenburg erwartet. Abzuwarten bleibt, wie umfangreich die Geständnisse sind und ob die Angeklagten erklären, warum sie einige Häuser mit Chemikalien und Wasser verwüsteten.

Fast zwei Monate haben die Angeklagten höchstens mit ihren Anwälten getuschelt, jetzt aber wollen sie sich äußern: Der Prozess vor dem Landgericht Oldenburg gegen fünf Männer aus Delmenhorst, Syke und Bremen um 26 Einbrüche, bei denen in vier Fällen komplette Häuser oder Etagen durch Wasser-Flutungen oder das Verteilen von Chemikalien fast oder ganz zerstört wurden, erlebt mit den Einlassungen am Mittwoch seinen vorläufigen Höhepunkt.

Beweislast ist erdrückend

Auch wenn nicht klar ist, für welche Taten, ist absehbar, dass vier der Männer Geständnisse ablegen werden. Wohl auch deshalb, da die Beweislast erdrückend ist: unter anderem durch das bei Hausdurchsuchungen gefundene Diebesgut. Der fünfte Angeklagte, ein 39-Jähriger, erwartet einen Freispruch für sich. Offenbar können ihm die Ermittler tatsächlich keine Tatbeteiligung nachweisen, die über das Mitfahren im Audi A8 eines anderen Angeklagten hinaus geht. Einem 27- und einem 26-Jährigen werden vier sowie fünf Taten vorgeworfen. Zu Prozessbeginn durchgeführte Rechtsgespräche lassen schließen, dass ihnen unter der Voraussetzung eines Geständnisses eine Strafe von zwei bis drei Jahren Haft erwarten könnte.

Hauptangeklagten drohen mehrere Jahre Haft

Um mindestens vier Jahre Haft geht es für die Hauptangeklagten. Einem 28-Jährigen werden 17 Einbrüche vorgeworfen, einem 38-Jährigen sogar 23. Diese Männer waren möglicherweise auch dabei, als zusätzlich zu einbruchstypischen Verwüstungen oder Schäden – ausgekippte Schubladen, kaputte Terrassentüren – einfach alle Wasserhähne angestellt und die Abflüsse verstopft wurden. In einem Fall beträgt der Schaden weit über 100.000 Euro, nachdem das Wasser vier Tage lang gelaufen war. Die Versicherung riet später zum Abriss statt zur Sanierung.

Ungewöhnliche Zerstörungswut

Ungewöhnlich die Zerstörungswut, von der die Täter ja keine Vorteile hatten, ungewöhnlich auch, warum manche Objekte ausgewählt wurden: Denn genannter 38-Jähriger war nach Erkenntnis der Ermittler auch an einem Einbruch in ein Haus beteiligt, das direkt gegenüber dem seiner Familie steht. Mehr noch: Ein weiteres Einbruchsopfer ist mit der Mutter seines Kindes verwandt. In diesem Haus verteilten die Einbrecher ätzende Chemikalien, sorgten so für einen Schaden in mittlerer fünfstelliger Höhe. Das Haus nebenan – ebenfalls ein Verwandter der Kindsmutter – war in der selben Nacht auch noch dran.

Verurteilung wegen Bandendiebstahls könnte teuer werden

Spannend, ob Angeklagte am Mittwoch Verantwortung für die Verwüstungen übernehmen. Teuer kann es aber auch für die anderen werden: Sollte das Gericht wegen Bandendiebstahls verurteilen, muss jedes Mitglied mit eigenem Vermögen für den Gesamtschaden haften – lebenslang. Diese Summe könnte sich bei knapp einer halben Million Euro einpendeln. Der letzte Prozesstag ist für Mitte Juni angesetzt.