Erstklassige Unterhaltung Chanson-Trio besticht in Delmenhorst mit Ironie und Tiefgang

Von Jasmin Johannsen

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wussten ihr Publikum mit Kabarett und Chansons zu überzeugen (v.li.): Adrian Rusnak (am Klavier), Michael Müller und Sylke Heil im Foyer des Kleinen Hauses. Foto: Jasmin JohannsenWussten ihr Publikum mit Kabarett und Chansons zu überzeugen (v.li.): Adrian Rusnak (am Klavier), Michael Müller und Sylke Heil im Foyer des Kleinen Hauses. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Einen erstklassigen Chanson-Abend konnte das Publikum im Kleinen Haus erleben. Unter dem Motto „Tanzende Tanten und küssende Fische“ spielten Michael Müller, Sylke Heil und Adrian Rusnak auf.

Mit bissigem Kabarett und leisen Tönen hat Michael Müller am Sonntag seine ganze Bandbreite gezeigt. Unter dem Motto „Tanzende Tanten und küssende Fische“ präsentierte der Musikschul-Leiter im Foyer des Kleinen Hauses einen Chanson-Abend mit Verve und Humor. An seiner Seite spielte, wie auch in den vergangenen Jahren, der Pianist Adrian Rusnak. Dieses Mal wurde das Duo um Sylke Heil erweitert. Eine lohnende Idee, wie sich schnell herausstellte: Die Chemie zwischen den beiden Sängern stimmte.

Perlen des Chansons

Weniger bekannte Chansons von Cole Porter, Friedrich Hollaender oder Günter Neumann dominierten das Programm. „Wir haben tief in den Archiven gegraben“, erklärte Müller dann auch prompt. Fündig wurden die Musiker mit Perlen aus den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Noch immer sprühen die Texte von Schlagern wie „Kinder, heut Abend, da such ich mir was aus“ über eine männertolle Frau vor Witz und Charme. Das Publikum amüsierte sich aber nicht nur darüber, auch die Darbietungen von Heil und Müller wussten zu überzeugen.

Der stetige Wechsel zwischen Soli und Duetten, immer mit einem augenzwinkernden Schlagabtausch versehen, machten den Abend zu einem kurzweiligen Vergnügen. Heil punktete vor allem in der Rolle einer zu fülligen Stewardess. Ihre „Babette vom Jumbo Jet“ brachte die Zuschauer zum Lachen. Gleiches schaffte Müller mit Georg Kreislers abstrusem Lied über eine Wanderniere. „Denn das Wandern ist der Niere Lust! Holleri, heiaho…“, schmetterte er dem Publikum entgegen. Überhaupt spielte der Österreicher, wie schon in einigen Chanson-Abenden zuvor, eine zentrale Rolle. „Meine Klassenkameraden standen auf Suzi Quatro, ich kaufte mir Platten von Kreisler“, schmunzelte Müller. Und so verwundert es nicht, dass eines seiner Lieder, „Zwei alte Tanten (tanzen Tango)“, namensgebend für den Abend waren.

Spitzen gegen die AfD

Ganz im Sinne des Kabaretts wurden aber auch die politischen Missstände in Deutschland angeprangert. Vor allem rechtspopulistische Parteien wie die AfD, deren Wähler und andere „unliebsame Zeitgenossen“ bekamen unter anderem mit Kreislers zynischer „Frau Schmidt“ ihr Fett weg.

Ein rundum stimmiger Abend mit hervorragenden Musikern, einer exzellenten Liedauswahl und einem gut aufgelegten Publikum, das viel Schlussapplaus spendete.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN