Gegen „Ungeist im Rathaus“ Delmenhorster Bündnis gegen Rechts nimmt AfD in den Fokus

Von Thomas Breuer

Auch beim Auftritt des führenden AfD-Kopfes Alexander Gauland in Brinkum im Bundestagswahlkampf 2017 hatte das Bündnis gegen Rechts Flagge gezeigt. Archivfoto: Thomas BreuerAuch beim Auftritt des führenden AfD-Kopfes Alexander Gauland in Brinkum im Bundestagswahlkampf 2017 hatte das Bündnis gegen Rechts Flagge gezeigt. Archivfoto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Die Sprecher des Delmenhorster Bündnisses gegen Rechts beklagen einen „Schwenk in der politischen Großwetterlage“. Dieser wirke sich bis vor Ort aus, auch auf Projekte des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Delmenhorst. Mit einer klaren Haltung gegen die im Stadtrat vertretene AfD will das seit 2010 bestehende „Breite Bündnis gegen Rechts – Delmenhorst bleibt bunt“ sein Profil neu schärfen. „Es geht in der Stadt darum“, heißt es in einem Positionspapier, „den ins Rathaus eingezogenen Ungeist aufzuzeigen, anzuprangern und mit Gleichgesinnten wirkungslos zu machen“.

Etliche Veranstaltungen im laufenden Jahr

Hartmut Nordbruch (84) und Dr. Christian Glaß (82) treten damit auch gegen die bei einzelnen der mehr als 120 Bündnis-Mitglieder (Vereine, Institutionen, Parteien und 54 Privatpersonen) vorherrschende Meinung an, der Zusammenschluss existiere wesentlich nur noch auf dem Papier.

Sie verweisen auf umfangreiche Aktivitäten auch im laufenden Jahr. So gebe es vom 13. April bis 9. Mai etwa eine Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) zum offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland am 8. Mai 1945.

Kooperation mit VHS und Evangelischer Kirche

Ebenfalls in der VHS werde am Freitag, 8. Juni, der Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit aus seinem Buch „Reichsbürger: Die unterschätzte Gefahr“ lesen. Im September erwartet das Bündnis den Soziologen Denis van de Wetering mit Ausführungen zum Rechtspopulismus.

Ebenfalls im Herbst soll die Politologin Andrea Röpke aus dem „Jahrbuch rechter Gewalt 2017“ vortragen. Letztgenannte Veranstaltung werde von der Evangelischen Kirche in Delmenhorst unterstützt, die damit ebenso wie die VHS im laufenden Jahr ein wichtiger Kooperationspartner sei.

„Das Ohr noch auf der Schiene“

Die enge Vernetzung mit Gleichgesinnten in der weiteren Region liegt dem fünfköpfigen Sprecherrat des Bündnisses ebenfalls sehr am Herzen, für den Austausch und mögliche gemeinsame Aktionen. „Das Ohr haben wir immer noch auf der Schiene“, sagt Gewerkschafter Nordbruch. „Ich sehe keine Möglichkeit, sich beruhigt zurückzulehnen“, fügt Glaß an.

Mehr Rückgrat eingefordert

Sorgen bereitet ihnen vor allem „ein mit der politischen Großwetterlage einhergehender Schwenk“. Auch von den hiesigen Verantwortlichen für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ wünschen sie sich mehr Rückgrat.

Zu erkennen, sagen die beiden Männer, sei ein gewisser vorauseilender Gehorsam. Weil die AfD nun einmal in vielen Parlamenten sitzt, seien Projekte, die auf diese Partei zielen, zunehmend schwerer durchzusetzen.