Österliche Kindheitserinnerungen Keine Ostereier wegen häufigen Ungehorsams

Von Folkert Müller

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Delmenhorst. Kartoffeln am Osterfeuer und ein geschickter Osterhase: Folkert Müller blickt zurück auf die österlichen Festtage in seiner Kindheit. Die Rot-Grün-Blindheit des Vaters sorgte für einige Überraschungen.

Wir Kinder freuten uns sehr auf Ostern. Wir bekamen ja sonst nie Leckereien; höchstens, wenn Besuch zu uns kam und dann für uns etwas mitgebracht worden war. Ostern fing bei uns mit Ostersonnabend an. Zusammen mit Nachbarn wurde ein Osterfeuer entzündet. Zusammengetragener Strauchschnitt wurde mit anderem brennfähigem Material ergänzt. Es gab ja noch keine Müllabfuhr. Häufig war es recht kühl, doch die Feuerflammen spendeten Wärme. Wir Kinder legten Kartoffeln an den Rand des Feuers und genossen diese, auch ohne sie abzupellen.

Ein Körbchen für jedes Kind

Anschließend bekam jedes Kind von seinen Eltern ein Körbchen mit Namensschild. Diese wurden bei gutem Wetter in den heimischen Gärten an geschützten Stellen untergebracht. Bei starkem Regen – so versicherten alle Eltern – würde der Osterhase durch ein etwas geöffnetes Stubenfenster hindurchschlüpfen, um in der Stube die Körbchen zu füllen.

Notiz vom Osterhasen

An einen Ostersonntagmorgen kann ich mich noch gut erinnern. Wir betraten unsere Stube. Unser Blick fiel auf die dort aufgestellte große Wandtafel. Darauf war eine Notiz zu sehen, die vom Osterhasen stammte. Er grüßte von einem bunt gemalten Bild. Allerdings fanden wir es sehr merkwürdig, dass die Wiese rotbraun und der Osterhase mit einem Riesenkorb bunter Ostereier grün aussah. Ich als Ältester war damals schon „aufgeklärt“ und erfuhr auf diese Weise, dass mein Vater eine Rot-Grün-Sehschwäche hatte.

Tadel für Kraftausdruck

Meine Mutter hatte mir eingeschärft, meinem jüngeren Bruder nichts zu verraten. Deswegen hatte ich auch richtig reagiert, als mein jüngerer Vetter mich ein paar Tage zuvor fragte, ob der Osterhase außer Ostereiern auch noch andere Geschenke hätte. Meine Tante hatte dies wohl mitbekommen. Sie überbrachte meiner Mutter meine Antwort: „Oh, ich darf dir davon nichts sagen. Aber einmal wirst du merken, wie dich deine Eltern ‚beschissen‘ haben.“ Meine Mutter lobte meine Reaktion, tadelte jedoch meinen Kraftausdruck.

Bittere Nachricht lag im Körbchen

An diesem Ostermorgen bekam mein Bruder einen gewaltigen Schreck. Sein Körbchen war leer. Nur ein Brief lag drin. Der war vom Osterhasen. Der Inhalt: Keine Ostereier wegen häufigen Ungehorsams. Dies tat meinem Onkel, der uns an jenem Tag besuchte, sehr leid. Er fragte, ob er meinen Bruder für einige Tage mitnehmen könnte. Als mein Bruder nach einer Woche zurückkehrte, erklärte er strahlend: „Der Osterhase in Ostfriesland ist viel besser als der in Delmenhorst. Ich habe an jedem Morgen etwas vom Osterhasen bekommen.“

Am Ostermorgen ging es ins Grüne

Nach dem Frühstück machten wir am Ostermorgen mit Familien aus der Nachbarschaft einen kleinen Spaziergang. Das Ziel war eine Wiese, wo wir uns sportlich betätigten: Weitwurf mit hart gekochten Eiern, die anschließend verzehrt wurden. Dazu gab es ein Schnäpschen – natürlich nur für die Erwachsenen.


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